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NRW mit erheblicher Technologielücke

12.01.2006 - (idw) Universität Wuppertal

In Deutschland gibt es eine bisher unbekannte regionale Wachstumsspaltung: Nordrhein-Westfalen und die neuen Bundesländer sind beim technischen Fortschritt gegenüber dem Rest der Republik deutlich zurückgefallen. Das kann nur mittelfristig korrigiert werden. Zu diesem Fazit kommt das Europäische Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Universität Wuppertal. In Deutschland gibt es eine bisher unbekannte regionale Wachstumsspaltung: In der zweiten Hälfte der 90er Jahre sind Nordrhein-Westfalen und die neuen Bundesländer beim technischen Fortschritt gegenüber dem Rest der Republik, insbesondere den ökonomischen Führungsländern Hamburg und Baden-Württemberg, deutlich zurückgefallen. Das kann erst mittelfristig korrigiert werden. Zu diesem Fazit kommt das Europäische Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Bergischen Universität Wuppertal, das unter der Leitung des Ökonomen Prof. Dr. Paul J.J. Welfens für die NRW-Landesregierung eine entsprechende Studie erstellt hat.

Die digitale Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft schreitet fort, neuartige Dienstleistungen sind entstanden, die bei der Produktivität zunehmend auf dem Zielgerichteten Einsatz von Informationen bzw. Wissen sowie Software und Computern basieren. Der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie, der innerhalb von zehn Jahren seinen Anteil an der Wertschöpfung in Deutschland verdoppelt hat (auf ca. 10 Prozent in 2005), ist wichtiger Impulsgeber für Innovation und Wachstums. Allerdings war in Deutschland nach 1994 das Wirtschaftswachstum relativ langsam.

Wachstumsverlangsamung ist allerdings kein homogenes Phänomen: Hauptgrund für die Wachstumsschwäche in NRW ist ein unterentwickelter Strukturwandel bzw. ein unzureichendes Wachstum der Beschäftigung in der Hochtechnologie und bei hochqualifizierten Dienstleistungen. Dabei wirken falsche wirtschaftspolitische Weichenstellungen und eine unbefriedigende Regulierungspolitik im Telekommunikationssektor mit. Problematisch sind im Hinblick auf Expansionspotenziale auch Probleme bei der Finanzierung von Unternehmen mit hohem Anteil an immateriellen Anlagen, z.B. Software. Wer statt Maschinen vor allem Software und Computer als Sicherheiten anzubieten hat, tut sich als Unternehmen oder Firmengründer schwer, weil Hausbanken in der Regel vor allem dingliche Sicherheiten für Kreditfinanzierungen verlangen.

Nach Ansicht der Wuppertaler Wirtschaftswissenschaftler sind Wachstumsimpulse möglich; in NRW wäre eine Abkehr von einer früher oft undifferenzierten Förderpolitik zugunsten einer gezielten Förderung innovationsaktiver Branchen nötig. Prof. Dr. Welfens: "Nur wenn Deutschland den Rückstand im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, Innovationsdynamik und Bildungsstand aufholt bzw. verstärkt zu einer technologie- und wissensintensiven Beschäftigungsstruktur findet, gibt es eine Chance, das langfristige Wachstum und damit auch die Beschäftigung nachhaltig zu steigern."

Der für 2006/07 prognostizierte Aufschwung werde nur moderat sein, die absehbare zyklische Verbesserung ändere nichts am geringen Trendwachstum von nur 1%. Auch vor dem Hintergrund des neuen Gutachtens des Sachverständigenrates für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sei es ohne neue Politikinitiativen unwahrscheinlich, dass Deutschland mittelfristig zu den Wachstumsführenden EU-Ländern gehören werde. Wichtig seien Liberalisierungen und sinnvolle Weichenstellungen bei Bund und Ländern für mehr Innovation und stärkere Nutzung bzw. Wachstum der Informations- und Kommunikationstechnologie. Prof. Dr. Welfens: "Nordrhein-Westfalen kommt hier für ganz Deutschland eine Schlüsselstellung zu!"

Eine Zusammenfassung der Studie auf


http://www.euroeiiw.de

Kontakt:

Prof. Dr. Paul J.J. Welfens
Makroökonomische Theorie und Politik
Jean Monnet Lehrstuhl für Europäische Wirtschaftsintegration
Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW)
Telefon 0202/439-1371
E-Mail welfens@eiiw.uni-wuppertal.de
Weitere Informationen: http://www.euroeiiw.de http://www.econ-international.net
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