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Nicht nach Hausmittelchen greifen, sondern zum Telefon

07.11.2005 - (idw) Universität Leipzig

Bei Verdacht auf Herzinfarkt zählt jede Minute
Zu einem Patientenforum anlässlich der Herzwoche lädt die Deutsche Herzstiftung ein. Die Veranstaltung beginnt mit einigen kurzen Vorträgen zum Herzinfarkt, Möglichkeiten des Rettungsdienstes und zur Behandlung in der Klinik. Ab 16.30 Uhr ist Gelegenheit, mit den Experten ins Gespräch zu kommen. Zeit: 09. November 2005, 15:00 Uhr bis 00:00 Uhr
Ort: Sitzungssaal des Leipziger Neuen Rathauses

Irgendwann kann jeder mit ihm konfrontiert werden, in der Familie, im Freundeskreis oder am eigenen Leibe - dem Herzinfarkt. Jährlich durchleben in Deutschland rund 350.000 Menschen dieses dramatische Ereignis und 170.000 überleben es nicht. Diese Zahlen zu senken, hat sich die deutsche Herzstiftung auf die Fahnen geschrieben, die vom 4. bis zum 11. November die Herzwoche unter dem Motto "Niemals zögern - Notruf wählen" organisiert. Zu den Referenten und Gesprächspartnern der Leipziger Veranstaltung zählt Prof. Dr. Dietrich Pfeiffer (Zentrum für Innere Medizin der Universität Leipzig).

Mit den ersten Beschwerden beginnt die Uhr zu ticken

"Die Notfallmedizin kann heutzutage beim Herzinfarkt Enormes leisten. Sie kann medikamentös die Blutgerinnsel, welche die Herzkranzgefäße zusetzen, auflösen. Oder sie kann die Gefäße mittels eingeführter winziger Ballons wieder weiten. Aber das alles nützt nichts, wenn die Patienten nicht rechzeitig in die Klinik kommen", lautet das Plädoyer des Herz-Experten. "Mit den ersten Beschwerden beginnt die Uhr zu ticken. Minute für Minute steigt die Gefahr, dass die nicht durchbluteten Teile des Herzmuskels absterben. Da hilft kein Beruhigungstee, kein Schnaps, kein Besuch beim Nachbarn - da hilft nur, die 112 anzurufen und den Verdacht auf Herzinfarkt auszusprechen."

Viele Symptome können auf einen Herzinfarkt hindeuten

Selten kann man sich als Laie ganz sicher sein, wie sich eine Herzinfarkt zeigt. Zu vielfältig sind die Symptome, die darauf hindeuten könnten: Die Patienten empfinden in der Regel starke Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Zusätzlich - und bei Frauen mitunter als alleinige Anzeichen - treten mitunter Luftnot, Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Auch ein plötzlicher schmerzloser Schwächeanfall, kalter Schweiß, eine fahle Gesichtsfarbe und Bewusstlosigkeit deuten eventuell in Richtung Herzinfarkt. "Angesichts der Tatsache, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen viel zu lange zögern, ehe sie den Notarzt rufen, bleibt nur immer wieder darauf hinzuweisen, dass sich niemand für den Notruf rechtfertigen muss, wenn sich bei der Untersuchung in der Klinik herausstellt, dass kein Herzinfarkt, sondern etwas anderes die Symptome ausgelöst hat", verspricht Pfeiffer.

Notdienst - Und was noch?

Was - außer umgehend den Notdienst zu alarmieren - kann man bei Verdacht auf einen Herzinfarkt noch tun? "Eine Tablette blutverdünnend wirkendes Aspirin kann nicht schaden", so Pfeiffer. "Und ansonsten alles tun, was den Betroffenen beruhigt und ihm die Atmung erleichtert: hinlegen mit erhöhtem Oberkörper, beengende Kleidung entfernen, Fenster öffnen."

Immer wieder ist der in Fachkreisen nicht unumstrittene, von jedermann zu bedienende Laien-Defibrillator im Gespräch. Ist ein solcher Apparat erst einmal eingeschaltet, gibt er klare Sprachanweisungen, was zu tun ist. Er verfügt über ein Analysesystem, welches das EKG, also Elektrokardiogramm, eines Patienten selbstständig auswertet. Das Gerät entscheidet dann darüber, wann ein Elektroschock abgegeben werden soll. "Meines Erachtens sollten Institutionen und Firmen über die Anschaffung eines solchen Gerätes und die unkomplizierte Einweisung einiger Mitarbeiter nachdenken", rät der Leipziger Professor.

In vielen Fällen kündigt sich ein Herzinfarkt schon Tage oder Wochen vorher durch das kurzeitige Aufflammen einzelner Symptome an. "Auch wenn der Herzschmerz nach ein paar Augenblicken wieder weg ist, sollte der Patient zum Arzt gehen und seine Beschwerden schildern", rät Pfeiffer. "Die Erfahrung, die viele machen, nämlich dass der Schmerz bald wieder vergeht, ist übrigens höchst problematisch. Sie glauben dann beim wirklichen Herzinfarkt, dass auch der sich wieder gibt und verschenken so lebenswichtige Minuten."

Forschung zu Diagnose und Therapie des Herzinfarkts

Der Behandlung des Herzinfarktes widmet sich auch die Forschung an der Universität Leipzig. "Eine der dringendsten Fragen ist die nach der Möglichkeit, Risikopatienten zu erkennen und schon im Vorfeld zu behandeln. Natürlich wissen wir um die Risikofaktoren - Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Bewegungsarmut, erhöhter Cholesterinspiegel, Diabetes etc. - aber es trifft nicht ausschließlich diesen Personenkreis. Auch ein gewöhnliches EKG kann Infarkte nicht an jeder Stelle des Herzens entdecken." Weitere Leipziger Forschungsthemen widmen sich der Therapie des Herzinfarktes. Ein neuer Ansatz ist beispielsweise die Versorgung des Herzens mit hochdosiertem Sauerstoff über einen Katheter. "Aber was auch immer wir erforschen und entwickeln", so Pfeiffer, "alles hat nur Sinn, wenn es rechtzeitig zum Einsatz kommt, also der Patient die Klinik lebend erreicht."


Marlis Heinz


weitere Informationen:
Prof. Dr. Dietrich Pfeiffer
Telefon: 0341 97-12650
E-Mail: pfeid@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~kardio/home.htm
Weitere Informationen: http://www.herzstiftung.de
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