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Bürgergutachten fordert: Anwendungsverbot von Hirn-Scans für Polizei, Gerichte und Sicherheitsdienste

24.01.2006 - (idw) Stiftung Deutsches Hygiene-Museum

Die Teilnehmer der ersten Europäischen Bürgerkonferenz "Meeting of Minds" legen Ergebnisse ihrer Beratungen vor Mit der Ergebnispräsentation im Europäischen Parlament am Vormittag des 23. Januar 2006 endete die erste Europäische Bürgerkonferenz zur Hirnforschung. Zum ersten Mal ist mit diesem Vorhaben auf europäischer Ebene die Teilnahme von Bürgern zu Fragen der wissenschaftlichen Entwicklung durchgeführt worden.
Im Vorfeld hatten sich die 126 zufällig ausgewählten Teilnehmer während eines europäischen Treffens im Juni und an drei Wochenenden auf nationaler Ebene umfassend in das Thema Hirnforschung eingearbeitet und ihre gewonnenen Erkenntnisse in einem nationalen Zwischenbericht zusammengefasst. Diese Berichte aus allen beteiligten Ländern bildeten die Grundlage für die Arbeit während des abschließenden Treffens vom 20. bis 23. Januar 2006 in Brüssel, bei dem die Bürgerinnen und Bürger einen europäischen Gesamtbericht erarbeiteten und die Ergebnisse Politikern, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit vorstellten.
"Bildgebende Verfahren, die die Wirkungsweise des Gehirns sichtbar machen und Rückschlüsse auf zukünftige Störungen wie Delinquenz zulassen, entwickeln sich so schnell, dass sie demnächst eine ernsthafte Bedrohung für die Privatsphäre darstellen könnten" - so der gesamteuropäische Bürgerbericht, der im Europäischen Parlament präsentiert wurde. "Derartige Techniken müssen streng kontrolliert und auf einigen Gebieten verboten werden."
Diese ist eine der 36 Empfehlungen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Hirnforschung, die im Rahmen der gemeinsamen Debatte erarbeitet wurden. Der europäische Bürgerbericht greift viele dringliche Fragen auf, die sich für die immer bedeutender werdende Hirnforschung ergeben. Angefangen bei der Notwendigkeit von mehr ethischer Kontrolle der Forschung bis hin zur Verfügbarkeit von Medikamenten zur Behandlung von Verhaltensweisen, die zuvor als normal angesehen wurden.
Die raschen Entwicklungen innerhalb der Hirnforschung besitzen durchaus das Potential, die Natur des Individuums und der Gesellschaft zu verändern. Die Hirnforschung fordert uns in jeder Beziehung - von der Frage, was es bedeutet, "normal" zu sein bis hin zu der Überlegung, ob Medikamente unseren Kindern helfen können, bessere Ergebnisse in der Schule zu erzielen. Die Öffentlichkeit muss in die Diskussion dieser Fragen auf nationaler und europäischer Ebene einbezogen werden.

Der Bericht hebt den Einfluss hervor, den der Lebensstil auf die Entwicklung des Gehirns ausübt. Diese Erkenntnisse müssen bei der Erziehung und Förderung von Neugeborenen, bei der Verbesserung von Unterrichtsmethoden an Schulen und bei der Prävention von Gehirnerkrankungen angewendet werden. Die Regierungen werden in dem Bericht dazu aufgerufen, Bildung und Erziehung in diesen Fragen zu stärken.
Der Bericht soll einen Beitrag dazu leisten, die europäische Wissenschafts- und Gesundheitspolitik mitzugestalten. Die Empfehlungen können bei der Formulierung des 7. Forschungsrahmen-programms der Europäischen Kommission berücksichtigt werden. Gleichzeitig könnte er für das "Green Paper on Mental Health" der EU herangezogen werden und Einzug in die nationalen Debatten halten.
"Meeting of Minds ist eine wichtige Errungenschaft und bringt uns zu der Einsicht, dass Bürgerpartizipation nicht nur möglich, sondern auch hochgradig wünschenswert ist," sagte Janez Potocnik, EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung. "Ich bin überzeugt, dass dies zu einer solideren europäischen Politik beitragen wird."

Inhalt des Berichtes:
- Die ethische Kontrolle der Forschung
- Maßnahmen, um sicher zu stellen, dass die wachsende Anzahl von Personen, die von einer Hirnerkrankung betroffen sind, adäquat versorgt wird
- Die Notwendigkeit für mehr Information und Bildung zum Thema Gehirn
- Die Notwendigkeit von mehr finanzieller Unterstützung der Hirnforschung

Beteiligete Länder
Bürgerinnen und Bürger aus Dänemark, Ungarn, Italien, Griechenland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Großbritannien nahmen an Meeting of Minds teil.


Koordiniert wurde "Meeting of Minds" durch die King-Baudouin-Foundation / Belgien, beteiligt am Projekt waren insgesamt 12 europäische Organisationen. Von deutscher Seite hat das Deutsche Hygiene-Museum Dresden die nationale Koordination übernommen und war zudem maßgeblich an der Entwicklung der Methodik beteiligt.
Weitere Informationen: http://www.meetingmindseurope.org - Bericht in englischer Sprache http://www.buergerkonferenz.de - Bericht in deutscher Sprache (in Kürze)
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