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Willkommenskurse in Friedland helfen bei der Eingewöhnung in Deutschland

10.10.2005 - (idw) Georg-August-Universität Göttingen

Die im Grenzdurchgangslager Friedland speziell für Aussiedler und jüdische Zuwanderer angebotenen "Willkommenskurse" finden große Akzeptanz bei den Teilnehmern: Sie bieten eine gute Hilfestellung für die Eingewöhnung in Deutschland und vermitteln eine grundlegende Sprach- und Kulturkompetenz, um sich im Alltag zurechtzufinden. Zu diesem Fazit kommen Wissenschaftler der Georg-August-Universität, die dieses Kursangebot von Januar bis Juni dieses Jahres evaluiert haben. Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Leiterin der Abteilung Interkulturelle Kommunikation am Göttinger Seminar für Deutsche Philologie, hat das Endgutachten jetzt den Trägern dieser Kurse, dem Ministerium für Inneres und Sport und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, übergeben. Nach Angaben der Verantwortlichen wollen sich nun auch Brandenburg und Bayern an der Durchführung beteiligen. Pressemitteilung
Göttingen, 10. Oktober 2005 / Nr. 322/2005

Willkommenskurse in Friedland helfen bei der Eingewöhnung in Deutschland
Integrationsangebot für Aussiedler und Zuwanderer evaluiert: Große Akzeptanz bei den Teilnehmern

(pug) Die im Grenzdurchgangslager Friedland speziell für Aussiedler und jüdische Zuwanderer angebotenen "Willkommenskurse" finden große Akzeptanz bei den Teilnehmern: Sie bieten eine gute Hilfestellung für die Eingewöhnung in Deutschland und vermitteln eine grundlegende Sprach- und Kulturkompetenz, um sich im Alltag zurechtzufinden. Zu diesem Fazit kommen Wissenschaftler der Georg-August-Universität, die dieses Kursangebot von Januar bis Juni dieses Jahres evaluiert haben. Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Leiterin der Abteilung Interkulturelle Kommunikation am Göttinger Seminar für Deutsche Philologie, hat das Endgutachten jetzt den Trägern dieser Kurse, dem Ministerium für Inneres und Sport und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, übergeben. Nach Angaben der Verantwortlichen wollen sich nun auch Brandenburg und Bayern an der Durchführung beteiligen.

Die Willkommenskurse werden seit Januar 2005 in Friedland durchgeführt. Sie bestehen aus einem einwöchigen "Sprachatelier", das von der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen konzipiert wurde, sowie sechs Informationsveranstaltungen. Sie sollen die Migranten in ihren ersten Wochen in Deutschland auf das Leben in der neuen Heimat vorbereiten und die Integration nachhaltig fördern. Das Sprachatelier zielt vor allem darauf ab, die Teilnehmer im Alltag sprachlich handlungsfähig zu machen und ihr Verständnis für die deutsche Kultur weiterzuentwickeln. Für die Evaluierung der Kurse wurden 285 schriftliche Befragungen und 75 fünfzehnminütige Interviews sowie rund 200 sprachliche Leistungsmessungen und die Beobachtung von mehr als 125 Unterrichtsstunden durchgeführt. Verantwortlich für die Datenerhebung war Anastassya Semyonova, die an der Abteilung Interkulturelle Germanistik zum Thema deutsch-russische Kommunikation promoviert.

Bereits in einem Zwischengutachten im April 2005 konnten die Wissenschaftler eine große Akzeptanz des Programms feststellen. Empfehlungen für eine Weiterentwicklung des Kursangebotes wurden von der Projektleiterin in Friedland, Sabine Möschter, vor der zweiten Evaluierungsphase umgesetzt. Dabei ging es vor allem um die Schulung der interkulturellen Kompetenz. "Für die Entwicklung dieser Kompetenz spielt der Kulturvergleich als eine der wichtigsten kognitiven Operationen eine zentrale Rolle. Er bietet die Möglichkeit, Neues und Fremdes auf der Vergleichsgrundlage des bisher Erfahrenen zu integrieren", betont Prof. Casper-Hehne. So ist der Unterricht geprägt durch eine intensive deutsch-russische Wortschatzarbeit und den Vergleich sprachlicher Handlungen in Deutschland und im Heimatland. Hinzu kommen Rollenspiele und die nonverbale Auseinandersetzung mit Eigenem und Fremdem. Russische Mitarbeiter im Team stehen bei Bedarf zur Verfügung, um Kulturunterschiede zu erklären.

Dieses Konzept hat bei den Teilnehmern nach Angaben von Prof. Casper-Hehne eine "optimale Akzeptanz" gefunden. "Nicht nur die einzelnen Unterrichtsverfahren erhielten eine ausnehmend positive Bewertung, auch das Sprachatelier insgesamt wurde von mehr als 90 Prozent der Zuwanderer für eine gute bis sehr gute Hilfe zur zügigen Eingewöhnung in Deutschland angesehen. Die sprachliche Leistungsmessung hat dabei gezeigt, das über 91 Prozent der Teilnehmer das angestrebte Lernziel der Kurse erreicht hat." Lediglich bei einigen Informationsveranstaltungen, etwa zu den Themen Kranken- und Pflegeversicherung, muss noch nachjustiert werden, wie Prof. Casper-Hehne betont. "Hier waren lernunerfahrene Teilnehmer hin und wieder durch die Informationsfülle überfordert", erläutert die Wissenschaftlerin. So wird das didaktische Konzept in diesem Teilbereich derzeit überarbeitet und weiterentwickelt.

Informationen im Internet können unter http://www.uni-goettingen.de/de/sh/25898.html abgerufen werden.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne
Georg-August-Universität Göttingen

Seminar für Deutsche Philologie
Abteilung Interkulturelle Germanistik
Käte-Hamburger-Weg 6, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7157, Fax (0551) 39-13383
e-mail: h.casper-hehne@phil.uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/sh/17580.html
Weitere Informationen: http://www.uni-goettingen.de/de/sh/25898.html http://www.uni-goettingen.de/de/sh/17580.html
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