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iPRES - Internationale Konferenz zum Thema Digitale Archive am 15. und 16. September 2005 in Göttingen - Digitales kultu

27.09.2005 - (idw) Projektträger im DLR

"Unserer Gesellschaft droht der digitale Alzheimer, wenn wir nicht schleunigst etwas dagegen unternehmen", prophezeite Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Bibliothek, auf der internationalen iPRES-Konferenz in Göttingen, auf der sich Mitte September zwei Tage lang rund hundert Teilnehmer aus dem In- und Ausland mit aktuellen Fragestellungen der digitalen Langzeitarchivierung beschäftigten. Die Vorträge der Konferenz sind weitgehend online verfügbar unter www.langzeitarchivierung.de/ipres, eingebettet in die Übersicht des Konferenzprogramms.
Die hohe internationale Beteiligung an der iPRES-Konferenz - knapp die Hälfte der Teilnehmer kam aus dem Ausland, aus den USA, China und Europa - lasse hoffen, so Prof. Dr. Elmar Mittler, Direktor der gastgebenden Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), dass internationale Kooperationen zustande kommen und bereits existierende Ansätze verstärkt werden. Die nächste internationale Konferenz zur digitalen Langzeitarchivierung jedenfalls soll im Laufe des Jahres 2006 in den USA stattfinden.

Niggemann wies am Rande der iPRES darauf hin, dass in Deutschland die gesetzliche Grundlage für die nationalbibliothekarische Sammlung digitaler Medienwerke zurzeit erst mit einer Gesetzesnovellierung geschaffen wird. Ausreichende Kenntnisse und Technologien würden noch erarbeitet, um alle digitalen Werke und Daten auch in Zukunft zugänglich zu halten. "Die Fragestellungen der digitalen Archivierung können nur in einer kooperativen Form gelöst werden. Wir müssen auf ein koordiniertes Netz vertrauenwürdiger digitaler Magazine hinarbeiten, die mit einer gemeinsamen Archivierungspolitik die Langzeitarchivierung ebenso wie die Langzeitbenutzbarkeit sicherstellen", so Niggemann.

Die auf der iPRES von John Kunze (California Digital Library) zur Archivierung vorgeschlagene Fall-Back-Lösung der "desiccated formats", der "ausgetrockneten Formate", soll auch nach seiner eigenen Einschätzung nicht mehr als eine Notlösung sein. Kunze selber setzt darauf, die Einfach-Formate nur sicherheitshalber parallel zu den Originaldaten zu speichern und sich grundsätzlich den dauerhaften Zugang zu den Originalformaten zum Ziel zu setzen. Zwar zählt das Argument, reine Textdateien seien heute die einzig noch lesbaren Dateien aus der Anfangszeit der Computertechnologie, doch gebe es mittlerweile zu viele Computerdateien, deren Textanteil viel zu gering sei, um sie sinnvoll in diesem Format abzuspeichern. "Plain Text oder Raster-Bilddateien können nur in Frage kommen, wenn andere Lösungen technisch oder finanziell nicht machbar sind", so Hans Liegmann von der Deutschen Bibliothek und Projektleiter des dort angesiedelten BMBF-Projektes "nestor - Kompetenznetzwerk zur Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Quellen für Deutschland" und damit Mitveranstalter der iPRES-Konferenz.
Liegmann liebäugelt mit dem von Steven Abrams, Direktor des Digital Library Programs der Harvard University Library, vorgetragenen Ansatz, Informationen zu heute gebräuchlichen Datenformaten in Datenbanken (format registries) dauerhaft zu speichern. Abrams machte auf der Konferenz aber auch deutlich, dass ohne öffentliche Registrierungsmechanismen (Global Digital Format Registry, GDFR) hier wenig Erfolge zu erwarten sind.

Einen ähnlichen Weg verfolgt der international, in Deutschland besonders von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) mitentwickelte "Metadata Encoding and Transmission Standard" (METS) - ein Containerformat zur Beschreibung digitaler Dokumente. Eine METS-Datei besteht aus dem digitalen Objekt (content file) und weiteren Metadaten, die die Struktur und den Inhalt der "content file" darstellen. Selbst Audio- und Videomaterial lassen sich damit, so Markus Enders, technischer Leiter des Digitalisierungszentrums der SUB und im Board der internationalen Arbeitsgruppe METS, für lange Zeit zugänglich archivieren.

