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Wärmerekord in der Arktis

19.01.2006 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Auf Spitzbergen verzeichnen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die höchsten Januar-Temperaturen seit Beginn der Messungen vor 15 Jahren. An zehn Tagen wurden die bisherigen Tagesrekorde um bis zu 3 Grad Celsius überschritten. Im Mittel ist der Januar bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt. Gleichzeitig ist nach Messungen des norwegischen Polarinstituts in der ersten Januarhälfte dreimal so viel Niederschlag gefallen wie sonst im gesamten Monat. Die deutsch-französische AWIPEV-Forschungsbasis mit der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betriebenen Koldewey-Station befindet sich an der Westküste Spitzbergens in Ny-Ålesund, der nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernten nördlichsten Siedlung der Welt. Normalerweise sind dort im Januar Temperaturen um minus 12 Grad Celsius die Regel. Seit dem 4. Januar liegen die Temperaturen aber über dem Gefrierpunkt. Der bisher wärmste Tag war der 16. Januar mit einer Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius - zwei Grad mehr als der bisherige Januar-Höchstwert.

Durch die hohen Temperaturen schmelzen große Mengen des im Winter gefallenen Schnees. Zwischen Restschnee und Permafrostboden entstehen nicht sichtbare Schmelzwasserabflüsse, die den Forschern gefährlich werden können. "Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten", erklärt Kai Marholdt, Ingenieur an der AWIPEV-Forschungsbasis. "Auch zwischen den Gebäuden sind regelrechte Bäche mit Schmelzwasser entstanden, so etwas habe ich im Januar in diesem Ausmaß noch nicht erlebt", berichtet Siegrid Debatin. Die Meteorologie-Technikerin an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts besucht die Koldewey-Station seit über zehn Jahren regelmäßig für Messungen im Winter.

"Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen ist dort tatsächlich seit mehr als zwanzig Jahren zu beobachten. Es wird aber in Zukunft im Rahmen der normalen Wetterschwankungen auch wieder zu kalten Wintern kommen. Bei Warmwetterlagen wie in diesem Januar werden wir allerdings immer wieder mit neuen Höchsttemperaturen rechnen müssen", erklärt Prof. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Die AWIPEV-Basis ist die gemeinsame Logistik- und Forschungsplattform des deutschen Alfred-Wegener-Instituts und des französischen Polarforschungsinstituts Paul Emile Victor (IPEV). Seit 1991 werden dort wissenschaftliche Projekte aus den Bereichen Atmosphärenforschung, Meeresbiologie und Glaziologie betrieben.

Bremerhaven, den 19. Januar 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Jens Kube (Tel. 0471 / 4831-2007; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

Journalistenseminar: Am 2. Februar 2006 findet an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts ein Journalistenseminar zur Arktis statt. Experten des Alfred-Wegener-Instituts stellen den aktuellen Forschungsstand und die mittelfristigen Forschungsperspektiven mit Schwerpunkt auf klimatischen Veränderungen vor. Für Anmeldungen zum Seminar kontaktieren Sie bitte Dr. Andreas Wohltmann (Tel. 0471 / 4831-1680; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).


Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
Weitere Informationen: http://www.awi-bremerhaven.de/
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