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Herzbericht 2004: Mehr Leistungen bringen höheres Lebensalter und bessere Lebensqualität

07.10.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

29. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, 16. Jahrestagung der Arbeitsgruppen Herzschrittmacher und Arrhythmie; 6. bis 8. Oktober 2005 in Dresden Nach Jahren der Stagnation gab es auf dem Gebiet der Herzmedizin im Vorjahr einen beträchtlichen Aufschwung, heißt es im jetzt in Dresden vorgestellten "Herzbericht 2004". Die immer bessere Versorgungssituation auf der Basis der aktuellen Therapieempfehlungen führt zu immer mehr Akutbehandlun-gen in Notfällen (43 Prozent), zum verstärkten Einsatz möglichst schonender Verfahren, und angemessenen Behandlungsmöglichkeiten auch bei alten Patienten. Der verstärkte Einsatz von Ressourcen, so der Studienautor Dr. Ernst Bruckenberger, bringt höheres Lebensalter und bessere Lebensqualität.

Dresden, Freitag 7. Oktober 2005 - "Nach Jahren der Stagnation gab es auf dem Gebiet der Herzmedizin im Vorjahr einen kräftigen Aufschwung", so Dr. Ernst Bruckenberger, Autor des auf dem Deutschen Kardiologenkongress in Dresden vorgestellten "Herzbericht 2004". So stehen seit 2004 in Deutschland an 393 Standorten insgesamt 600 so genannte Linksherz-Katheter-Messplätze für Kinder und Erwachsene zur Verfügung. Das entspricht einer Zunahme von rund 8 Prozent gegenüber der Periode davor. Diese Entwicklung trägt der Forderung Rechnung, akute Herzprobleme ("akute Koronarsyndrome") möglichst zeitnah nach ihrem Auftreten effektiv zu diagnostizieren und zu behandeln: Nach den Daten der landesweiten Qualitätssicherung liegt in Deutschland der Anteil der Akutbehandlungen heute bei mehr als 43 Prozent.
Besonders erfreulich: Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit einem deutlichen Rückgang der Sterbeziffern bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit - also mit Angina Pectoris oder Herzinfarkt - unter 75 Jahren. "Die immer wieder geäußerte Unterstellung einer Überversorgung wird durch die Ergebnisse des Herzberichts 2004, die bereits die Therapieerkenntnisse der wichtigsten Studien der vergangenen Jahre zum akuten Koronarsyndrom umzusetzen beginnen, nicht unterstützt", stellt Prof. Dr. Rainer Dietz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, klar.

2004 mehr Untersuchungen, Ballondilatationen und Stents führen zu besseren Ergebnisssen

Im Detail ist im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr ein merklicher Anstieg bei den Linksherzkatheter-Untersuchungen von 9,2 Prozent, bei den Ballondilatationen von 11,7 Prozent und bei den Stents von 12,9 Prozent zu verzeichnen. Der Anteil der Arzneimittel-beschichteten Stents (DES) lag allerdings 2004 in Deutschland mit rund 13 Prozent deutlich unter den Vergleichswerten der Nachbarländer Österreich (44 Prozent) und der Schweiz (66 Prozent). Bruckenberger: "Dass Deutschland diesen beiden Nachbar-ländern derart nachhinkt, hängt unmittelbar mit den unterschiedlichen Erstattungssystemen zusammen. Innovationen wie DES sind in Deutschland eben besonders schwierig zu finanzieren."
Auch bei den Herzoperationen ist 2004 insgesamt eine Zunahme von 1,3 Prozent zu verzeichnen. Zwar gehen die Bypass-Operationen weiterhin zurück, andererseits ist bei den Herzklappen-Operationen ein Zuwachs von 10,8 Prozent feststellbar. Studienautor Bruckenberger: "Der Rückgang der Bypass-Operationen erklärt sich aus den erfolgreichen, weniger invasiven, also für den Patienten weniger belas-tenden Katheter-Interventionen. Mehr als ausgeglichen wird dieser Rückgang durch eine Zunahme der Herzklappen-Operationen, die sich aus der größeren Häufigkeit solcher Erkrankungen in höheren Altersgruppen ergibt."

Zeitpunkt des Todes verlagert sich zunehmend in die höheren Altersgruppen

Konsequenter Weise verlagert sich der Zeitpunkt des Todes in die höheren Altersgruppen. So hat sich der Anteil der über 75-Jährigen bei den Gestorbenen seit 1990 von 69 Prozent auf 74 Prozent erhöht. "Damit verbunden hat sich auch die Leistungsdichte in die höheren Altersgruppen verlagert", erklärt Bruckenber-ger. Insgesamt gesehen wird jeder sechste Euro für die Krankheiten des Kreislaufsystems ausgegeben, der überwiegende Teil der Kosten entfällt dabei auf Patienten zwischen 65 und 85 Jahre. "Dass nur jeder sechste Euro in die Behandlung von Herzkrankheiten fließt, die schließlich auch in Deutschland die Todesursache Nummer Eins darstellen, ist ein Beleg für den sehr ökonomischen Einsatz finanzieller Mittel in der Kardiologie", kommentiert Prof. Dietz in der Diskussion des Herzberichtes.
"Für alle Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich der angeborenen Fehlbildungen", so der Studienautor, "bedeutet der in der öffentlichen Gesundheitsdiskussion häufig mit überwiegend ökonomischen Argumenten oder unreflektierten Vergleichsgrößen kritisierte massive Ressourcen-Einsatz in den letzten Jahren verstärkt einen Gewinn an Lebensjahren, verbunden mit eine meist verbesserten Lebensqualität."

Auffällig sind allerdings starke regionale Schwankungen in der Leistungsdichte, die nach früheren, aber auch nach aktuellen Erhebungen mit höheren Sterblichkeitsraten korreliert sind.

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK), D-40237 Düsseldorf, Achenbachstr. 43, Tel.: 0211 / 600 692 - 61; Fax: 0211 / 600 692 - 67 ; Mail: limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-676-6356775; bettschart@bkkommunikation.at

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