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Miteinander - Gegeneinander? Kulte und Religionen im Römischen Reich

22.10.2005 - (idw) Universität Augsburg

Vortragsreihe der Augsburger Altertumswissenschaften als Beitrag zum Augsburger Religionsfriedensjubiläums "Pax 2005"
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Wie war in der Antike das Verhältnis der Religionen und Kulte zueinander in Augsburg und im sonstigen Römischen Reich? Dieser Frage ist im Wintersemester 2005/06 eine interdisziplinäre Vortragsreihe der altertumswissenschaftlichen Fächer Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Klassische Philologie gewidmet. Das Thema knüpft an die Feiern zum Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens an und gewinnt im Rückgriff auf eine frühere Epoche eine historische Tiefendimension für die aktuelle Fragestellung hinzu. Ausgewiesene Wissenschaftler aus den drei Fächern beleuchten ein interessantes Spektrum friedlicher und konfliktreicher Situationen aus der römischen Kaiserzeit. Wie sah grundsätzlich und im konkreten Alltagsleben das Nebeneinander verschiedener heidnischer Kulte aus und welche Aspekte ergaben sich durch das Aufkommen und Erstarken des Christentums? Die Ringvorlesung richtet sich ausdrücklich auch an ein interessiertes außeruniversiätres Publikum. Ihre sieben Vorträge beginnen jeweils dienstags um 18.15 Uhr im Hörsaal III des Großen Hörsaalzentrums (Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg). Während die Feierlichkeiten der Stadt Augsburg zum Friedensjahr mit dem Besuch von Bundespräsident Köhler einem ihrer Höhepunkte entgegengehen, kündigt das Altertumswissenschaftliche Kolloquium an der Universität Augsburg eine Vortragsreihe zu Kulten und Religionen im Römischen Reich an. Bewusst als Beitrag zum Friedensjahr gedacht, soll der Blick anhand ausgewählter Beispiele zurück in römische Antike gerichtet werden. Althistoriker, Archäologen und Klassische Philologen beleuchten die Vielfalt der Götterkulte und ihren Umgang miteinander sowohl im Römischen Reich allgemein als auch in Augsburg. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Beginn des Christentums, das letztlich die Oberhand über die angestammten Kulte gewinnen sollte. Insgesamt ergibt sich ein interessantes Spektrum friedlicher und konfliktreicher Situationen aus der römischen Kaiserzeit.

25. OKTOBER 2005: RÖMISCHE RELIGION. POSITIONEN - PROBLEME - PERSPEKTIVEN

Zunächst führt Privatdozent Dr. Veit Rosenberger (Erfurt/Augsburg) am 25.10.2005 in das Wesen römischer Religion ein, indem er die Prodigien - Ereignisse und Zeichen, die als außergewöhnlich und deshalb für die Gesellschaft relevant galten - analysiert. Dabei geht es ihm darum, die Fragen und Themen deutlich zu machen, die derzeit in der modernen Forschung kontrovers behandelt werden, denn in kaum einem Bereich der Altertumswissenschaften haben sich in den letzen Jahrzehnten die Zugangsweisen so geändert wie in der Erforschung von antiker Religion.

8. NOVEMBER 2005: DIE GOTTHEITEN IM RÖMISCHEN AUGSBURG. RELIGIÖSE VIELFALT UND TOLERANZ

Es folgt am 8.11.2005 Dr. Lothar Bakker (Stadtarchäologie Augsburg und Direktor des Römischen Museums), der seinen Bericht über die Gottheiten im römischen Augsburg vor allem an Hand von Inschriften, Altären und Reliefs vorstellen und schließlich auch den Einzug des Christentums in Augsburg behandeln wird. "Religiöse Vielfalt und Toleranz", so der Untertitel, prägten damals, anders als in der Frühen Neuzeit, die Stadt am Lech.

22. NOVEMBER 2005: DENKMAL UND KULT. ZU ERSCHEINUNG UND FUNKTIONEN "ALTER TEMPEL" IM RÖMISCHEN GRIECHENLAND

Der Archäologe Dr. Dirk Steuernagel (Leipzig) widmet sich am 22.11.2005 der Frage, wie die jahrhundertealten griechischen Tempel in römischer Zeit überhaupt noch benutzt werden konnten, obwohl sich die Vorstellung der Menschen von ihren Göttern und deren Aufgaben durchaus verändert hatte. Dabei werden Beispiele vor allem aus dem südlichen Griechenland herangezogen.

