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Europäische Bürgerkonferenz fordert mehr Öffentlichkeit bei der Hirnforschung

28.11.2005 - (idw) Stiftung Deutsches Hygiene-Museum

Mehr Öffentlichkeit und Gleichberechtigung bei der Hirnforschung
Europäische Bürgerkonferenz stellt ihre Forderungen auf
Vom 25. - 27. November 2005 tagten die deutschen Teilnehmer der europäischen Bür-gerkonferenz zur Hirnforschung "Meeting of Minds" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Forderungen nach einer stärkeren Information der Öffentlichkeit und einer gleichberechtigten Behandlung von Bürgern und Betroffenen standen im Mittelpunkt des gestern vorgestellten vierzigseitigen nationalen Bürgerberichts. Mit den Ergebnissen dieser Tagung wird die deutsche Bürgergruppe im Januar 2006 zum abschließenden Treffen von "Meeting of Minds" nach Brüssel reisen. Dort wird mit den Bürgern der an-deren acht beteiligten Länder das europäische Bürgergutachten zur Hirnforschung erar-beiten werden. Vom 25. - 27. November 2005 tagten die deutschen Teilnehmer der europäischen Bür-gerkonferenz zur Hirnforschung "Meeting of Minds" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Forderungen nach einer stärkeren Information der Öffentlichkeit und einer gleichberechtigten Behandlung von Bürgern und Betroffenen standen im Mittelpunkt des gestern vorgestellten vierzigseitigen nationalen Bürgerberichts. Mit den Ergebnissen dieser Tagung wird die deutsche Bürgergruppe im Januar 2006 zum abschließenden Treffen von "Meeting of Minds" nach Brüssel reisen. Dort wird mit den Bürgern der an-deren acht beteiligten Länder das europäische Bürgergutachten zur Hirnforschung erar-beiten werden.

Detaillierte Informationen zur Bürgerkonferenz "Meeting of Minds" und den gesamten Text des Nationalen Bürgerberichts finden Sie unter www.buergerkonferenz.de.

Nach der zweitägigen Anhörung von Hirnforschern, Neurologen, Philosophen, Juristen, Wis-senschaftsjournalisten und Vertretern von Betroffenenverbänden formulierte die deutsche Bür-gergruppe ein differenziertes Positionspapier. Dieser nationale Bürgerbericht wurde am gestri-gen Sonntag der Öffentlichkeit und Politikern vorgestellt, darunter Gisela Kallenbach (MdEP), Michael Kretschmer (MdB, Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung), Ministerialdirigent PD. Dr. Peter Lange (Bundesministerium für Bildung und Forschung), Kristi-ane Weber-Hassemer, Vorsitzende des nationalen Ethikrates und Rudolf-Horst Wehner (Mit-glied des Landtages, Vorsitzender des Ausschusses Soziales, Gesundheit, Familie, Frauen und Jugend).

Der nationale Bürgerbericht konzentriert sich auf folgende Themenfelder:

Im Bereich der Regelungen und Kontrolle konnten die Bürger in den Diskussionen mit den Experten feststellen, dass das latente Misstrauen gegenüber den Regelungen zur Hirnfor-schung in Deutschland nicht gerechtfertigt ist. Unter den Bürgern ist mehr Vertrauen in die Ge-setzgebung entstanden. Die Ethikkommissionen müssen in ihrer Funktion gestärkt werden.

Bei den Fragen zu Normalität und Diversität betonen die Bürger, dass die Grenzen zwischen Normalität und Verschiedenheit fließend und im ständigen Wandel sind. Die Bewertung ist zeit- und umweltabhängig. Betroffene sollen nicht ausgrenzt, sondern in ihrem sozialen Umfeld in-tegriert werden. Mit Blick auf die Behandlung des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms, beto-nen die Bürger, dass Erziehung immer eine Auseinandersetzung bedeutet und nicht durch Medikamente ersetzt werden kann. Alternative Behandlungsmethoden müssen stärker er-forscht und unterstützt werden. Auf europäischer Ebene soll eine Stiftung zur Förderung der Hirnforschung initiiert werden.

Bei den Fragen zu Information der Öffentlichkeit unterstreichen die Bürger, dass eine infor-mierte Gesellschaft Probleme besser verstehen und lösen kann. Die Integration wichtiger In-formationen in Medien aller Art (auch mit Unterhaltungscharakter) halten sie deshalb für wich-tig, um alle Schichten der Bevölkerung zu erreichen und zu motivieren, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Obwohl die Hirnforschung interdisziplinären Charakter hat, findet keine ausreichende Zusammenarbeit zwischen den Forschern statt, die nach Ansicht der Bürger un-erlässlich ist. Die Bürger bemängeln, dass keine zentrale Datenbank zu Ergebnissen der Hirn-forschung existiert.

