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Peter Henningsen setzt neue Schwerpunkte in der Psychosomatik

10.10.2005 - (idw) Klinikum rechts der Isar und Fakultät für Medizin der Technischen Universität München

Der Neurologe und Psychotherapeut Professor Peter Henningsen wurde zum 1. September 2005 auf den Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie der TU München berufen. Er übernimmt als Direktor des Instituts und der Poliklinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie im TU-Klinikum rechts der Isar die Nachfolge von Professor Michael von Rad. Brücke zwischen Neurologie und Psychotherapie

Peter Henningsen bringt eine umfassende wissenschaftliche, therapeutische und medizinische Erfahrung mit. Nach seinem Medizinstudium in Freiburg, Berlin und Cambridge legte er 1995 die Facharztprüfung für Neurologie und Psychiatrie ab. "Die somatische Seite war mir immer wichtig", resümiert Henningsen, "doch ich wollte eine Brücke schlagen von der Neurologie zur Psychotherapie."
So bildete er sich in psychoanalytisch-interaktioneller Gruppenpsychotherapie weiter, machte eine Lehranalyse, eine Ausbildung in klinischer Hypnose und den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Während dieser Zeit arbeitete er - zuletzt als leitender Oberarzt - in der Psychosomatischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Für seine in dieser Zeit entstandenen "Leitlinien Somatoformer Störungen" erhielt er 2002 den mit 25.000 Euro dotierten Cochrane-Preis.

Individuell und undogmatisch helfen

Seine Ziele für das Institut und die Poliklinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie im Rechts der Isar sind klar gesteckt. "Ich möchte vier Schwerpunkte ausbauen", fasst Henningsen zusammen.
Dazu zählt einmal die Therapie somatoformer und angrenzender psychischer Störungen. Patienten mit somatoformen Störungen leiden unter anhaltenden Schmerzen und anderen körperlichen Beschwerden, deren organische Ursache jedoch nicht gefunden werden kann. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Psychotraumatologie, die sich mit den psychosomatischen Folgen extrem belastender Lebensereignisse auseinandersetzt. Des Weiteren legt Henningsen besonderen Wert auf die Betreuung von körperlich erkrankten Patienten mit psychischen Begleiterkrankungen. Dazu zählen vor allem Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind.
Als vierten Schwerpunkt plant Henningsen eine intensive Kooperation zwischen Psychosomatik und molekularer Medizin. "Neueste Erkenntnisse aus beiden Gebieten können uns helfen, den Patienten ein immer individuelleres Therapiekonzept anzubieten und so die Heilungschancen zu verbessern", betont Peter Henningsen. Für seine Ziele möchte er sich nicht vorwiegend an bestimmten Therapieschulen ausrichten, sondern geht undogmatisch und lösungsorientiert vor.

Für weitere Auskünfte oder ein Interview mit Prof. Peter Henningsen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Klinikums rechts der Isar.

--- Hintergrundinformationen ---

Hilfe für Schmerzpatienten ohne Befund

Peter Henningsen widmet sich in seiner Forschung und Therapie vor allem den Patienten, die häufig durch das Raster der medizinischen Versorgung fallen: Menschen, die unter anhaltenden und mitunter quälenden Schmerzen und anderen Körperbeschwerden leiden, deren organische Ursache jedoch nicht gefunden werden kann. Mediziner bezeichnen diese Beschwerden als somatoforme Störungen. Dazu können beispielsweise so weit verbreitete Leiden wie Reizdarmsyndrom, chronisches Erschöpfungssyndrom und Rückenschmerzen zählen.
"Die Patienten haben oft ein jahrelanges "Ärzte-Hopping" hinter sich und nirgendwo adäquate Hilfe gefunden", berichtet Peter Henningsen. Sie haben Angst als eingebildete Kranke belächelt zu werden und leben oft mit einem Teufelskreis: Durch die körperlichen Beschwerden kommt es zu einer ständigen Anspannung, die Anspannung verstärkt wiederum die Schmerzen. Ärzte können diesen Teufelskreis unter Umständen noch verschlimmern, wenn sie immer weitere und invasivere Untersuchungen durchführen - ohne auf einen Befund zu stoßen. "Wir gehen davon aus, dass bis zu einem Drittel der Patienten, die wegen diffuser Beschwerden und Schmerzen zum Hausarzt gehen, unter somatoformen Störungen leiden", betont Peter Henningsen. Doch wie kann man diesen Patienten helfen?

Der Körper im Kopf

Dieser Frage geht Henningsen als Arzt und Forscher seit über 20 Jahren nach. Gerade auf dem Gebiet der somatoformen Störungen kann der 46-jährige auf eine große Anzahl wissenschaftlicher Publikationen verweisen. So beschreibt er in seiner 2003 veröffentlichten Arbeit "Der Körper im Kopf*" die neuronalen Mechanismen, die an der Entstehung der Schmerzen ohne organische Ursachen beteiligt sein könnten. "Im Gehirn ist nicht nur unsere Umwelt repräsentiert , sondern auch unser Körper und unser Selbst. (..) Veränderungen dieser Köperlandkarten im Gehirn könnten ein Grund für die Entstehung somatoformer Erkrankungen sein." Das bedeutet aber auch, dass eine Linderung oder Heilung der Beschwerden nicht an den Orten der Beschwerden - Herz, Rücken, Darm - ansetzen muss, sondern - im Kopf.

Psychosomatik in den Klinikalltag integrieren

Dies kann beispielsweise über gezielte psychotherapeutische Intervention geschehen. "Wir müssen den Patienten eine auf sie maßgeschneiderte Therapie anbieten und vor allem die Vorbehalte vieler Patienten gegenüber der Psychotherapie abmildern." Hilfreich wäre es dabei beispielsweise, wenn nicht der Patient von der somatischen Medizin im Klinikum in die Psychosomatik überwechseln müsste, sondern, wenn Ärzte aus der Psychosomatik den Patienten - auf Wunsch - vor Ort auf der Station besuchen. "Meine Vision ist es, dass somatische und psychosomatische Medizin eine homogene Einheit im Klinikum bilden. Ähnlich wie der Anästhesist könnten wir im Bedarfsfall jederzeit unsere Unterstützung anbieten."

In seinem ersten, soeben von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) bewilligten Projekt im Rechts der Isar wird Peter Henningsen Menschen mit somatoformen Störungen eine Kurzzeittherapie anbieten. In dieser speziellen Therapie, die aus 12 Sitzungen besteht, will er Patienten dabei helfen aus der Fixierung auf das organische Leiden und aus dem Teufelskreis auszubrechen.

*Henningsen, P Acta Neuropsychiatrica 2003: 15:157-160.
The body in the brain: towards a representational neurobiology of somatoform disorders

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