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Zwischen Kostümierung und Maskerade

15.02.2006 - (idw) VolkswagenStiftung

Uniformierungen in Bewegung: Abschlusstagung vom 2. bis 4. März 2006 in Berlin zu einem von der VolkswagenStiftung geförderten Vorhaben Was heißt "Uniformität"? Ist Uniformität schön - oder bedeutet sie einen Verlust an Individualität? Diese und viele andere Fragen rund um das Thema diskutieren Wissenschaftler vom 2. bis 4. März 2006 bei dem international besetzten Symposium "Uniformierungen in Bewegung: Vestimentäre Praktiken zwischen Vereinheitlichung, Kostümierung und Maskerade". Im Mittelpunkt der Tagung im Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, stehen Tendenzen, Phänomene und Strategien aktueller Uniformierungsprozesse vornehmlich in institutionellen Kontexten wie Kirche und Wirtschaft, aber auch mit Blick auf Modekonsum und Kunst.

Im Zentrum der Diskussion soll dabei vor allem die inszenatorische Wirkung von Uniformierung stehen, durch die die Uniformierung immer wieder Züge von Maskerade und Kostümierung annimmt. Rund zwanzig Beiträge von Teilnehmern aus aller Welt bieten ein breites Spektrum entsprechender Themen. Es reicht von "Corporate Fashion" und der "Inszenierung von Weiblichkeit in der visuellen Unternehmenskultur (am Beispiel von Messehostessen)" über "Die Kleiderfrage im Kloster" und "Oranjehemden: Fußballtrikots und Repräsentation" hin zu "Konsum- und Inszenierungspraktiken in der Sixties-Szene" und "Männlichkeits-Maskeraden ? in der (schwulen) Subkultur". Interessante Einblicke versprechen auch Vorträge zum "Erscheinungsbild in der Politik zwischen Vereinheitlichung und Maskerade" und zu Uniformierungen in länger zurückliegenden Epochen.

Wir laden interessierte Journalistinnen und Journalisten herzlich zu der Veranstaltung ein. Sie findet statt im Großen Vortragssaal der Museen Dahlem (Lansstraße 8, 14195 Berlin) und beginnt am Donnerstag, dem 2. März, um 16.30 Uhr mit Grußworten der Organisatoren. Ausgerichtet wird die Tagung von Professorin Dr. Gabriele Mentges vom Institut für Kunst und Materielle Kultur der Universität Dortmund und Professorin Dr. Birgit Richard vom Institut für Kunstpädagogik und Medienwissenschaften der Universität Frankfurt am Main sowie Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow vom Museum Europäischer Kulturen.

Themen und Referenten der Veranstaltung entnehmen Sie bitte dem Tagungsprogramm, zu finden als pdf unter http://web.uni-frankfurt.de/uniform/. Interviews mit den teilnehmenden Wissenschaftlern vermitteln die Organisatoren des Symposiums gern. Bitte wenden Sie sich bei entsprechenden Wünschen - möglichst im Vorfeld - an die unten angegeben Kontaktadressen.

Eingebettet in die Veranstaltung ist eine öffentliche Modenschau der Schweizer Künstlerin Pia Fischer am Freitag, den 3. März um 20.00 Uhr. Pia Fischer gehört seit mehr als zehn Jahren zu den Impuls gebenden Textilkünstlerinnen in Berlin.

Hintergrund:
Die VolkswagenStiftung fördert die Tagung im Rahmen des Forschungsvorhabens "'Uniform in Bewegung'. Zum Prozess der Uniformität von Körper und Kleidung". Zu Grunde liegt die These, dass sich "Uniformität" aus den traditionellen und im Umbruch befindlichen Institutionen Militär, Kirche, Staat "hinausbewegt" in Richtung Jugendkulturen, Firmen und Medien. Dabei ist Gegenläufiges zu beobachten: In den konventionellen Räumen - etwa dem Militär - zeichnet sich ein Trend zu mehr Individualität ab. Geht hier die Bewegung zu mehr Stilvielfalt an Stelle von Uniformität, so ist Gegensätzliches gerade im Kontext jugendlicher Stilbildung zu beobachten. Obwohl primär ausgerichtet auf individuelles Differenzstreben und auf Abgrenzung vom uniformen Mainstream, lässt sich dort zugleich das Entstehen "subkultureller Uniformen" und stereotyper Looks feststellen, die die Szenen gegeneinander abgrenzen (helfen). Stil und individuelle Körperinszenierungen übernehmen die Funktion der klassischen Uniform; die Uniformität dieser Stile und Inszenierungsprozesse jedoch markiert Zugehörigkeit und Abgrenzung. Es scheine, so die Forscherinnen, als dringe Uniformität als ein "Ordnungs- und Orientierungsprinzip" zunehmend in den Alltag und in die heutige von Informationstechnologien bestimmte Lebenswelt ein. Um dieser Vermutung differenzierter nachzugehen, hat sich das Wissenschaftlerteam vier Schwerpunkte innerhalb des Projekts gesetzt.

Zum einen interessiert sie der Bereich der "Wirtschaft"; hier wird die wechselseitige Beeinflussung von Uniformität und Unternehmenskultur beziehungsweise corporate fashion untersucht. Innerhalb des zweiten Themas "Religion" geht es um die Frage, ob, wie und wann in weiblichen Ordensgemeinschaften die Tracht oder aber "zivile" Alltagskleidung getragen wird. Unter den Schlagwörtern "Konsum und Jugendkultur" - das dritte Teilprojekt - erforscht das Team die Inszenierungspraktiken in Jugendszenen; es geht dort um Kleidungsstrategien und ästhetische Körperkulte bestimmter Zeiträume. Abschließend stehen "Kunst und Medien" auf dem Prüfstand: der "uniformierte Künstler" ist es hier, der die Forscherinnen interessiert. Die Klammer zwischen allem bildet der Körper: als Objekt und als bildliche Repräsentation in Medien wie Kunst, Film und Internet.

Die VolkswagenStiftung hat das über dreieinhalb Jahre laufende Vorhaben als "Schlüsselthema der Geisteswissenschaften" mit 550.000 Euro gefördert. Erste Ergebnisse ihrer Arbeiten haben Gabriele Mentges und Birgit Richard bereits in ihrem Buch "Schönheit der Uniformität" veröffentlicht.

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Kontakt
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 05 11/83 81 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt Tagung
Universität Dortmund
Institut für Kunst und Materielle Kultur
Professorin Dr. Gabriele Mentges
Telefon: 02 31/755 - 29 06
E-Mail: gabriele.mentges@uni-dortmund.de

Universität Frankfurt am Main
Institut für Kunstpädagogik
Professorin Dr. Birgit Richard
Telefon: 069/798 - 2 33 58
E-Mail: PROFRICHAR@aol.com


Museum Europäischer Kulturen
Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow
Telefon: 030/8 39 01 - 284
E-Mail: d.neuland@smb.spk-berlin.de

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Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse06/15022006.pdf
Weitere Informationen: http://web.uni-frankfurt.de/uniform/ - Programm und Projekt
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