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Musik, um zu überleben22.11.2005 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Einladung zum Vortrag von Dr. Gabriele Knapp (Berlin) zum Thema "Musikalische Zwangsarbeit"
Musikalische Zwangsarbeit - was für ein ungewöhnlicher Begriff! Und doch kann er, in dem Zusammenhang in dem er steht, treffender nicht sein. In den Jahren 1943/44 gab es im Frauenlager Auschwitz-Birkenau ein Orchester. Es bestand aus musikalischen Laien und professionellen Musikerinnen. Die Dirigentin des Orchesters war die Nichte Gustav Mahlers, die zu ihrer Zeit berühmte Geigerin Alma Rosé. Die SS stellte das Orchester zusammen, um beim Aus- und Eingang der Häftlinge vom Lager zur Arbeitsstätte und wieder zurück Märsche zu spielen - Häftlinge konnten mit rhythmisch-musikalischer Begleitung leichter gezählt werden. Sehr bald aber wurde dieses Orchester zu einem Bestandteil des "sozialen" Lebens im Lager: Die Frauen spielten bei der Ankunft der Häftlinge im Lager, bei den Selektionen, im Kranken- und Versuchsblock. Schließlich gaben sie Konzerte für die SS. Es ist sicherlich der extremste Missbrauch von Musik, den es je gegeben hat. Die Musikerinnen spielten im Vernichtungslager um ihr Leben.
Die Berliner Soziologin Dr. Gabriele Knapp führte Gespräche mit Überlebenden dieses Orchesters; Grundlage für ihre Gespräche bildete das Buch "Das Mädchenorchester in Auschwitz" von Fania Fénelon, das erstmals 1976 in Frankreich und 1980 in deutscher Übersetzung erschien und durch das das Orchester im Frauenlager Auschwitz-Birkenau auch in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Dieses Buch wurde auch Grundlage für die derzeit entstehende Oper "Das Frauenorchester von Auschwitz" des aktuellen Witten/Herdecker "composer in residence", Stefan Heucke.
Zu einem Vortrag von Dr. Gabriele Knapp mit anschließender Diskussion, bei der auch der Komponist Stefan Heucke anwesend sein wird, lädt die Fakultät für das Studium fundamentale ein:
Freitag, 25. November, 20 Uhr, Ort: Großer Hörsaal der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50, 58448 Witten
Kontakt: Dr. Ingrid Allwardt, Tel.: 02302/926-813 ,-816
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