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BMW-Flaggschiff für die Fachhochschule Ulm

12.10.2005 - (idw) Fachhochschule Ulm

Moderne Autos der Spitzenklasse sind Musterbeispiele für die Integration der Elektronik in die Mechanik und eine hochgradige Systemvernetzung von Elektronik-Modulen. Mit einem BMW vom Typ 654i verfügt die Fachhochschule Ulm (FHU) seit kurzem über ein Testfahrzeug, dessen hochmoderne Elektronikmodule sie nach und nach nutzen und als Übungseinheiten für die Ausbildung im Studiengang Fahrzeugelektronik einsetzen wird. Das Fahrzeug ist eine Spende des bayrischen Automobilbauers an die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Mit den Teilsystemen des BMW 645i werden die Studierenden auf die Praxis in der Fahrzeugindustrie optimal vorbereitet. Spitzentechnologien wie Aktivlenkung, Kurven-licht, Fahrerassistenzsysteme, elektronische Einspritzung und Getriebesteuerung können hier bis aufs Bussignal hinunter analysiert und verstanden werden. In den Entwicklungslaboren der Fahrzeugindustrie gibt es eine Entwicklungsmethode, die sich "Hardware in the Loop" nennt. Die einzelnen Teilsysteme des Autos werden in ihrer internen Funktionsweise studiert und über eine Restbus-Simulation im Laptop zu einer Schleife ergänzt. Auf diese Weise kann auf dem Display des Laptops ein funktionsfähiges Auto "gefahren" werden.

Das erste Teilsystem, das von BMW dem Fahrzeugelektronik-Labor der FHU zur Verfügung gestellt wurde, ist die Aktivlenkung. Die Lenkradbewegung wird über einen mechatronischen Steller in Abhängigkeit von der momentan gefahrenen Geschwindigkeit auf die Vorderräder übertragen. Beim Einparken genügt dann nur ein Teil des Lenkradeinschlags, um die Räder an den Anschlag zu bringen. Bei hoher Geschwindigkeit wirkt sich dagegen eine Lenkradbewegung wesentlich weniger auf die Räder aus.

Mit dem Einsatz von "Hardware in the Loop" werden auch didaktische Ziele verfolgt. So lassen sich interdisziplinäre Denk- und Arbeitsweise zwischen dem klassischen Maschinenbau und der Elektrotechnik in Teams trainieren. Die Studierenden des Maschinenbaus erhalten Einblicke in die vielfältigen Einsatzgebiete der Elektronik, während sich den Studierenden der Fahrzeugelektronik der Zugang zur Mechanik und den damit verbundenen Problemen eröffnet. Die Sensor-Aktor-Kette mit ihrer Vernetzung über Bus-Systeme und die geeignete Signalverarbeitung sowie die Programmierung der Regel- und Steuerprozesse stehen dabei im Vordergrund. Ihrer Interdisziplinarität wird man am besten durch teamorientierte Laborarbeit am Objekt gerecht, ergänzt durch entsprechende Fachvorlesungen wie z.B. Fahrzeugsensorik, Bordnetze, Mikrocomputertechnik, Regelungstechnik, Fahrzeugtechnik, Elektronik, Signalverarbeitung und Softwaretechnologie.

Die Zusammenarbeit mit BMW, die nach neuen Wegen für die Nachwuchsgewinnung suchen, wurde durch ein Fortbildungssemester von Professor Dr.-Ing. Hans-Georg Bruchmüller, Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der FHU, am BMW-Forschungs- und Innovationszentrum in München begründet.
Walter Kuffner, Hauptabteilungsleiter des Bereichs Elektronik - Fahrdynamik, und sein Team machten ihn mit der neusten Technologie der Serienfahrzeuge vertraut. Außerdem unterstützte BMW den Aufbau des Fahrzeugelektronik-Labors mit der Bereitstellung notwendiger technischer Ausstattung. Das Labor ist Bestandteil des neuen Studiengangs Fahrzeugelektronik an der FHU.


Die Kooperation mit BMW geht jedoch noch weiter: Jedes Semester gestaltet Dipl.-Ing. Hans Sarnowski, Mitarbeiter des Entwicklerteams Elektronik-Querdynamik, eine Projektwoche am Fahrzeugelektronik-Labor der FHU. Gleichzeitig haben Studierende Gelegenheit, sich um einen Praxissemesterplatz bei BMW zu bewerben oder Themen für eine Abschlussarbeit auszuwählen.
Diese enge Verbindung zwischen Automobilbauer und Hochschule trägt dazu bei, dass die Absolvent(inn)en der FHU mit innovativer Technik und praxisnaher Ausbildung auf zukunftsfähige Berufsziele hingeführt werden.

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