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Spanischer Dominikaner mit Einfluss auf die Theologie von heute

24.01.2006 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Melchior Cano (1509-1560) ist der bedeutendste Theologe der Schule von Salamanca. Das Schaffen dieses Mannes wirkt noch bis heute, denn sein 1563 posthum erschienenes Werk "De locis theologicis" ist in mancher Hinsicht grundlegend für die gesamte neuzeitliche Theologie. Wissenschaftler der Uni Würzburg geben diese Schrift nun erstmals in deutscher Übersetzung heraus. Was Cano Besonderes an sich hat? "Seine Theologie ist plural konzipiert", erklärt Professor Elmar Klinger vom Würzburger Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft. Der spanische Dominikaner betrachtet die katholische Theologie nicht als geschlossenen Block, sondern auf so genannte "Orte" verteilt und an ihnen auffindbar. Damit meint er nicht etwa geographisch greifbare Stätten, sondern Schriften und Institutionen - zum Beispiel die Bibel, die Konzilien und die römische Kirche.

Zwar benennt Cano genau zehn Orte der Theologie, doch er bleibt offen für weitere, unendlich viele Orte - die Theologie als dynamisches System. Ihm zufolge müssen all diese Orte erschlossen werden: Welche Argumente benutzen sie, wie interpretieren sie diese, wie stehen sie im Vergleich zueinander? "Diese Idee ist vor allem mit Blick auf die gegenwärtigen weltlichen und interreligiösen Herausforderungen für die Theologie weiterführend," so Klingers Mitarbeiter Thomas Franz.

Hinzu kommt, dass Cano innere und äußere Orte der Theologie unterscheidet. Mit letzteren meint er Strömungen, die von außen auf die Theologie einwirken, wie Philosophie oder Geschichte. "Damit nimmt er bereits im 16. Jahrhundert die beginnenden Differenzierungsprozesse der Neuzeit auf", sagt Franz. Für eine in der Gesellschaft verortete Theologie, wie sie für die Gegenwart unverzichtbar sei, bleibe Cano deshalb die theoretische Grundlage.

Zwar werde der Gelehrte in allen Theologien der Neuzeit zitiert, im deutschsprachigen Raum zunehmend häufig in den vergangenen drei Jahrzehnten. Problematisch dabei: "Von Canos Schrift gibt es weder eine Edition, die textkritischen Ansprüchen genügt, noch eine deutsche Übersetzung", bemängeln die Würzburger Theologen. Letzteres sei gerade für eine sachgerechte Bewertung der Cano-Rezeption und die Weiterführung seines Ansatzes die unabdingbare Voraussetzung. Diesen Mangel wollen die Wissenschaftler beheben. Ihr Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Elmar Klinger, T (0931) 31-2524, E-Mail:
elmar.klinger@mail.uni-wuerzburg.de

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