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Sonderweg Europäische Religionsgeschichte

13.02.2006 - (idw) Universität Erfurt

Vom 16. bis 19. Februar 2006 kommen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen (Geschichtswissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft, Religionswissenschaft) am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt zusammen, um sich mit der Europäischen Religionsgeschichte zu befassen. Die von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderte Tagung wird am 16. Februar um 14 Uhr im Hörsaal des Kollegs am Hügel 1 vom Präsidenten der Universität Erfurt Wolfgang Bergsdorf eröffnet. Interessenten sind herzlich willkommen. Für die Besonderheit der Religionen in Europa verglichen mit den USA hat Grace Davie die Formel geprägt: "believing without belonging". Aktive Mitgliedschaft in Religionsgemeinschaften hat in den USA stetig zugenommen, während sie in Europa der Tendenz nach abnimmt. Doch gilt das nicht für die Glaubensanschauungen. Dramatische Entkirchlichung einerseits, hohe Verbreitung von religiösen Glaubensanschauungen andererseits: das macht den Sonderfall Europa aus. Angesichts dieses Befundes bedarf es eines konzeptionellen Neuansatzes, um die Geschichte der Religionen in Europa angemessen zu erfassen. Dazu werden Gegenstandsbereich und Konzepte Europäischer Religionsgeschichte erörtert und die Konzepte Säkularisierung, Entkirchlichung und Entchristlichung auf ihre Tragfähigkeit geprüft. Nicht nur die individuellen Glaubensanschauungen zeigen eine Fortdauer von Religionen an. Zu dem Neuansatz der Tagung gehört auch, die vielen Orte, an denen Religionen in der europäischen Kultur präsent sind, gesondert zu inspizieren. Historiker, Philosophen, Juristen haben in ihren Disziplinen Religionen auf jeweils andere Weise begrifflich zum Gegenstand gemacht und damit eigene Religionsdiskurse begründet. Individuelle Lebensführung und politisches Handeln sind im Einzugsgebiet von Religionen geblieben. Bereits bestehende Sozialformen und Auffassungen von der menschlichen Seele haben den Religionen eine europäische Gestalt verliehen. Diese kaum realisierte europäische Prägnierung wird erst bei der Zuwanderung neuer Religionen klar erkennbar. Neben dem Medium Text soll auch das des Bildes einbezogen werden. In Europa haben Religionen eine tiefe Spur in der Ästhetik hinterlassen.
Auf diesen Wegen soll während der Tagung ein Konzept entstehen, das die europäischen Entwicklungen rund um Religion differenzierter erfasst als das bisher geschah. "Die Tagungsbeiträge sollen Erkenntnisse zusammentragen, die über die Behauptung eines vollständig säkularisierten Europas hinausführen und die das Konzept einer "Europäischen Religionsgeschichte" (B. Gladigow) verfeinern", so die Tagungsleiter Prof. Dr. Hans G. Kippenberg vom Max-Weber-Kolleg und Prof. Dr. Professor Dr. Jörg Rüpke, Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt.

Voranmeldung erwünscht Telefon: 0361-7372633 bzw. E-Mail: ursula.birtel-koltes@uni-erfurt.de
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/maxwe/
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