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FernUniversität: Schwierige Situation unter Kontrolle

07.11.2005 - (idw) FernUniversität in Hagen

Die FernUniversität in Hagen stehe "ganz nah an der Pleite" schloss eine große Boulevardzeitung am Samstag in einem Bericht ihrer Regionalausgabe Ruhrgebiet. "Das ist natürlich gequirlter Unsinn", erwidert Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer. In diesem Bericht waren Fakten in einer Weise interpretiert, die zu absolut falschen Schlüssen führt. Die FernUniversität in Hagen stehe "ganz nah an der Pleite" schloss eine große Boulevardzeitung am Samstag in einem Bericht ihrer Regionalausgabe Ruhrgebiet. "Das ist natürlich gequirlter Unsinn", erwidert Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer. In diesem Bericht waren Fakten in einer Weise interpretiert, die zu absolut falschen Schlüssen führt.

Deshalb für Sie einige Hintergrundinformationen:

Rückgang der Studierendenzahl
Mit Hilfe des Studienkonten- und -finanzierungsgesetzes hat das Land Nordrhein-Westfalen ab dem Sommersemester 2004 Gebühren in Höhe von 650 ¤ (bzw. 325 ¤ für Teilzeitstudierende) eingeführt, wenn Studierende mehr als das 1,5-fache der Regelstudienzeit studieren, bereits zuvor einen Studienabschluss erworben haben oder älter als 60 Jahre sind. Vor allem betroffen von diesem Gesetz waren jene früher rund 40 Prozent unserer Studierenden, die bereits einen ersten Hochschulabschluss hatten. Von ihnen hat etwa die Hälfte die Universität verlassen. Insgesamt hat die FernUniversität im Zusammenhang mit diesem Gesetz rund 20 Prozent ihrer Studierenden verloren.
Im Jahr 2003 war die Studierendenzahl bereits zurückgegangen, weil das Land Nordrhein-Westfalen die Magister-Studiengänge an allen Hochschulen, aber auch an der FernUniversität eingestellt hatte.

Finanzielle Auswirkungen des Studienkonten- und -finanzierungsgesetzes
Der Rückgang der Studierendenzahl trifft die FernUniversität deshalb so hart, weil sie als einzige staatliche Universität einen hohen Selbstfinanzierungsanteil hat. D.h., das Land NRW finanziert die Universität nur zu 83 Prozent aus dem Landeshaushalt. Den restlichen Anteil von 17 Prozent muss die Universität über so genannte Materialbezugsgebühren je belegter Semesterwochenstunde von den Studierenden selbst erwirtschaften. Bei einem Rückgang der Studierenden gehen natürlich auch die Einnahmen aus den Materialbe-zugsgebühren deutlich zurück. Diese werden allerdings benötigt, um Studienmaterialien zu entwickeln, zu erstellen und zu versenden. Dies sind Aufgaben, die nicht im gleichen Maße zurückgefahren werden können, wie die Einnahmen sinken.

Haushaltssituation
Der für 2006 angekündigte Globalhaushalt für die Hochschulen des Landes ist in seiner Ausgestaltung noch nicht definiert. Klar ist aber, dass die Hochschulen vom Land nur rund 95 Prozent ihres Personalkostenansatzes erwarten können. Für die FernUniversität bedeutet dieser Umstand, dass sie in ihrer schwierigen Situation vom Land keine Hilfe erwarten kann, sondern im Gegenteil mit einem weiteren, noch unbekannten Minus im nächsten Jahr kalkulieren muss. Für die FernUniversität bewirkt diese Situation eine rechnerische Deckungslücke im Haushalt von mindestens 5 Millionen Euro, die die Kanzlerin durch geeignete Sparmaßnahmen auffangen muss.

Stellensituation
Die FernUniversität ist durch Überhang- und Mittelstellen, Qualitätspakt und Zielvereinbarungen mit dem Land Nordrhein-Westfalen sowie die Arbeitszeitverlängerung für Beamte dazu verpflichtet, 113 Stellen bis zum Jahr 2013 abzubauen. Das entspricht rund 15 Prozent ihres Stellenhaushaltes.
Das Rektorat und die Kanzlerin haben erklärt, dass an der FernUniversität keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt werden sollen, um diese Stellen freizusetzen. Der Generationswechsel in den kommenden Jahren soll genutzt und frei werdende Arbeitsplätze - soweit das möglich ist - nicht wieder neu besetzt werden.
Unterstützt wird diese Vorgehensweise durch eine umfassende Reform von Zentraler Hochschulverwaltung und Zentralen Einrichtungen. Sie ermöglicht eine serviceorientierte neue Zuordnung verschiedener Bereiche und damit eine Bündelung der Ressourcen für effektives Arbeiten in den Abteilungen. Diese Neuorientierung wird dazu führen, dass der Service für Studierende und Fachbereiche deutlich verbessert werden wird.

Eingeleitete Sparmaßnahmen
Mit einem ganzen Bündel von Sparmaßnahmen auf allen Ebenen hat Kanzlerin Regina Zdebel auf die Haushaltssituation der Universität reagiert. Kreative Ideen für knappe Kassen - von der Beschaffung bis zu den Reisekosten werden alle Bereiche zu größter Sparsamkeit und Effektivität angehalten. Und sie müssen sich darauf einstellen, dass aus Altersgründen ausscheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht wieder ersetzt werden. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen Bereichen erwächst daraus eine schwierige Situation, die es erfordert, Arbeitsprozesse zu überdenken und neu zu ordnen. Das ist ein längerfristiger Prozess, der eine moderne, profilierte Universität zum Ziel hat.

Die Studierenden der FernUniversität
Die FernUniversität in Hagen ist die einzige Fernuniversität im deutschsprachigen Raum. Hauptsächlich berufstätige Studierende (80 Prozent) entscheiden sich bewusst für ein Studium an der FernUniversität, weil sie durch die Fernlehrmethode in idealer Weise ein wissenschaftliches Studium neben dem Beruf ermöglicht. Ein Teil der Studierenden arbeitet zielgerichtet auf einen Bachelor-, Master- oder Diplom-Abschluss hin. Ein anderer Teil möchte individuelle Bildungsziele erreichen und sucht sich geeignete Bausteine aus dem Studienangebot der FernUniversität heraus oder schreibt sich in ein Weiterbildungsangebot ein. Häufig haben diese Studierenden bereits einen Studienabschluss erworben und nutzen das Angebot der FernUniversität zur Weiterbildung. Die neu angebotenen Akademiestudien - hier können Studierende auch ohne Hochschulzugangsberechtigung Kurse oder Module aus dem Angebot der FernUniversität auswählen und mit einem Zertifikat abschließen - werden in vielfältiger Weise genutzt: zur individuellen Weiterbildung, von hochbegabten Schülerinnen und Schülern oder zum Orientierungsstudium.


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