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Akademie Leopoldina ehrt Professor Dr. Wolfgang Baumeister (Martinsried) mit der Schleiden-Medaille.

07.10.2005 - (idw) Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

Sie würdigt den Zellbiologen und Biochemiker damit als einen der weltweit führenden Strukturbiologen. Wolfgang Baumeister hat grundlegende Beiträge zum Verständnis der Struktur und Funktion großer Proteinkomplexe wie dem Proteasom geliefert und die Entwicklung einer neuen Methode, die Kryoelektronentomographie, initiiert, die völlig neue Einblicke in das Innenleben von Zellen erlaubt. In seinen Arbeiten verwendet er hochmoderne Methoden der Elektronenmikroskopie gepaart mit Techniken der Molekularbiologie, Biochemie und Genomanalyse. Schon früh begann er, sich mit großen Proteinkomplexen zu beschäftigen, die für verschiedene grundlegende Funktionen in allen Zellen verantwortlich sind. Dabei hat er sich auf das Proteasom konzentriert, von dem in den 1980er Jahren eine Funktion beim Proteinabbau bekannt wurde. Seine Entdeckung, dass Proteasomen auch bei Prokaryonten vorkommen, ebnete ihm den Weg für eine detaillierte strukturelle und funktionelle Analyse dieser Zellbestandteile, von denen heute klar ist, dass sie essenzielle Aufgaben nicht nur beim normalen Abbau von Proteinen haben, sondern auf vielfältige Weise auch an der Zellregulation beteiligt sind. Innerhalb kurzer Zeit konnte Baumeister die erste dreidimensionale Struktur des Proteasoms vorlegen und mit funktionellen Studien dessen grundlegende Funktionsweise verstehen. Auf seinen Entdeckungen basiert nicht zuletzt die Entwicklung von spezifischen Proteasominhibitoren, die heute von erheblicher Bedeutung bei der Behandlung von Krebserkrankungen sind. Im Jahr 1995 gelang ihm in Zusammenarbeit mit Robert Huber die Lösung der Kristallstruktur des Proteasoms, die in bemerkenswerter Weise seine elektronenmikroskopische Analyse und funktionelle Vorhersagen bestätigte. Diese Arbeiten haben ihm höchste internationale Anerkennung und viele ehrenvolle Auszeichnungen gebracht.
Neben den grundlegenden Arbeiten am Proteasom hat Baumeister sich auch intensiv der Weiterentwicklung elektronenmikroskopischer Techniken gewidmet, mit der Vision, einmal Proteinkomplexe wie das Proteasom in ihrer intakten zellulären Umgebung bei molekularer Auflösung sichtbar zu machen. Dieses Ziel hat er in den letzten Jahren in spektakulärer Weise mit der Entwicklung der 3D-Kryoelektronentomographie erreicht. Mit dieser Methode, die eine Revolution in der Zellbiologie darstellt, gelingt es, intakte Zellen ohne jede Vorbehandlung im tiefgefrorenen Zustand zu untersuchen und alle makromolekularen Komplexe in ihrem funktionellen Kontext abzubilden. Man erhält damit praktisch ein 3D-Bild des zellulären Proteoms. Damit hat Baumeister Wirklichkeit werden lassen, wovon Zellbiologen bis vor kurzem nur träumen konnten. Nicht umsonst wurde diese Errungenschaft von den Editoren der Zeitschrift Science in 2002 als einer der großen Durchbrüche bezeichnet. Baumeister hat mit der neuen Methode u.a. bereits Zytoskelettstrukturen und den Kernporenkomplex in situ untersucht. Das enorme Anwendungspotenzial der Kryoelektronentomographie beginnt sich gerade erst zu erschließen und wird ihn sicher noch Jahre beschäftigen.

Die Akademie Leopoldina ehrt Wolfgang Baumeister mit der Schleiden-Medaille für seine, wie es in der Urkunde heißt, "grundlegenden Beiträge zur Kenntnis von Struktur und Funktion großer Proteinkomplexe, speziell des Proteasoms, mittels elektronenmikroskopischer und neuer kryoelektronentomographischer Methoden".

Zum Preisträger: Wolfgang Baumeister (Jahrgang 1946) hat Biologie studiert, an der Universität Düsseldorf promoviert (1973), für das Fach Biophysik an der Universität Düsseldorf habilitiert (1978), war Heisenberg-Stipendiat am Physik-Department (Cavendish Laboratory) der Universität Cambridge, UK (1981-1982), Leiter der Arbeitsgruppe "Molekulare Strukturbiologie" am MPI für Biochemie in Martinsried (1983-1987), apl. Professor an der Universität Düsseldorf (1984-1987), danach apl. Professor an der TU München, Fakultät Chemie (seit 1987). Er ist Wissenschaftliches Mitglied und Direktor der Abteilung "Molekulare Strukturbiologie" am MPI für Biochemie in Martinsried (seit 1988), Honorarprofessor an der TU München, Fakultät Physik (seit 2000). Seine Forschungsarbeiten wurden gewürdigt mit dem Ernst-Ruska-Preis (1982), der Mitgliedschaft der European Molecular Biology Organization (EMBO, 1988), der Otto-Warburg-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (1998), der Mitgliedschaft in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (2000), der American Academy of Arts and Sciences (2003), dem Louis-Jeantet Preis für Medizin (2003) und dem Stein & Moore Award, Protein Society, USA (2004). Herausgeberschaften: Journal of Structural Biology (Editor), Archaea (Editor), Journal of Molecular Biology (Board of Editors). Seit 2001 ist Wolfgang Baumeister Mitglied der Sektion Biochemie und Biophysik der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Anschrift des Preisträgers: Prof. Dr. Wolfgang Baumeister, Direktor am MPI für Biochemie, Molekulare Strukturbiologie, Am Klopferspitz 18a, D-82152 Martinsried

Preis und Preisvergabe:
Die Vergabe der Schleiden-Medaille findet im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Jahresversammlung der Leopoldina am 7. Oktober 2005 in Halle (Saale) statt.

Die Schleiden-Medaille, benannt nach Matthias Jacob Schleiden (1804-1881), wird seit 1955 von der Akademie Leopoldina für hervorragende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Zellbiologie vergeben.

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