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Analyse in den neuen WSI-Mitteilungen - Flassbeck: Deutsche Lohnpolitik gefährdet Währungsunion

20.12.2005 - (idw) Hans-Böckler-Stiftung

Die schwache Lohnentwicklung in Deutschland stellt zunehmend die Funktionsfähigkeit der Europäischen Währungsunion in Frage. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt der UN-Welthandelskonferenz (UNCTAD) in einer Analyse, die in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen erscheint.

Wenn in Deutschland weiterhin die "lohnpolitische Spielregel" verletzt werde, stelle das einen "enormen Sprengsatz" für die Währungsunion dar, warnt Flassbeck. Diese volkswirtschaftliche Regel besagt, dass sich das Wachstum der Nominallöhne an der Summe aus dem mittelfristigen gesamtwirtschafltichen Produktivitätswachstum und der von der Zentralbank festgelegten Zielinflationsrate orientieren sollte.

Da diese Marke in Deutschland seit Jahren unterschritten wird, sind hier die Arbeits- und die Lohnstückkosten seit Beginn der Europäischen Währungsunion 1999 deutlich geringer gestiegen als im Durchschnitt der Union, so Prof. Dr. Flassbeck. Die Differenz liegt nach Daten der Europäischen Zentralbank bei jeweils einem Prozentpunkt im Jahr. Deshalb habe die "flexible deutsche Volkswirtschaft, die mehr als alle anderen mit den Löhnen nach unten abgewichen ist" gegenüber den Partnerländern zusätzliche Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Im Vergleich etwa zu Spanien betrug dieser Zugewinn zwischen 1999 und 2003 sogar knapp zehn Prozentpunkte. Wegen der Währungsunion haben wettbewerbsmäßig zurückfallende Euro-Länder keine Möglichkeit mehr, mit einer nominalen Abwertung ihrer Währung zu reagieren.

Dass Deutschland lohnpolitisch "unter den eigenen Verhältnissen lebt" löst nach Analyse des Experten aber nicht die Beschäftigungskrise. Im Gegenteil. Einmal leide die Binnenwirtschaft: "Der private Verbrauch muss sich auf langsamer wachsende reale Arbeitseinkommen stützen, was die von der inländischen Nachfrage abhängigen Branchen in Bedrängnis bringt." Zum anderen steige der Druck auf die Partner, bei den Lohnabschlüssen ebenfalls in einen "Preissenkungswettlauf" einzusteigen. Damit wachse aber das Risiko einer Deflation, "deren einmal begonnenem Teufelskreis zu entkommen nur schwer möglich ist", schreibt Flassbeck.
Weitere Informationen: http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_57951.html
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