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Bundesministerium für Gesundheit richtet neues Nationales Referenzzentrum in Göttingen ein

19.01.2006 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

Prionforschungsgruppe wird Nationales Referenzzentrum für die "Surveillance Humaner Spongiformer Enzephalopathien". Die Förderung gilt für zunächst drei Jahre. (ukg) Die Prionforschungsgruppe an der Abteilung Neurologie des Bereichs Humanmedizin - Universität Göttingen ist seit dem 1. Januar 2006 das Nationale Referenzzentrum für die "Surveillance Humaner Spongiformer Enzephalopathien" in Deutschland. Das Nationale Referenzzentrum soll alle in Deutschland vorkommenden Fälle von so genannten "humanen spongiformen Enzephalopathien" erfassen. Zu diesen Erkrankungen bei Menschen gehören unter anderem die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) und die durch BSE ausgelöste Variante der CJK, die so genannte vCJK. Das Bundesministerium für Gesundheit hat das Nationale Referenzzentrum (NRZ) in Göttingen eingerichtet und fördert es für zunächst drei Jahre.

Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) wird insbesondere Änderungen in der Häufigkeit des Auftretens der Creutzfeldt-Jakob Krankheit sowie alle Hinweise auf Änderungen bei den krankheitsspezifischen Merkmalen dieser Erkrankung dokumentieren. "Ein besonderes Augenmerk haben wir dabei auf solche Anzeichen, die auf eine BSE-Epidemie hindeuten könnten", sagt die Leiterin der Prionforschungsgruppe und des Nationalen Referenzzentrums, Professorin Dr. Inga Zerr. Alle Erkenntnisse und Daten werden in einer Referenzdatenbank gesammelt. Die Daten stehen anderen Institutionen europaweit und darüber hinaus weltweit zur Verfügung.

Als Nationales Referenzzentrum übernimmt die Göttinger Prionforschungsgruppe zusätzlich Aufgaben in der Diagnostik atypischer Demenzerkrankungen. Das Nationale Referenzzentrum berät und unterstützt den öffentlichen Gesundheitsdienst und das Robert-Koch-Institut bei ergänzenden Untersuchungen. Darüber hinaus bietet das NRZ Schulungen und allgemeine Fort- und Weiterbildungen für Ärzte über humane spongiforme Enzephalopathien an.

Das Göttinger NRZ arbeitet an der Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Erkennung von humanen spongiformen Enzephalopathien. Neben der Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers) gehören auch bildgebende Verfahren, wie z. B. die Kernspintomographie dazu. Krankenhäuser aus ganz Deutschland können sich bei einem Verdacht auf eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung an das NRZ wenden. Das NRZ bietet dafür spezielle Liquoruntersuchungen an. Jährlich wurden bisher etwa 2.500 Liquorproben von Patienten mit rasch fortschreitenden demenziellen Erkrankungen im Labor der Prionforschungsgruppe untersucht. Als Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Liquordiagnostik bei Verdacht auf CJK untersucht die Göttinger Forschungsgruppe Proben aus europäischen und außereuropäischen Ländern, darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit zu anderen Forschungsgruppen in Europa und den USA.

In Deutschland wurde bislang nur bei einem Teil der Verdachtsfälle eine Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diagnostiziert. Pro Jahr erkranken etwa 120 Menschen in Deutschland an CJK, das entspricht einer Häufigkeit von 1,5 pro Jahr auf eine Million Einwohner. Eine der neuen Variante der CJK oder vergleichbare Erkrankungsfälle, wie sie in Großbritannien aufgetreten sind, sind bisher in Deutschland nicht dokumentiert worden. "Da aber weiterhin Varianten der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJK) in europäischen Ländern mit niedriger BSE-Inzidenz auftreten, macht dies jedoch eine kontinuierliche Überwachung auch in Deutschland notwendig", sagt Prof. Dr. Inga Zerr.

Nationales Referenzzentrum (NRZ)
Im Rahmen der Neustrukturierung der Infektionsepidemiologie in Deutschland werden seit 1995 eine Reihe Nationaler Referenzzentren (NRZ) zur Überwachung wichtiger Infektionserreger durch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) benannt und finanziell gefördert. Die Berufung erfolgt jeweils für eine dreijährige Periode in Abstimmung unter anderem mit Vertretern des Robert-Koch-Institutes. Nationale Referenzzentren gehören zu dem infektionsepidemiologischen Netzwerk, das das Robert-Koch-Institut bei seiner Arbeit unterstützt. So liefern sie dem Robert-Koch-Institut unter anderem zusätzliche Informationen und Fachexpertisen, die zur Entwicklung effektiver Präventions- und Bekämpfungsstrategien bei Infektionskrankheiten gebraucht werden.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abt. Neurologie (Direktor: Prof. Dr. Mathias Bähr)
Prof. Dr. Inga Zerr
Prionforschungsgruppe
e-mail: IngaZerr@med.uni-goettingen.de
Tel: 0551/ 39-6636, Fax: 0551/ 39-7020
http://www.cjd-goettingen.de

Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 59 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

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