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2. Bochumer Historikerpreis geht an Prof. Jürgen Kocka: Preisverleihung am 25.11.

22.11.2005 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte erhält der Berliner Historiker Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jürgen Kocka den diesjährigen Bochumer Historikerpreis. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Ruhr-Universität Bochum, der Stadt Bochum, der Stiftung der Sparkasse Bochum und der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets vergeben. Die Preisverleihung findet am Freitag, 25.11.2005, 18.30 Uhr anlässlich des Stiftungsfestes der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets statt. Zur Preisverleihung kommt auch der Schirmherr des Preises, NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart. Die Medien sind herzlich willkommen. Bochum, 22.11.2005
Nr. 368

2. Bochumer Historikerpreis geht an Prof. Jürgen Kocka
Herausragende Leistung in Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Preisverleihung mit NRW-Innovationsminister Prof. Pinkwart

Für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte erhält der Berliner Historiker Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jürgen Kocka den diesjährigen Bochumer Historikerpreis. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Ruhr-Universität Bochum, der Stadt Bochum, der Stiftung der Sparkasse Bochum und der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets vergeben. Die Preisverleihung findet am Freitag, 25.11.2005, 18.30 Uhr anlässlich des Stiftungsfestes der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets statt (Clemensstraße 17 - 19, 44789 Bochum). Zur Preisverleihung kommt auch der Schirmherr des Preises, NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart. Er spricht über "Stärkung von Wissenschaft und Forschung durch private Initiative". Die Medien sind herzlich willkommen.

Vorab Termin mittags

Journalisten, die an einem Gespräch mit dem Preisträger Prof. Kocka interessiert sind, haben die Gelegenheit, ihn am 25.11. zwischen 10 und 12 Uhr auf einer Diskussionsveranstaltung der im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets zu sprechen.

Programmfolge am Abend

Nach der Begrüßung durch Dr.-Ing. h.c. Wilhelm Bergemann (Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets) spricht Innovationsminister Prof. Pinkwart über "Stärkung von Wissenschaft und Forschung durch private Initiative". Daran schließt sich an die Laudatio von Prof. Dr. Werner Plumpe (Universität Frankfurt/Main, früher RUB) sowie die Preisverleihung. Dem folgt eine Dankesrede von Prof. Kocka über "Sozialgeschichte im Zeitalter der Globalisierung" sowie die Eröffnung einer Ausstellung "Am Kanal" mit Werken von Brigitte Kraemer. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet vom Trio des Musischen Zentrums der RUB.

Führender Kopf einer neuen Generation

Kocka gehört seit den 1970er Jahren zu den führenden Persönlichkeiten einer jüngeren Historiker-Generation, die das Gefüge der deutschen akademischen Geschichtswissenschaft und ihrer Außenwirkung nachhaltig veränderte. 1941 geboren, wurde er 1968 an der Freien Universität Berlin bei Gerhard A. Ritter mit einer grundlegenden Untersuchung über Unternehmensverwaltung und Angestelltenschaft bei Siemens promoviert. Bis heute gilt dieses Werk als eine Pionierstudie auf dem Gebiet der Unternehmensgeschichte. Als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster habilitierte sich Kocka 1972 mit einer vergleichenden Untersuchung zur "Politischen Sozialgeschichte" der Angestellten in den USA und übernahm 1973 die Professur für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte an der eben gegründeten Universität Bielefeld.

Bielefelder Schule

Noch 1972 war eine methodisch hochreflektierte Untersuchung über die deutsche "Klassengesellschaft" im Ersten Weltkrieg erschienen; es folgten nunmehr in rascher Folge Aufsätze und Bücher, in denen das in Deutschland neue Feld der Sozialgeschichte theoretisch und methodisch ausgebreitet wurde. Das machte Kocka, in langjähriger Zusammenarbeit mit Hans-Ulrich Wehler, für zwei Jahrzehnte zum führenden Kopf der so genannten "Bielefelder Schule", die als geschichtswissenschaftliche Erneuerung rasch internationales Aufsehen erregte. In Bielefeld leitete Kocka zeitweilig das Zentrum für interdisziplinäre Forschung, regte zahlreiche Untersuchungen von Schülern zur Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an und formte maßgeblich den berühmt gewordenen Bielefelder Sonderforschungsbereich über die "Sozialgeschichte des neuzeitlichen Bürgertums".

Neuordnung der hauptstädtischen Geschichtswissenschaft

Er widmete sich zugleich der Geschichte der Arbeiter während der Industrialisierung und veröffentlichte hierzu bisher zwei einschlägige Bände. Die Forschung verdankt ihm außerdem eine Geschichte der deutschen Unternehmer, ein lange die Proseminare beherrschendes Buch zur Grundlegung der modernen Sozialgeschichtsschreibung und zahlreiche Sammelbände über Arbeiter und Bürger, die europäische Zivilgesellschaft und die deutsch-deutsche Vereinigungskrise. 1998 trat er eine neu geschaffene Professur zur Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin an. Er wirkte hier maßgeblich in der Neuordnung der hauptstädtischen Geschichtswissenschaft mit, schuf etwa das Zentrum für vergleichende Geschichte Europas und wurde im Jahre 2000 Präsident des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin (WZB), einer der größten sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Europas. Sein internationales Renommee wird durch drei Ehrendoktorhüte, zahlreiche Mitgliedschaften in Akademien und durch die Präsidentschaft des internationalen Historikerverbandes unterstrichen.

"Public Historian"

Kocka ist ein "public historian" im besten Sinne. Er hat sich, wägend und ordnend, zu Problemen der Vergangenheitsbewältigung und der Geschichtspolitik, zur Problematik des deutschen Nationalstaates und jüngst vermehrt zum Wandel der Erwerbsarbeit auch in der Gegenwart geäußert. Er begreift Geschichtswissenschaft als ein wesentliches Moment gesellschaftlicher Selbstaufklärung, und das bezeichnet seine Herangehensweise an die Besonderheiten deutscher Geschichte, deren Interpretation er durch einsichtsvolle Kommentare zur Debatte um den deutschen "Sonderweg" über Jahrzehnte zu bereichern wusste.


Weitere Informationen

Dr. Jürgen Mittag, Institut für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets, Clemensstraße 17-19, 44789 Bochum, Tel. 0234/32-26920, Fax: 0234/32-14249, E-Mail: juergen.mittag@rub.de

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