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Akademische Jahresfeier: Blick auf Strukturwandel in der Uni und in der Stadt Dortmund

16.12.2002 - (idw) Universität Dortmund

Festreden, Preisvergabe, ansprechende Gesänge. Die Universität Dortmund feierte heute in ihrem größten Hörsaal, dem Audimax am Vogelpotsweg, die 34. Wiederkehr ihrer Eröffnung. Zur Jahresfeier fanden sich zahlreiche Hochschulangehörige, aber auch Gäste aus der Region in der Universität ein. Prof. Dr. Detlef Junker kam als Festredner von der Universität Heidelberg, um den Blick auf Nordamerika zu lenken, das gegenwärtig in der Auseinander-setzung um den Weltfrieden die entscheidende Rolle spielt: "Das auserwählte Volk: Geschichte und nationale Identität der USA".

Zunächst aber konzentrierte sich der Blick auf die Region Dortmund. Rektor Prof. Dr. Eberhard Becker, 231 Tage im Amt, erin-nerte daran, dass die Universität und die Fachhochschule sich im September gemeinsam mit vielen weiteren Wissenschaftseinrichtungen Dortmunds im Rathaus präsentieren konnten. Er rief dazu auf, die wissenschaftliche Leistungskraft durch verstärkte Kooperation zu nutzen. Als wichtiges Beispiel für die nächste Zeit nannte er die Chance, auf dem Campus einen Neubau des Instituts für Spektrochemie und Angewandte Spektroskopie(ISAS) zu errichten.
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Vier neue Akzente in der Forschung

Becker unterstrich, dass die Universität in diesem Jahr durch Zielvereinbarungen mit dem Land Nordrhein-Westfalen ihr Forschungsprofil geschärft hat. 1. Modellbildung und Simulation, 2. Mikrotechnik und Nanostrukturen, 3. Biomolekulare Aspekte der Biowissenschaften und Biologisch-Chemische Mikrostrukturtechnik sowie 4. die Integration von Wissens- und Dienstleistungsarbeit sind die in "Forschungsbändern" genannten Themen, mit denen die Universität neue Akzente setzen will.

Becker wies auch auf die Modernisierung und Internationalisierung der Studienangebote der Universität hin. Der Weiterentwicklung von Forschung und Lehre muss, so erklärte der Rektor, auch eine Überprüfung der Organisations- und Entscheidungsstrukturen folgen. Bis Mitte 2003 soll die Meinungsbildung über den künftigen Zuschnitt der Fachbereiche und Fakultäten abgeschlossen werden.

Der Rektor wie Stadtdirektor Klaus Fehlemann waren sich einig, dass der gemeinsame Weg der Universität und der Stadt Dortmund weiter dazu führen wird, die wirtschaftliche und kulturelle Kraft der Region zu bündeln, neu zu strukturieren und zu bereichern.
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Gesellschaft der Freunde: Zwei Großprojekte

Der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Universität Dortmund, Dr.Dr.h.c. Alfred Voßschulte berichtete, die Gesellschaft habe ihre Förderung trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage auf dem gewohnten Niveau fortführen können. So sei erneut eine Internationale Fachkonferenz der Mathematiker, eine Internationale Herbstakademie der Fakultät Bauwesen, das Gastkonzert des Orchesters der Universität Amiens neben einer Fülle von Einzelprojekten der Forschenden und Lehrenden unterstützt worden.

Die Freunde-Gesellschaft, die bislang rund 10 Millionen Euro für die Universität aufgebracht hat, hat sich für 2003 zwei große Projekte vorgenommen: Die Studierenden und insbesondere die Diplomanden sollen gezielt mit wirtschaftlichen Unternehmen der Region zusammengeführt werden. Dabei können Studentinnen und Studenten der technisch und wirtschaftlich orientierten Fakultäten vermehrt Berufspraktika vermittelt werden. Aber auch den Studierenden der Lehramtsberufe soll im Rahmen von "Informationspraktika" ein Bild der Wirtschaft vermittelt werden. Als zweites Vorhaben kündigte Dr. Voßschulte eine für den Herbst 2003 terminierte Zusammenkunft aller Förder-Gesellschaften der deutschen Universitäten in Dortmund an. Bei diesem Erfahrungsaustausch werde es Gelegenheit geben, die lebendige Universität und Stadt Dortmund mit ihrem mustergültigen Einsatz für den Strukturwandel in den Blickpunkt zu rücken.
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AStA-Sprecher: Bildung sozial sichern

Für eine soziale Sicherung der Bildungsfinanzierung sprach sich Kay Reif, der unlängst gewählte neue Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), aus. Zwar hätten die Studierenden mit den Aktionen in den letzten Monaten die sofortige Einführung von Studiengebühren verhindern können, sie gehen aber davon aus, dass auch die nun noch vorgesehenen Studienkonten zu sozialen Härten führen: "Studienkonten sind nur ein anderes Wort für Studiengebühren."

Reif kündigte an, dass die Studentenschaft in Kürze auch durch weitere öffentliche Aktionen nachweisen will, dass es kaum bummelnde Langzeitstudenten gibt, wohl aber viele Studierende, die gleichermaßen im Studium wie im Job hart arbeiten müssen. Dabei seien sie an hervorragender Qualität in der Lehre wie an langfristig sicheren Konzepten der Bildungsfinanzierung interessiert.

Der AStA-Vorsitzende setzte sich auch dafür ein, den Dortmunder Kommilitonen aus dem Ausland mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
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Vortrag zeichnet Sendungsidee der USA nach

Thema des Vortrags von Prof. Dr. Detlef Junker war das Verhältnis von Erinnerungskultur und nationaler Identität in den USA. Der Historiker zeigte zunächst auf, dass Friedrich Nietzsche das gesamte Spektrum des öffentlichen Umgangs der Nordamerikaner mit ihrer Geschichte zutreffend umschrieben hat: Er unterschied eine monumentalistisch-patriotische, eine kritische und eine antiquarische Geschichtsbetrachtung.

Junker legte dar, dass die heroisch-patriotische Variante in der geschichtlichen Perspektive der US-Amerikaner immer dominiert hat und noch heute vorherrscht. Sie ist verbunden mit einer zivilreligiösen Sendungsidee der Freiheit, mit dem Selbstverständnis eines sich für auserwählt haltenden Volkes.

Der Redner wies zwar darauf hin, dass es immer wieder Kontroversen zwischen der patriotischen und kritischen Geschichtsbetrachtung in den USA gegeben hat, aber dabei - so seine These - gehe es meist nie um die geschichtliche Wahrheit. Die Debatte konzentriere sich vielmehr immer auf die Frage der Identität der amerikanischen Nation. Junker: "Heute steht für viele Amerikaner das explosive Problem im Mittelpunkt, welchen Platz das europäische Erbe des weißen Amerika im Selbstverständnis einer Gesellschaft und Nation behalten soll". Die demographischen Trends laufen unterdessen auf eine multiethnische und - mögli-cherweise - multikulturelle Zukunft hinaus, resümierte der Heidelberger Historiker, der selbst von 1994 bis 1999 das Deutsche Historische Institut in Washington geleitet hat.

Der Universitätschor unter Leitung von Reinhard Fehling setzte bei der Jahresfeier mit alter und neuer Musik harmonische Töne. Im Zwischenspiel sang das Ensemble zunächst Madrigale des späten 16. Jahrhunderts von John Mundy, John Farmer und John Wilby sowie drei Gesänge Friedrich Hölderlins, die der Dirigent selbst vertont hat.

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