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Mathe-Kenntnisse bei Erstsemestern in NRW mangelhaft

17.12.2002 - (idw) Fachhochschule Bochum

Professoren belegen Misere mit einem Test
Nordrhein-Westfalens FH-Mathematikprofessoren sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt und schlagen Alarm: Die Mathe-Kenntnisse von Studienanfängern im bevölkerungsreichsten deut-schen Bundesland sind außerordentlich schwach. Das hat der Arbeitskreis Ingenieurmathematik bei der Auswertung eines flächendeckenden Ein-gangstests zum Beginn des Wintersemesters 2002/03 festgestellt. Die Mathematikprofessoren hätten sich gewünscht, dass mindestens 6 der 10 Testaufgaben richtig gelöst würden, dieses Niveau erreichten aber nur 25% der Teilnehmer. Tatsäch-lich konnten die meisten neuen Studierenden nur zwischen zwei und vier Aufgaben lösen.


Der Test wurde auf Eigeninitiative des Arbeitskreises Ingenieurma-thematik der Fachhochschulen in NRW entwickelt, um die verbreiteten Klagen über abnehmende Vorkenntnisse der Studienanfänger durch handfeste Zahlen belegen oder widerlegen zu können. Er wurde in die-sem Herbst von 32 Mathematik-Dozenten an 11 Fachhochschulen des Landes durchgeführt. Insgesamt wurden 2871 Studienanfänger getes-tet. Mit ihren Testergebnissen suchen die Professoren jetzt den Dialog mit den nordrhein-westfälischen Ministerien für Schule, Jugend und Kinder und für Wissenschaft und Forschung.

Erstsemester landesweit gleich schlecht

Die Auswertung des Tests zeigte landesweit gleich schlechte Werte. Es gab, berichtete Prof. Dr. Michael Knorrenschild, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises und Professor an der FH Bochum, keine "Ausrei-ßer" nach oben oder unten. Regionale oder gar fachhochschulspezifi-sche Unterschiede sind nicht erkennbar. Auch zwischen Studienanfän-gern mit Fachhochschulreife und denen mit Abitur mit Grundkurs Ma-thematik hat sich kein nennenswerter Leistungsunterschied ergeben. Einziger - schwacher - Lichtblick: Studienanfänger, die Abitur mit Leistungskurs Mathematik als Vorbildung mitbringen, schneiden mit 5 bis 7 richtig gelösten Aufgaben weit besser ab als die Übrigen.

Der Test bestand aus 10 Aufgaben. Jede vollständig richtig gelöste Aufgabe wurde mit 1 Punkt bewertet. Falsche oder nur teilweise richti-ge Lösungen wurden mit 0 Punkten bewertet. Der Test prüfte mathe-matische Grundfertigkeiten, die im Mathematikunterricht der Schule bis einschließlich der Klasse 10 erworben werden müssen. Dazu zählen Auflösen von Gleichungen, Rechnen mit Wurzeln, Potenzen, Loga-rithmen, einfache lineare Gleichungssysteme, Grundkenntnisse über Graphen von Funktionen und elementare Geometrie.

Der Arbeitskreis Ingenieurmathematik wurde im letzten Jahr ge-gründet, trifft sich derzeit zweimal pro Semester und erreicht alle Ma-thematikdozenten in Ingenieurfachbereichen der Fachhochschulen in NRW. Er wurde gegründet, weil die FH-Mathematikprofessoren vor einem Dilemma stehen: Den nachlassenden Kenntnissen der Erstsemes-ter können sie nicht mit ganzer Kraft entgegenarbeiten, weil der Ma-thematikanteil im Studienplan immer mehr gekürzt und gerade in den Grundlagenfächern auch noch Personal eingespart wurde. Im Arbeits-kreis Ingenieurmathematik wollen die betroffenen Professoren deshalb gemeinsam nach praktikablen Lösungen suchen.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Michael Knorrenschild
AK Ingenieurmathematik
e-mail: ingmath@fh-dortmund.de
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