6. DEZEMBER 2005: CHRISTLICHE APOLOGETIK IM KONTEXT DER ZWEITEN SOPHISTIK.TATIANS ORATIO AD GRAECOS

In ihrem Vortrag behandelt die Klassische Philologin und Religionswissenschaftlerin Dr. Dorothee Elm (Freiburg) am 6.12.2005 frühchristliche Schriften des 2. Jahrhunderts n. Chr., die sich von Seiten des Christentums mit der heidnischen Religion auseinandersetzten. Dabei nimmt sie besonders das Publikum in den Blick, an das sich die Schriften, z. B. von Tatian, richteten, und ordnet sie in den zeitgenössischen Kontext ein.

20. DEZEMBER 2005: CHRISTEN - BÜRGER EINER ANDEREN WELT

Der Althistoriker Prof. Dr. Dr. Manfred Clauss (Frankfurt am Main) greift am 20.12.2005 eine für die Vortragsreihe zentrale Thematik auf. Die Christen im Römischen Reich befanden sich sozial mitunter in einer schwierigen Lage: Durch die monotheistische Prägung ihrer Religion hatten sie erhebliche Probleme, am gesellschaftlichen Leben ihrer Stadt oder ihres Dorfes teilzunehmen, da alle Bereiche des Zusammenlebens von religiösen Praktiken durchdrungen waren. Dies wurde noch durch den Anspruch verstärkt, "Bürger einer anderen Welt" zu sein, was unterschiedliche Strategien des Umgangs mit den heidnischen Nachbarn nach sich zog.

17. JANUAR 2006: GÖTTER IN OSTIA - GELEBTE RELIGION IN EINER RÖMISCHEN STADT

Aus archäologischer Sicht schildert Dr. Katharina Rieger (Halle) am 17.1.2006 die Verhältnisse in Ostia in der Kaiserzeit. Die Hafenstadt Roms, wichtigster Umschlagplatz für Waren, aber auch für Menschen und Ideen, wies eine besondere große Zahl unterschiedlichster Kulte auf, die aus allen Ecken des Reiches kamen und hier heimisch wurden. Der Vielfalt religiöser Vorstellungen und die Zahl ihrer jeweiligen Anhänger schlug sich auch in der Lage, in der Architektur und der Nutzung der Heiligtümer nieder. "Gelebte Religion in einer römischen Stadt" nennt sie ihren Beitrag.

24. JANUAR 2006; "AUSGEMERZT WERDEN MUSS DER IRRGLAUBE!" RELIGION UND GEWALT IN DER SPÄTANTIKE

Den letzten Vortrag bestreitet der Althistoriker Prof. Dr. Johannes Hahn (Münster) am 24.01.2006 und setzt mit dem Thema "Religion und Gewalt in der Spätantike" einen notwendigen Kontrapunkt. Am Beispiel der heidnischen Tempel und der um sie geführten Konflikte wird deutlich gemacht, wie vielschichtig und komplex die damit verbundenen Identitätsfragen gelagert waren. Hinter den Auseinandersetzungen um die Tempel stand nicht einfach blinde Zerstörungswut, sondern es werden Machtfragen sichtbar, bei denen Religion und religiöse Praktiken dazu dienten, Autoritätsansprüche zu begründen.
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VERANSTALTUNGSORT:
Universität Augsburg, HS III des Großen Hörsaalzentrums, Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg. Der Eintritt ist frei.
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VERANSTALTER:
o Prof. Dr. Valentin Kockel, Klassische Archäologie
(valentin.kockel@phil.uni-augsburg.de)
o Prof. Dr. Marion Lausberg, Klassische Philologie
(marion.lausberg@phil.uni-augsburg.de)
o Prof. Dr. Gregor Weber, Alte Geschichte
(gregor.weber@phil.uni-augsburg.de)
o mit Unterstützung durch die Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg

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