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Ideen werden Wirklichkeit - 50 Jahre Fraunhofer IITB

02.02.2006 - (idw) Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung IITB

Im Jahr der Informatik und der Fußball WM gibt es noch weitere Anlässe für eine Feier:
Das Fraunhofer Institut für Informations- und Datenverarbeitung IITB in Karlsruhe blickt auf sein 50-jähriges Bestehen. Der Termin für die "Geburtstagsfeier" steht schon fest: Am 06. Oktober 2006 wird das Institut zu einem wissenschaftlichen und festlichen Kolloquium seine sonst streng bewachten Pforten öffnen und zum Besuch einladen. Das Institut zählt derzeit etwa 280 Mitarbeiter und ist innerhalb der Fraunhofer Gesellschaft, die insgesamt 58 Instituten in ganz Deutschland betreibt, ein Schwerpunktinstitut für die Entwicklung von Bildverarbeitungssystemen, Regelungstechnik und Informationsmanagement.

Angefangen hatte alles im Jahr 1956 mit der Gründung des Instituts für Schwingungsforschung in Tübingen mit der Zielsetzung, die angewandte Forschung der mechanischen und elektrischen Schwingungen voranzutreiben und die Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Von diesen Erkenntnissen sollte insbesondere die mittelständische Industrie durch Kooperation mit dem Institut profitieren.
Zum 1.1.1967 erfolgten die Eingliederung des Instituts in die Fraunhofer-Gesellschaft und gut ein Jahr später der Umzug mit inzwischen 45 Mitarbeitern nach Karlsruhe. Da die Arbeitsgebiete des Instituts sich den Marktanforderungen anpassten, wurde dies mit einer Namensänderung in Institut für Informationsverarbeitung in Technik und Biologie (IITB) bekundet. Ein Arbeitsgebiet in dieser Zeit war die Erforschung der Sensorik und der Seheigenschaften von Insekten und Reptilien. Das damalige Labor erinnerte an eine Zoohandlung, voll mit verschiedensten Aquarien und Terrarien in denen Fliegen, Elektrofische, Kakerlaken und sogar Schlangen auf ihre Sehmechanismen untersucht wurden. So kam das Labor auch zu seinem Namen "Wilhelma".
Bereits in dieser Zeit wurden erste Versuche mit Robotern in der Produktion unternommen, die mit Hilfe von Kameras Fähigkeiten der Mustererkennung, (also einem primitiven Sehvermögen) erhalten sollten. Die damals aber für Videoverarbeitung noch unzureichende Rechnerleistung brachte die Wissenschaftler an die Grenzen des damals technisch Machbaren. Das Thema "Maschinensehen" bietet aber ein so breites Forschungsspektrum, dass das Institut bis heute daran weiter arbeitet.
Aus den hier gewonnenen Kompetenzen und Erfahrungen verlagerte sich in Folge die inhaltliche Ausrichtung auf den Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik in industriellen Anwendungen. Schwerpunktkompetenzen sind hierbei Messtechnik, stochastische Signale und Systeme, automatische Mustererkennung und Bildverarbeitung, Prozessdatenverarbeitung und Mensch-Maschine-Systeme.

Dabei stehen im IITB bis heute immer der Mensch und die Möglichkeiten seiner Unterstützung durch den Computer oder die Maschine im Vordergrund; z. B. in Produktionsprozessen, die so schnell ablaufen, dass das menschliche Auge nicht in der Lage ist zu folgen, wie beispielsweise in der automatisierten Sortierung von Schüttgütern (Kräutertee, Mineralien, Altglas oder farbige Granulate).
Auch ist der Computer überlegen im Speichern großer Datenmengen, die in Datenbanken strukturiert abgelegt werden. Diese Fähigkeiten nutzt das IITB z. B auf dem Gebiet der Umweltdatenerfassung und -speicherung, wo eine riesige Anzahl unterschiedlicher Daten aus verschiedenen Messreihen und Quellen länderübergreifend verwaltet und dem Menschen komfortabel zur Verfügung gestellt werden müssen. Das Informations- und Wissensmanagement ist ein weiteres wichtiges Standbein des Instituts.

Der Globalisierung des Wirtschaftsgeschehens hat das IITB durch internationale Kooperationen Rechnung getragen. Neben der EU ist langfristig der ostasiatische Wirtschaftsraum interessant. So war es nahe liegend, ein Kontaktbüro in Peking zu eröffnen, das 1996 seine Arbeit aufgenommen hat. Ziel dieses Engagements ist es, Erfahrungen im Umgang mit der chinesischen Industrie zu gewinnen und Projekte in China gemeinsam mit deutschen Firmen abzuwickeln.
Als Beispiel sei hier das aktuelle Projekt "Wasserversorgung für die Megastadt Peking" genannt, in dem es darum geht, ein Ressourcenmanagement-System zu entwickeln, das die rasant wachsende 14 Mio. Einwohnerstadt auch in den Trockenperioden nachhaltig und skalierbar mit dem wertvollen Gut Wasser versorgt.

Seit dem Jahr 2004 steht Prof. Dr.-Ing. Jürgen Beyerer an der Spitze des Instituts, der auch gleichzeitig Inhaber des neu eingerichteten Lehrstuhls für "Interaktive Echtzeitsysteme" an der Universität Karlsruhe (TH) ist. Der hierdurch noch engere Kontakt zur Hochschule schafft für beiden Seiten zusätzliche Synergieeffekte, die auch den Standort Karlsruhe als herausragende Technologieregion in Europa stärken. Ein Kooperationsvertrag mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft knüpft ein weiteres Band zu den Talentschmieden.

"Als wichtige Forschungsthemen für die Zukunft sehen wir z. B. die Entwicklung neuer Sicherheitssysteme, die den neuartigen Bedrohungen durch weltweit agierenden Terrorismus gerecht werden" so Jürgen Beyerer. "Nur wer schneller und besser über die Lage informiert ist, kann die Vorteile einer gezielten Einsatzplanung nutzen. Unsere Kompetenz im Bereich der Video- Luft- und Satellitenbildauswertung bietet hier vielfältige Ansatzmöglichkeiten. Dasselbe gilt für den Bereich des Katastrophen-Managements und das Umweltmonitoring. Das Jahr 2005 hat uns deutlich gezeigt, dass wir auch im 3. Jahrtausend noch lange nicht Herr über die Naturgewalten sind - im Gegenteil." Hier hat das IITB bereits Prototypen zur Lage-Beurteilung und Einsatzplanung erfolgreich entwickelt, die derzeit im Einsatz getestet werden.

Der wirtschaftliche Druck durch Länder mit niedrigem Lohnniveau zwingt unser Land, sich wieder auf seine "alten Werte" zu besinnen: Wir können sicherlich nicht unser Lohnniveau den aufstrebenden asiatischen Staaten anpassen, aber wir können unser Know-how nutzen, um bessere Qualität und erstklassige Innovationen zu garantieren. Auch für diesen Bereich hat das IITB einiges zu bieten und sieht hier großes Potenzial.

Die Struktur heutiger Unternehmen hat einen sehr hohen Bedarf an Kommunikations- und Informationstechnik, da die Niederlassungen oft weltweit verteilt sind und nur durch bis ins letzte Detail ausgeklügelte Vernetzung und Logistik ihre Leistungs- und Qualitätsstandards halten können.

Ansprechpartnerin:
Dipl.-Ing. Sibylle Wirth
PR-Referentin
Fraunhofer IITB
presse@iitb.fraunhofer.de
Weitere Informationen: http://www.iitb.fraunhofer.de
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