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Lernen ein Leben lang - Beschäftigungsfähigkeit fördern von der Schule bis zur Weiterbildung

16.12.2002 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Vorschläge aus dem IAT zu einem neuen System lebenslangen Lernens

Um auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu haben muss man lebenslang lernen. "Von der Schule bis zur Weiterbildung gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Lernorten und -angeboten, die die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig fördern sollen, ein stimmiges System lebenslangen Lernens steht aber noch aus", so der Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). Um das Problem von einerseits zuviel Staat, andererseits zu großer Betrieblichkeit zu überwinden, sollte die Steuerung des Weiterbildungssystems stärker von den Sozialpartnern in die Hand genommen werden.

Qualifizierung kann durch entsprechende Anreize zum Begleitprodukt wirtschaftlichen Handelns werden und muss nicht von außen aufgesetzt werden, meint Bosch, Mitglied der Regierungskommission "Finanzierung lebenslangen Lernens". Denn die Unternehmen selbst haben ein Interesse an qualifizierten Beschäftigten, um die schnell wechselnden Anforderungen des Marktes und den technisch-organisatorischen Wandel besser bewältigen zu können. Eine "hire-and-fire"-Politik mit hochqualifizierten Beschäftigten kommt allerdings teuer. Deshalb entlassen viele Unternehmen in Krisenzeiten lieber Arbeitsstunden als Mitarbeiter. "Die Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen über flexible Arbeitszeiten schaffen die Möglichkeiten dafür. Sie geben den Unternehmen starke Anreize und gute Instrumente, ihre interne Flexibilität auszubauen", so Bosch. Ebenso wirkt der Kündigungsschutz keineswegs gegen die Flexibilität, sondern veranlasst die Betriebe, ihre interne Flexibilität durch Qualifizierung zu verbessern.

Nach Schule und Ausbildung ist der Betrieb der wichtigste Lernort. Wer das Glück hat, in einem modernen, innovationsfreudigen betrieblichen Umfeld zu arbeiten, lernt kontinuierlich hinzu und braucht sich wenig Gedanken um seine langfristige Beschäftigungsfähigkeit zu machen. Wer hingegen in Betrieben mit traditionell hierarchischen Strukturen und geringer Innovationsdynamik arbeitet, dem werden wesentliche Lernchancen vorenthalten und dem nützt auch eine einmal gute Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt bald nur noch wenig. Einer der Handlungsschwerpunkte bei der Förderung lebenslangen Lernens sollte deshalb darin liegen, Unternehmen bei der Entwicklung und Einführung moderner, innovativer Arbeitsorganisation zu unterstützen.

"Bildung auf Vorrat bleibt auch in Zeiten raschen Wandels die einzige Chance um eine dynamische Arbeits- und Lebenswelt mitgestalten zu können", fordert Bosch. Allgemeinwissen, etwa Kenntnisse in Sprachen oder Mathematik, hält ein ganzes Leben lang, sofern es durch regen Gebrauch ständig aufgefrischt wird. Auch berufliches Basiswissen geht nicht so schnell verloren, fachliche Weiterentwicklungen kann man sich meist in der Praxis aneignen, bei größeren technologischen Sprüngen wird Weiterbildung nötig. Berufliches Spezialwissen allerdings - z.B. die Kenntnis bestimmter Software - muss häufiger als in der Vergangenheit erneuert werden.

Berufliche Arbeitsmärkte sind laut Prof. Bosch am besten geeignet, die Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Dafür müssen jedoch alte Berufe kontinuierlich modernisiert und für neue Aktivitäten neue Grundberufe geschaffen werden. Anerkannte Berufe sind für die Beschäftigten "Trampelpfade durch das Dickicht der Zukunft", denn sie ermöglichen längerfristige Bildungsentscheidungen und geben dem Einzelnen mehr Wahlmöglichkeiten als betriebliche Qualifizierungen, die nur für einen Betrieb gelten. Durch anerkannte Weiterbildungsabschlüsse müssen diese Berufe mehr als bisher horizontal und vertikal erweitert werden.

"Wir haben es selbst in der Hand, durch eine längerfristig angelegte Bildungspolitik Erwerbsbiographien zu stabilisieren", so Bosch. "Dies erhöht nicht nur die Produktivität der Wirtschaft, sondern auch die soziale Sicherheit und die Freiheit des Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt".

Für weitere Fragen steht

Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerhard Bosch
Durchwahl: 0209/1707-147

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
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