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Humboldt-Stipendien: langfristig zahlreiche neue Kooperationspartner auf internationaler Ebene gewonnen

21.11.2005 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Das von der DFG geförderte und von Professor Meusburger am Geographischen Institut der Universität Heidelberg geleitete Projekt untersuchte Forschungsstipendienprogramm der Alexander von Humboldt-Stiftung Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte und von Professor Meusburger am Geographischen Institut geleitete Projekt untersuchte die Bedingungen und Auswirkungen von Forschungsaufenthalten ausländischer Gastwissenschaftler in Deutschland am Beispiel des Forschungsstipendienprogramms der Alexander von Humboldt-Stiftung. Befragt wurden 2000 Stipendiaten aller Länder und Fächer und rund 1000 Gastgeber der Jahre 1954 bis 2001.

Als bedeutendstes Förderinstrument für Forschungsaufenthalte ausländischer Gastwissenschaftler an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat das Forschungsstipendienprogramm die internationalen Wissenschaftsbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich geprägt. Die Multiplikatorenwirkung der Forschungsstipendiaten und daraus resultierende Kooperationen trugen zu einem beschleunigten Wiederaufstieg der Bundesrepublik zu einer der führenden Wissenschaftsnationen bei und förderten ihre zunehmende Internationalisierung.

Umgekehrt profitierten die Herkunftsländer auf vielfältige Weise von den wissenschaftlichen Erfahrungen der Gastwissenschaftler in Deutschland und den daraus entstandenen langfristigen Kontakten. Durch die Offenheit für die am meisten qualifizierten Wissenschaftler aller Länder ermöglichte das Programm auch Wissenschaftlern aus weniger gut ausgestatten Forschungsstandorten in Afrika, Südosteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion den Zugang zu hoch entwickelter Forschungsinfrastruktur.

Da wissenschaftliche Beziehungen, unter anderem durch Humboldt-Stipendiaten, auch schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs relativ stark abgeschottete Grenzen zwischen Deutschland und Ostmitteleuropa überschritten haben, bestanden aufgrund der nachfolgenden Beziehungen bereits in den 90er Jahren ähnlich enge grenzüberschreitende Verflechtungen in den Wissenschaften zwischen Deutschland und Ostmitteleuropa wie zwischen Deutschland und anderen EU-15 Staaten.

Den Ergebnissen dieses Projekts zufolge werden internationale Wissenschaftsbeziehungen relativ stark durch politische, wirtschaftliche, räumliche, kulturelle und soziale Sachverhalte strukturiert. Die Art der wissenschaftlichen Interaktion in Deutschland und die unmittelbaren wissenschaftlichen Resultate der Forschungsaufenthalte variieren dagegen vor allem nach fachspezifischen Arbeitsstilen.

Damit verbundene systematische Unterschiede in der Ortsgebundenheit der Forschungsprojekte und dem Kooperationsverhalten der Gastwissenschaftler erklären sich durch variierende räumliche Bezüge wissenschaftlicher Praxis und Interaktion, die sich in einer Matrix mit drei Dimensionen beschreiben lassen: dem Grad der Materialität, dem Grad der Standardisierung und dem Stadium des Forschungsprozesses. Dieses theoretische Verständnis der räumlichen Strukturierung wissenschaftlicher Praxis und Interaktion ermöglicht wissenschaftspolitisch wichtige Schlüsse zum Mobilitäts- und Kooperationsverhalten von Wissenschaftlern, die grundlegende fachbezogene Unterschiede anerkennen und dennoch Stärken und Schwächen im Austausch erkennen lassen.

Zu den wichtigsten Auswirkungen der Forschungsaufenthalte gehört ein wissenschaftlicher Austausch über Länder-, Fächer-, Kultur- und Sprachgrenzen hinweg, der in verschiedenen Formen der Zusammenarbeit Ausdruck findet. Gerade der alltägliche persönliche Kontakt ermöglicht überraschende Erkenntnisse und vertrauensvolle Kooperationen, die auch im Zeitalter des Internets sonst nicht zustande kämen. Die Forschungsaufenthalte bewirken zudem eine Intensivierung persönlicher Kontakte, die im späteren Berufsleben immer wieder aktiviert werden und oft zu nachfolgender zirkulärer Mobilität der Stipendiaten, des wissenschaftlichen Nachwuchs und der Interaktionspartner im Gastland führen. Indem mit den Humboldt-Forschungsstipendien zahlreiche Wissenschaftler nach Deutschland geholt werden, die ihr Forschungsprojekt auch in anderen Ländern durchführen könnten, werden langfristig zahlreiche neue Kooperationspartner auf internationaler Ebene gewonnen.

Aus Sicht der Humboldt-Stipendiaten und ihre Gastgeber ist das Forschungsstipendienprogramm ein großer Erfolg, der unter anderem auf guten persönlichen Kontakten, der "treffsicheren" Auswahl der Stiftung und der individuellen Betreuung durch die Humboldt-Stiftung beruht. Die Stärken der deutschen Wissenschaftslandschaft liegen den Erfahrungen der Gastwissenschaftler und ihrer Gastgeber zufolge in einer hohen Qualität von Forschung und Forschungsinfrastruktur, den Möglichkeiten zu Grundlagenforschung und zu langfristigen Forschungsperspektiven sowie dem Ausbildungsstand des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Verbesserungswürdig wären dagegen die fachliche Kommunikation, Teamarbeit und Kooperation unter deutschen Wissenschaftlern, die Organisation akademischer Selbstverwaltung, die mit einer besonders großen Arbeitsbelastung der Professoren einhergeht, und die Jobsituation im Hochschulwesen. Insgesamt verdeutlichen die Erfahrungen der Humboldt-Stipendiaten sehr große regionale Disparitäten in den Arbeitsbedingungen von Wissenschaftlern weltweit. Der Bundesrepublik kommt dabei seit fünf Jahrzehnten eine Mittlerstellung im obersten Bereich einer weltweiten Hierarchie regionaler Wissenschaftszentren zu.


Rückfragen bitte an:
Heike Jöns
Heike.Joens@nottingham.ac.uk

Prof. Dr. Peter Meusburger
peter.meusburger@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

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