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Symposium 25 Jahre Schmerzambulanz am Klinikum der Universität München

14.02.2006 - (idw) Klinikum der Universität München

Schmerz - Vom Symptom zum Konzept - Der lange Weg

1980 wurde durch den Direktor der Klinik für Anaesthesiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Schmerzambulanz gegründet. Sie entstand als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland nach dem Vorbild der Schmerzklinik von John J. Bonica an der University of Washington in Seattle, USA. 1990 folgte die Gründung der Interdisziplinären Schmerzambulanz gemeinsam mit der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der LMU. Eine enge Kooperation mit der Klinik für Neurologie besteht seit 2003. In dieser Zeitspanne von 25 Jahren vollzogen sich wesentliche Entwicklungen der modernen Schmerzmedizin, die sich in der Tätigkeit der Ambulanz niederschlugen. Begonnen hatte diese Entwicklung in den 60er Jahren in den USA mit den Pionierarbeiten des Anästhesisten John Bonica und der Physiologen Ron Melzack und Patrick Wall. Ihnen gelang es, die Diagnose und Therapie von chronischen Schmerzen in das Zentrum wissenschaftlichen und klinischen Bemühens zu rücken. Schmerz als eigene Krankheit gab es damals nicht. Der Schmerz galt vordergründig als Krankheitssymptom und wurde in der Vorstellung der Mediziner durch die Therapie der Grundkrankheit erledigt. Dass dies durchaus nicht der Fall ist, bezeugen die Zahlen, die einer jüngsten europäischen Erhebung aus dem Jahr 2004 entstammen.
Eine europäische Schmerzstudie, für die 46 394 Telefoninterviews in 16 europäischen Ländern durchgeführt wurden, ergab, dass jeder fünfte Europäer, bzw. jeder dritte deutsche Erwachsene am Tag der Befragung unter Schmerzen litt. Deutschland liegt mit 17 % Schmerzkranker in der Gesamtbevölkerung im europäischen Mittelfeld, die wenigsten Schmerzkranken leben mit 11% in Spanien, die meisten mit 27% in Polen. Frauen sind häufiger von chronischen Schmerzen betroffen als Männer.
Während der akute Schmerz, der bei Verletzung/Schädigung von Gewebe auftritt, eine Warn-und Schutzfunktion ausübt, ist der chronische Schmerz physiologisch ohne Sinn. Schmerzen, die über den normalen Heilungsprozess hinaus anhalten, sind daher eine eigene Krankheit.
Die Folgen chronischer Schmerzen sind für die Patienten gravierend. Sie wirken sich auf das gesamte Leben der Patienten aus. Dreiviertel der Betroffenen klagen über Bewegungseinschränkungen, jeder fünfte chronische Schmerzpatient verliert seinen Arbeitsplatz, 64% haben Schlafstörungen, sie geraten in soziale Isolierung, 20% entwickeln Depressionen. Die Folgen für die sozialen Sicherungssysteme sind gleichermaßen gravierend. Schmerzerkrankungen verursachen der Volkswirtschaft jährliche Kosten in Höhe von 20-28 Milliarden Euro, größtenteils verursacht durch Arbeitsunfähigkeit und Berentungen. Rückenschmerzen und Kopfschmerzen sind die Spitzenreiter der häufigsten Schmerzsyndrome, gefolgt von Nervenschmerz und Tumorschmerz. Im Endstadium leiden je nach Krebsleiden 55 - 90% der Erkrankten unter starken Schmerzen.
Die erste Therapievereinbarung zwischen einigen Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung zur Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten markierte 1997 einen Meilenstein in der deutschen Schmerzmedizin.
In der Präambel war definiert : "Chronisch schmerzkrank sind Patienten, bei denen der Schmerz seine Leit- und Warnfunktion verloren und selbständigen Krankheitswert erlangt hat. Das gilt auch für Patienten, bei denen im Rahmen eines inkurablen Grundleidens der Schmerz zum beherrschenden Symptom geworden ist." Damit wurde vom deutschen Gesundheitssystem chronischer Schmerz als Krankheit mit eigenständigen Therapiekonzepten und einer speziellen ärztlichen Zusatzweiterbildung anerkannt. Dieser Durchbruch war dem Bemühen vieler Gründerpersönlichkeiten in Deutschland zu verdanken, sowohl im wissenschaftlichen als auch im klinischen Bereich. Sie haben die Schmerzmedizin etabliert durch Forschung und klinische Anwendung und die modernen Konzepte der Behandlung entwickelt.


Auf dem Symposium "25 Jahre Schmerzambulanz am Klinikum der LMU" wird diese Entwicklung des Schmerzverständnisses vom Symptom zum Konzept des bio-psycho-sozialen Schmerzmodells nachgezeichnet. Die Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft und der Klinik haben das komplexe Zusammenwirken der Komponenten bei akuten und chronischen Schmerzen leichter durchschaubar gemacht und therapeutische Wege aufgezeigt, die schmerzkranken Patienten in vielen Fällen zu helfen vermögen.

Weitere Informationen erhalten Sie durch Dr. Antje Beyer, Telefon 089-7095-4464 oder Email: Antje.Beyer@med.uni-muenchen.de

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