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Alterstypisch oder krankhaft?

12.10.2005 - (idw) Klinikum der Universität München

Verhaltensauffälligkeiten bei behinderten Kindern und Jugendlichen Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung zeigen verschiedene Verhaltensprobleme, die für ihre Familien besonders belastend sind. Zu diesen Verhaltensweisen gehören aggressives und destruktives Verhalten, Schlaf- und Essstörungen sowie zwanghafte und stereotype Verhaltensweisen, die manchmal begleitet werden von selbstschädigendem Verhalten. Diese Verhaltensweisen können bei allen Menschen mit einer geistigen Behinderung auftreten, sie sind jedoch besonders häufig bei den Menschen mit einer schweren mentalen Retardation und bei denjenigen, die erhebliche Defizite in der sprachlichen Kommunikation zeigen. Im Mittelpunkt des 15. Münchner Kinder- und Jugendpsychiatrisches Herbstsymposium am kommenden Samstag steht die Frage, wie Verhaltensauffälligkeiten bei behinderten Kindern und Jugendlichen alterstypisch erkannt oder eben als therapiebedürftig eingestuft werden müssen.
"Es gibt nachgewiesene genetische Ursachen, wie zum Beispiel das sogenannte Fragile-X-Syndrom, die zu Problemen der Selbstregulation im Kontakt mit der Umwelt führen", so Professor Dr. Reiner Frank, Kinder- und Jugendpsychiater am Klinikum der Universität München und Organisator des Symposiums.

Fragiles-X-Syndrom
Das Fragile-X-Syndrom ist nach dem Down-Syndrom (Trisomie 21) die zweithäufigste ererbte Ursache einer geistigen Behinderung. Seine relative Häufigkeit hat in den letzten Jahren zahlreiche Forschungsgruppen angeregt, die syndromspezifischen Entwicklungs- und Verhaltensmerkmale von Jungen und Mädchen mit dieser genetischen Veränderung zu beschreiben. Dieser Verhaltensphänotyp zeichnet sich aus durch ausgeprägte Schwierigkeiten bei der Selbstregulation in der Interaktion mit der Umwelt, die sich in Hyperaktivität, Impulsivität, sozialer Scheu vor neuen Anforderungen, pragmatischen Auffälligkeiten im Sprachgebrauch, Überempfindlichkeit und erregtem Verhalten widerspiegelt.

Die klinische Erfahrung an mehr als 40 Kindern und Jugendlichen mit Fragilem-X-Syndrom - bestätigt in einigen empirischen Studien - spricht jedoch dafür, dass die individuelle Variabilität in der Ausprägung der Verhaltensauffälligkeiten sehr groß ist und sich spezifische Bedingungen für das Auftreten problematischer und die Beziehungen belastender Verhaltensweisen identifizieren lassen. Einige Studienergebnisse und Einzelfallbeispiele werden auf dem Symposium, zu dem sich 350 Teilnehmer in München einfinden, zu dieser Fragestellung vorgestellt, Schlussfolgerungen für die Beratung und Behandlungspraxis gezogen und übergreifende Aspekte der Erklärung auffälligen Verhaltens als Ergebnis der Interaktion von genetischer Disposition und Umwelt bei Kindern mit geistiger Behinderung diskutiert.

Das Symposium findet statt am Samstag, 15. Oktober 2005 von 9:15 bis 16:00 Uhr im Universitätsgebäude Geschwister-Scholl-Platz im Hörsaal 240.

Bei Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung: Professor Dr. Reiner Frank, Telefon 089-5160-5156

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