Zum Einfluss durch ökonomische Interessen unterstreichen die Bürger, dass der Staat sich grundsätzlich verpflichten sollte, eine breit angelegte Forschung zu finanzieren. In der Gesell-schaft sollte eine Abstimmung über die sozialen, ethischen und wirtschaftlichen Forschungs-ziele erfolgen.

Im Hinblick auf den gleichberechtigten Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten stellen die Bürger fest, dass Patienten oft ungleich behandelt werden, abhängig vom Alter, Geschlecht, sozialem Status, Schulbildung und unterschiedlichen Behinderungen. Gleiche Chancen müs-sen für alle Bürger in Europa ermöglicht werden.

Im Bereich der Entscheidungsfreiheit unterstreichen die Bürger, dass Patienten wie auch Ärzte und Juristen in der Pflicht stehen, sämtliche Informationsquellen zu nutzen, um Ent-scheidungsvielfalt überhaupt zu ermöglichen. Ein gesundes Maß an Skepsis gegenüber den Veröffentlichungen in den Medien sollte jeder Bürger wahren. Bedenklich äußern sich die Bür-ger gegenüber der zunehmenden Bedeutung von bildgebenden Verfahren bei der Strafverfol-gung.

REAKTIONEN UND KOMMENTARE DER ANWESENDEN POLITIKER

Alle anwesenden Politiker zeigten sich beeindruckt vom Engagement und der großen Sach-kenntnis, die sich die Bürger im Verlauf des Verfahrens angeeignet hatten.

Die Abgeordnete des Europaparlamentes Gisela Kallenbach betonte, dass die Information der Bürger vor allem auch deswegen wichtig sei, damit die Herausforderungen der Globalisie-rung bestanden werden könnten. Gleichzeitig plädierte sie für europäische Mindeststandards auf dem Gebiet der Gesundheit.

Der Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer (Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung), verwies darauf, dass Regelungen auf europäischer Ebene nur in einem komplizierten Abstimmungsprozess gefunden werden könnten. Probleme, die in Deutschland bestünden, seien also nicht leichter auf europäischer Ebene zu lösen. Europa könne und müsse nicht alle Details regeln.

Ministerialdirigent PD. Dr. Peter Lange vom Bundesministerium für Bildung und Forschung hob den Nutzen der Interdisziplinarität hervor, wie sie bei der Anhörung der Bürgerkonferenz praktiziert worden sei; so könnte die schroffe Gegenüberstellung von Natur- und Geisteswis-senschaften überwunden werden, was gerade auf dem Gebiet der Hirnforschung von immen-ser Bedeutung sei. Wissenschaft, Politik und Medien seien darüber hinaus verpflichtet, sachli-che Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, damit keine übertriebenen Hoffnung oder auch Befürchtungen im Hinblick auf die Forschung aufkommen.

Kristiane Weber-Hassemer, die Vorsitzende des nationalen Ethikrates, betrachtete die Bür-gerkonferenz als ein gelungenes Beispiel dafür, wie der bedenkliche Abstand zwischen dem Wissensstand der Wissenschaftler und der Öffentlichkeit wirksam verringert werden könne.

Rudolf-Horst Wehner, Mitglied des sächsischen Landtages und Vorsitzender des Ausschus-ses Soziales, Gesundheit, Familie, Frauen und Jugend, hob die gemeinsame Verantwortung von Parlament, Forschung und Patienten hervor und unterstrich die Bedeutung von Patienten-rechten und Selbsthilfegruppen.

MEETING OF MINDS

Die Bürgerkonferenz wird im Wesentlichen von der Europäischen Kommission gefördert. Das Vorhaben wird von der belgischen King Baudouin Foundation koordiniert, die auch einen Teil der Kosten übernimmt. Die deutsche Umsetzung unterstützt die Robert-Bosch-Stiftung sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Moderation der Konferenz übernimmt die Stiftung Risiko-Dialog, St. Gallen/Schweiz.

BETEILIGTE EUROPÄISCHE PARTNER:

Belgien: King Baudouin Foundation; Flemish Institute for Science and Technology Assess-ment; University of Liège, SPIRAL; Dänemark: Danish Board of Technology; Deutschland: Stif-tung Deutsches Hygiene-Museum, Dresden Frankreich: Cité des Sciences et de l'Industrie; Griechenland: Eugenides Foundation; Großbritannien: University of Westminster; Science Mu-seum's Dana Centre; Italien: Fondazione IDIS Città della Scienza; Niederlande: Rathenau Insti-tute; Ungarn: University of Debrecen, Medical and Health Science Centre


Deutsches Hygiene-Museum in Partnerschaft mit der DKV Deutsche Krankenversicherung
Weitere Informationen: http://www.buergerkonferen.de - detaillierte Ergebnisse
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