Internationale Zusammenarbeit wird als einer der Wege gesehen, die hohen Forschungs- und Durchführungskosten der Langzeitarchivierung auf mehrere Schultern zu verteilen und gleichzeitig durch die Anlage redundanter Archive eine gewisse Absicherung gegen Kriegseinflüsse oder Naturkatastrophen zu erreichen.
Dr. Heike Neuroth, Organisatorin der iPRES-Konferenz und Leiterin der Forschungsabteilung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), freute sich demzufolge auch über die breite internationale Teilnahme an der iPRES. Nicht nur europäische und amerikanische Wissenschaftler, auch die Chinesische Akademie der Wissenschaften (CAS) und die National Library of China (NLC) waren auf der Konferenz mit Beiträgen vertreten. "Allmählich wächst bei der chinesischen Bevölkerung die Akzeptanz des Internets als viertem Medium", erläuterte Chunming Li von der NLC, und demzufolge befasse sich seine Institution auch seit 2003 mit Wegen und Möglichkeiten zur langfristigen Archivierung chinesischer Web-Inhalte.

Neuroth führt neben den Kosten noch ein weiteres gewichtiges Argument für die internationale Zusammenarbeit an: "Niemand kann alles archivieren, dazu fehlt einfach das Know-How." Sie unterstrich in ihrer iPRES-Abschlussrede, dass jetzt für die langfristige Erhaltung digitaler Daten eine gemeinsame Infrastruktur aufgebaut und Kompetenzzentren etabliert werden müssten.

Deutschland sei grundsätzlich bei der Forschung und Entwicklung der digitalen Langzeitarchivierung gut aufgestellt, betonte SUB-Direktor Mittler: "Es gibt sicherlich auf jedem Gebiet irgendwo auf der Welt jemanden, der etwas besser ist als wir, aber in der Summe sind wir weit vorne aufgestellt und haben vor allem unsere Arbeiten in Deutschland durch die Projekte nestor und Kopal schon gut miteinander verbunden. Wir wissen, dass die digitale Langzeitarchivierung ein Millionengrab werden kann und müssen auf jeden Fall Doppelentwicklungen vermeiden." In beiden Projekten sind Bibliotheken, Archive, Museen und bei Kopal auch Industriepartner vertreten. "nestor" scheint auch in Europa eine Vorbildfunktion einzunehmen; so werden nestor-Vertreter schon im November auf einer Konferenz der Königlichen Bibliothek der Niederlande dieses Netzwerk und sein Zusammenwirken vorstellen.
Die Göttinger iPRES-Konferenz wurde mit internationaler Unterstützung im Rahmen des Projekts "nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung" von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen organisiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) waren Förderer der Veranstaltung.

Weitere Informationen über das Tagungsprogramm und Informationen zu Referenten stehen online auf www.langzeitarchivierung.de/ipres.

Pressekontakt:
mpr marketing public relations
Michael Kip, Stefanie Engeroff
Feldbergstr. 49
60323 Frankfurt am Main
E-Mail presse@langzeitarchivierung.de
www.langzeitarchivierung.de/presse
Tel +49 69 71 03 43 42
Fax +49 69 71 03 43 46
Weitere Informationen: http://www.langzeitarchivierung.de http://www.langzeitarchivierung.de/presse - Abstractband der iPRES-Konferenz im PDF-Format http://www.langzeitarchivierung.de/ipres - Vorträge als PDF-Dateien http://gdz.sub.uni-goettingen.de/download/iPRES/Page.html - Fotogalerie (Haben Sie Fragen zu den gezeigten Personen zwecks Bildunterschrift, senden Sie das von Ihnen ausgewählte Foto bitte per E-Mail an presse@langzeitarchivierung.de ; wir versuchen, Ihnen die Informationen schnellstmöglich zu liefern.)

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