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Beringers Lügensteine: Alte Kostbarkeiten der Geologen

11.10.2005 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Als die berühmteste Fossil-Fälschungs-Affäre der Wissenschaftsgeschichte werden vermutlich für alle Zeiten die Geschehnisse gelten, die sich im frühen 18. Jahrhundert in Würzburg um Dr. Johann Bartholomäus Adam Beringer abspielten. Wohl alle angehenden Geowissenschaftler bekommen diese Kriminalgeschichte von den "Würzburger Lügensteinen" erzählt - aber leider meistens falsch, wie die Würzburger Paläontologen Birgit Niebuhr und Gerd Geyer sagen. Vereinfacht stellt sich die üblicherweise erzählte Geschichte so dar: Im Jahr 1725 wurden Dr. Beringer, der Leibarzt des Fürstbischofs, Chef des Juliusspitals und Professor für Medizin an der Universität war, angebliche Fossilien aus Kalkstein in ziemlich ungewöhnlichem Erhaltungszustand überbracht: Es gab Vögel mit ihren Eiern oder Spinnen, die in ihrem Netz saßen. Daneben tauchten noch kuriosere Objekte auf, etwa Kometen mit Schweif und Platten mit hebräischen Schriftzeichen.

Über all diese Stücke verfasste Beringer eine lateinische Monographie, die 1726 unter dem Kurztitel "Lithographiae Wirceburgensis" veröffentlicht wurde. Diese Schrift liegt nun erstmals als Nachdruck vor. In ihr sind auf 21 Kupferstich-Tafeln 204 Funde abgebildet und in 14 Kapiteln interpretiert.

Der oft erzählten Lügenstein-Geschichte zufolge hatten zwei Kollegen von Beringer drei junge Burschen aus Eibelstadt damit beauftragt, die Fälschungen herzustellen. "Was damals aber wirklich geschah, ist von einem Wust an Spekulationen und Verleumdungen so sehr überkleistert, dass eine präzise Rekonstruktion kaum mehr möglich ist", so Niebuhr und Geyer. Dennoch legen die Paläontologen in ihrem Buch dar, dass das Geschehen damals nicht ganz so simpel ablief. Das gelang den beiden durch ein sorgfältiges Quellenstudium, vor allem aber durch detaillierte Blicke auf die heute noch auffindbaren 493 Lügensteine, die auf 14 nationale und internationale Sammlungen verstreut sind.

Herausgeber der folgenden beiden Bücher (ISSN 0923-0242) sind die "Freunde der Würzburger Geowissenschaften", Pleicherwall 1, 97070 Würzburg. Von dort sind die Bücher auch zu beziehen.

Johann B. A Beringer und Georg L. Hueber: "Lithographiae Wirceburgensis." Nachdruck der 1. Auflage von 1726. Beringeria Sonderheft 5, Teil I: 114 Seiten, 22 Tafeln; Würzburg 2005. Gebunden, 45 Euro.

Birgit Niebuhr und Gerd Geyer. "Beringers Lügensteine: 493 Corpora Delicti zwischen Dichtung und Wahrheit." Beringeria Sonderheft 5, Teil II: 188 Seiten, 506 Figuren, 1 Tabelle; Würzburg 2005. Gebunden, 25 Euro.

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