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Traditionsprojekt mit Zukunft

18.10.2005 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

20 Jahre 'Theologie interkulturell' am Fachbereich Katholische Theologie / Festakt am 26. Oktober FRANKFURT. Die Katholische Theologie in Frankfurt ist daran interessiert, Theologie für eine Kirche in weltkirchlicher Perspektive zu betreiben. Dafür steht das Projekt 'Theologie interkulturell' (Thi), das sich im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Zahlreiche und intensive Kontakte und Kooperationen mit theologischen Forschungs- und Lehreinrichtungen sowie wertvolle Freundschaften mit KollegInnen weltweit sind die Früchte dieser Arbeit.

Grund genug, das 20jährige Jubiläum am 26. Oktober im Rahmen eines akademischen Festaktes zu würdigen. Dazu haben Prof. Franz Kamphaus, Bischof von Limburg, und Universitätspräsident Prof. Rudolf Steinberg ihre Teilnahme als Festredner zugesagt. Die musikalische Gestaltung hat der mexikanische Komponist Ignacio Olivarec übernommen. Die diesjährige Gastprofessorin von Thi, Danielle Palmyre-Florigny aus Mauritius, hält in diesem Rahmen den Eröffnungsvortrag ihrer Vorlesungsreihe.

Im Gründungsjahr 1985 von Thi klangen Titel und Anliegen dieses Forschungsschwerpunkts noch exotisch und für manche sogar riskant. Die Öffnung der akademischen Theologie für Ansätze aus dem nicht-westlichen Kontext und für theologische Verfahren, die situations- und erfahrungsbezogen ansetzen und die ihre Forschung interdisziplinär betreiben, war noch wenig erprobt.

Ein Bewusstsein für die eigene kulturelle Prägung und deren Auswirkungen auf das eigene Selbstverständnis im Bereich von Theologie und Kirche sowie für eine daraus resultierende Begrenztheit galt es noch zu entwickeln. Das Interesse für fremde Kulturen, ihre Geschichte und die Religiosität der Menschen außerhalb des christlichen Abendlandes fand noch zu wenig Eingang in die theologische Wissenschaft. Heute wird angesichts fortschreitender Globalisierungsprozesse und weltweiter Verstöße gegen die grundlegenden Gebote von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung wohl kaum jemand die Bedeutung und Dringlichkeit des interkulturellen und interreligiösen Dialogs in Frage stellen und die Notwendigkeit interdisziplinären Arbeitens bestreiten.

Thi möchte bewusst machen und vermitteln, dass religiöser Glaube, theologisches Denken und solidarisches Handeln aus einer religiösen Grundüberzeugung heraus nicht auf ein Christentum westlich-europäischen Zuschnitts begrenzt sind. Das Wissen um die eigene religiöse und kulturelle Tradition ist allerdings eine Grundbedingung des interreligiösen und inter- kulturellen Dialogs. Er bedarf der gegenseitigen Wahrnehmung und Wertschätzung, jedoch ohne Kritik und Konflikt auszuklammern. Thi versteht sich als ein Forum für diesen Austausch und als ein Beitrag zum Lernprozess gelingender Kommunikation und Interaktion im globalen Horizont. Die damalige Entscheidung für die Gründung von Thi erwies sich als ebenso innovativ wie weitsichtig; so konnte es sich zu einem in Deutschland einmaligen Programm in Forschung und Lehre entwickeln, das an der Universität inzwischen längst fest installiert ist.

Eindrucksvolle Forschungsergebnisse, zahlreiche Publikationen, Kooperationsverträge mit Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen auf der ganzen Welt belegen den Erfolg eines Projektes, dessen Bedeutung gerade im Hinblick auf weltgesellschaftliche Veränderungen und ihre Herausforderungen hinsichtlich der Rolle der Religion und der Religionen auch für die Zukunft unstrittig sein dürfte.

Seit den Anfängen von Thi waren im Rahmen der Gastprofessur sowie durch die Teilnahme an den Forschungssymposien und aufgrund von Einladungen zu Gastvorträgen mehr als 200 WissenschaftlerInnen aus allen Kontinenten und zahlreichen Kulturwelten Gäste am Fachbereich, um ihre Forschungsergebnisse in den fachwissenschaftlichen Diskurs und in die Lehre einzubringen.

Mit Beginn des Projektes wurde eine Schriftenreihe eingerichtet, in der unter dem gleich lautenden Namen die Vorlesungsreihen in Buchform erscheinen. Darüber hinaus sind die Forschungsergebnisse der Symposien in deutschen und internationalen Verlagen publiziert worden. Ende 2005 liegen insgesamt 27 Bände vor.

In jedem Wintersemester folgt eine Theologin/ein Theologe aus einem außereuropäischen Kulturkreis dem Ruf auf die Gastprofessur Thi, die der gleichnamige Verein eingerichtet hat und seit 20 Jahren durch Eigen- und eingeworbene Drittmittel finanziert. Der/die Gastprofessor/in führt in den jeweiligen kulturellen Kontext ein und thematisiert die Inkulturation von Christentum, Theologie und Kirche ebenso wie das Problem der interkulturellen und interreligiösen Kommunikation im globalen Kontext.

Die langjährigen Erfahrungen und intensiven Kontakte von Thi trugen maßgeblich dazu bei, dass im Oktober 2001 das internationale Promotionsprogramm 'Religion im Dialog' (RiD) eingerichtet werden konnte, einer der Forschungsschwerpunkte der Universität Frankfurt. RiD wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.


Kontakt: Prof. Thomas Schreijäck; FB Katholische Theologie; Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt; Tel.: 069/798-33341, Fax: 069/798-33353; E-Mail: Schreijaeck@em.uni-frankfurt.de M
Weitere Informationen: http://www.theologie-interkulturell.de http://www.religion-in-dialogue.net
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