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Cornelia Goethe Preis für Amerikanistin

13.12.2002 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Dr. Bärbel Tischleder wurde für Arbeit über Körper und amerikanisches Gegenwartskino ausgezeichnet

Erste Preisträgerin des Cornelia Goethe Preises ist die Frankfurter Amerikanistin Dr. Bärbel Tischleder (34). Ausgezeichnet wurde ihre Dissertation "Body Trouble - Entkörperlichung, Whiteness und das amerikanische Gegenwartskino", in der sie sich mit der Körperdebatte in den Kulturwissenschaften und dem aktuellen amerikanischen Kino auseinandersetzt. Die Autorin nimmt den Körperboom in den Blick und verweist auch auf seine Schattenseite: die prekäre Rolle des Körpers angesichts moderner, körperferner Lebensformen. Die gegenwärtige Aufmerksamkeit für den Körper ist - so ihre These - von einer Art "body trouble" motiviert, der auch die Körperinszenierung Hollywoods bis heute prägt. Der Preis wurde jetzt im Rahmen des Cornelia Goethe Salons vom Förderkreis des Cornelia Goethe Centrums verliehen, das sich als Einrichtung der Johann Wolfgang Goethe-Universität mit Frauenstudien und der Erforschung der Geschlechterverhältnisse beschäftigt.

Mit diesem Preis, der mit 2000 Euro dotiert ist, soll von nun an jährlich eine herausragende Dissertation oder Habilitationsschrift aus der Universität Frankfurt ausgezeichnet werden, die zum einen die Bedeutung der Geschlechterverhältnisse, die symbolischen Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit, zum anderen die erkenntniskritische Perspektive der Frauen- und Geschlechterforschung in der Wissenschaft reflektiert und neue Denkanstöße gibt. In diesem Jahr wurde der Preis von der Commerzbank AG gesponsert und von Barbara David, Vertreterin der Bank und verantwortlich für Chancengleichheit und Familie, überreicht.

Tischleders Arbeit überzeuge durch eine ungewöhnliche Fragestellung, eine souveräne Durchdringung aktueller Theoriedebatten und einen sehr genau analysierenden filmästhetischen Teil, der den Theoriediskursen die nötige Bodenhaftung gebe. Die Preisträgerin, die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für England- und Amerikastudien ist und zur Zeit an einem Forschungsprojekt zur materiellen Kultur und amerikanischen Literatur arbeitet, vermittle ihre Erkenntnisse in einer höchst differenzierten Weise jedoch ungemein lesbaren Sprache, so die Laudatio von Gisela Brackert, erste Vorsitzende des Förderkreises Cornelia Goethe Centrum. Mit dem Cornelia Goethe Preis ist Bärbel Tischleder in diesem Jahr eine doppelte Preisträgerin, denn im Juli wurde ihr in Kassel für die Dissertation auch der Förderpreis 2002 der Deutschen Gesellschaft für Semiotik verliehen.

Zu der preisgekrönten Arbeit: Körper haben Konjunktur. Dies betrifft die Kulturwissenschaften wie den Alltag und die Medien. In Hollywood spielt das Somatische seit jeher eine herausragende Rolle: Von Buster Keaton bis "American Beauty" geht die Faszination des Kinos ganz wesentlich von den dargestellten Körpern aus. Körperboom und Entkörperlichung gehen Hand in Hand und artikulieren den ambivalenten Charakter moderner Körperverhältnisse. Im ersten Teil geht es Bärbel Tischleder um die aktuelle Körperdebatte, den Zusammenhang von Körperbild und Leiblichkeit, Psyche und Soma sowie um die Dialektik moderner Körperlichkeit. Es werden eine Vielzahl interdisziplinärer Ansätze aus den Bereichen Gender Studies, Philosophie, Semiotik, Anthropologie, Psychologie sowie Medien- und Kulturtheorie diskutiert. Der zweite Teil ist dem amerikanischen Kino gewidmet. Whiteness - als ästhetische Kategorie filmischer Körperinszenierung - und Entkörperlichung bilden in der Geschichte Hollywoods einen engen Zusammenhang. In ausführlichen Analysen dreier Filme - "Philadelphia", "Fargo" und "Titanic" - führt die Autorin vor, wie eine "rassische" Ökonomie der Körper und ein Diskurs über Amerika miteinander verquickt sind. Zentrale Mythen der amerikanischen Kultur bilden den ideologischen Bezugsrahmen dieser Filme, innerhalb dessen Körper und Körpermetaphern gelesen werden. Jedoch erst die Analyse ästhetischer Inszenierungstechniken jenseits der filmischen Narration zeigt, auf welche Weise die Filme an die gegenwärtige Körperproblematik anknüpfen. Das Buch ist unter dem Titel "Body Trouble: Entkörperlichung, Whiteness und das amerikanische Gegenwartskino" 2001 im Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main, erschienen.

Nähere Informationen: Cornelia Goethe Centrum, Telefon 069/798-23625/-28526, E-Mail: CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de

Dr. Bärbel Tischleder, Institut für England- und Amerikastudien, Fachbereich Neuere Philologien, Telefon 069/798-32348/-32358, E-Mail: Tischleder@em.uni-frankfurt.de
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