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Heuss-Vorlesung an der Uni Stuttgart: Gesine Schwan spricht über Politik und Vertrauen

30.11.2005 - (idw) Universität Stuttgart

Politik kommt ohne ein Grundvertrauen der Bevölkerung nicht aus. Dies gilt insbesondere in einer repräsentativen Demokratie. Nur der Vertrauensvorschuss, dass die Gewählten das Interesse ihrer Wähler und Wählerinnen, nicht aber ein Eigeninteresse verfolgen, bewegt die Menschen dazu, überhaupt zur Wahl zu gehen und ihre ureigensten Anliegen in die Hände vollkommen Fremder zu legen. Um so mehr erschrecken Umfrageergebnisse, die seit Jahren ein gesunkenes Interesse an den Politikangeboten der Volksparteien konstatieren - ein Vertrauensverlust, der sich nicht zuletzt in einer über die Jahre tendenziell sinkenden Wahlbeteiligung und sinkenden Mitgliedszahlen bei den politischen Parteien ausdrückt. Offensichtlich sprechen immer mehr Bürgerinnen und Bürger den Politikern ihre persönliche Glaubwürdigkeit ab; zudem gelingt es Politikern nur unzureichend, ihre politischen Entscheidungen zu vermitteln oder auch auf Wahlversprechen zu verzichten, bei denen ohnehin kaum jemand mit ihrer Erfüllung rechnet. Für Politiker liegt der schwarze Peter dagegen bei den Medien und ihrer Art, über Politik zu berichten.

Als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2004 stand gerade Gesine Schwan immer wieder dafür ein, dass Politik und politische Veränderungen des Vertrauens bedürfen. Damit warb sie auch für die repräsentative Demokratie bundesrepublikanischer Prägung. Am Montag, den 12. Dezember wird Gesine Schwan nun ihre Überlegungen zum Thema "Politik und Vertrauen" im Rahmen der diesjährigen Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung an der Universität Stuttgart vortragen. Die Professorin Gesine Schwan gehört als Politikwissenschaftlerin zu den profiliertesten Vertretern ihres Faches. Nach dem Studium in Berlin und Freiburg promovierte sie 1970 mit einer Arbeit über den polnischen Philosophen Leszek Kolakowski. 1977 übernahm sie eine Professur für Politikwissen-schaft an der Freien Universität Berlin und wirkte als Gastprofessorin an renommierten Universitäten und Forschungsinstituten im In- und Ausland. Seit 1999 ist sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Die Vorlesung wird von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Kooperation mit der Universität Stuttgart zum Gedächtnis an Theodor Heuss gehalten, der in Stuttgart seine letzten Lebensjahre verbrachte und dort am 12. Dezember 1963 verstarb. In dieser jährlich stattfindenden Reihe äußern sich herausragende Gelehrte oder Persönlichkeiten zu zeitgeschichtlichen oder politischen Themen von allgemeinem Interesse. Zu den bisherigen Rednern gehören unter anderem Timothy Garton Ash, Jutta Limbach oder Richard von Weizsäcker. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Ort: Universität Stuttgart, Stadtmitte, Keplerstr. 17, Hörsaal 17.01
Zeit: Montag, 12.12.2005, 19.00 Uhr

Weitere Informationen bei Dr. Gudrun Kruip, 0711/955 985 23, kruip@stiftung-heuss-haus.de

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