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Vom Denker zum Denkmal - Die Analyse des vermeintlichen "Mythos Jena"

11.11.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kritische Geschichtsaufarbeitung mit Blick auf das 450. Jubiläum der Universität Jena Jena (11.11.05) Weimar hat Goethe und die Klassik, Berlin Humboldt und den Soldatenkönig und Eisenach Luther und die Wartburg. Die Frage, welche großen Geister, Staatsmänner und Traditionsbilder im besonderen mit der Stadt Jena und ihrer Universität verbunden werden und sie zum "deutschen Erinnerungsort" machen, beschäftigt Historiker auf einer Tagung, die vom 17. bis 20. November an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfindet. "Schiller - Abbe - Haeckel. Jenaer Selbstbilder im Kontext nationaler Erinnerungskultur" ist die Konferenz überschrieben, auf der aktuelle Forschungsergebnisse der Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert vorgestellt werden.

"Jena stand in der Vergangenheit oft im geistigen Schatten Weimars", sagt der Historiker und Tagungsorganisator Prof. Dr. Jürgen John. Für die deutsche Klassik, die Deutsche Republik, das Bauhaus aber auch die Nazi-Barbarei war und werde Weimar immer ein Erinnerungsort sein, der auch international Bedeutung hat. "Zumindest im nationalen Gedächtnis, aber nicht nur dort, ist auch Jena verankert, wenn wir auf die Romantik, auf die Alma Mater Jenensis als Treffpunkt großer Philosophen wie Fichte und Hegel oder auf das Wirken des Biologen Ernst Haeckel, des 'deutschen Darwin', schauen", so John weiter.
Noch ungeklärt sei jedoch, warum andere Impulse und Impulsgeber wie Ernst Abbe, der als Unternehmer und Gründer der Carl-Zeiss-Stiftung deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte schrieb, nur selten überregional wahrgenommen werden.

"Als Historiker interessiert uns auch, wie bestimmte Traditionslinien und Symbolfiguren in verschiedenen Zeitepochen unterschiedlich gedeutet, bewertet und für die jeweils herrschende Ideologie ausgenutzt wurden", sagt Prof. John. So widmet sich ein Tagungsbeitrag unter dem Titel "Krieg und Erinnerung" der Schlacht bei Jena-Auerstedt 1806. Andere beleuchten, wie die Nationalsozialisten Haeckels Evolutionstheorie für ihre Rassentheorie umdeuteten. Die unterschiedliche Bewertung der Leistungen von Carl Zeiss und Ernst Abbe in der NS-Zeit und in der DDR wird ebenso thematisiert wie der Umgang der Jenaer mit ihrer Stadt- und Universitätsgeschichte. Diesem Thema widmet sich am 20. November auch eine öffentliche Diskussion im Stadtmuseum "Göhre" zum "Jenaer Jubiläumspaket 2005/06" mit Kommunalpolitikern und Kulturschaffenden.

"Wir wollen den alten Symbolen keine neuen hinzufügen oder ihre Deutung fortsetzen", stellt Prof. John klar. Ziel der Beschäftigung mit den Jenaer Traditions- und Selbstbildern des 19. und 20. Jahrhunderts sei es, den vermeintlichen "Mythos Jena" kritisch zu analysieren. "Dabei wollen wir auch untersuchen, mit welchen Chiffren Jena auf der geistigen Landkarte Deutschlands zu finden ist". Dabei interessiere ob, in welchem Grade, mit welchen Figuren oder Ereignissen Jena im nationalen Gedächtnis wirklich verankert ist oder ob dies nur zugeschrieben wird, erklärt der Jenaer Historiker.

"Dabei geht es uns nicht darum, etwa einen 'Erinnerungsort Jena' zu konstruieren. Doch wollen wir die Frage aufwerfen, ob die Stadt nicht ein solides Erinnerungskonzept bräuchte". Gefragt werden soll im letzten - öffentlichen - Teil der Konferenz deshalb nach dem derzeitigen Zustand der Jenaer Erinnerungskultur.

Die Ergebnisse werden in einem Tagungsband zusammengefasst.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen John
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13
Tel.: 03641 / 944480 oder 944400
E-Mail: ramona.steinhauer@uni-jena.de

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