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Fatale Signale aus dem Bauchspeck: Fortbildung zum Metabolischen Syndrom im RUB-Klinikum

16.02.2006 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Fettgewebe ist nicht nur Energiespeicher, sondern wirkt als Organ, das verschiedene Botenstoffe produziert: Gerade der Bauchspeck sendet dabei mitunter fatale Signale aus, die die Medizin gerade erst in ihrer ganzen Tragweite erkennt. So setzt das Fettgewebe in der Bauchhöhle unter anderem Immunbotenstoffe frei, die eine Art chronische Entzündung hervorrufen und so die Entstehung von Arteriosklerose fördern. Außerdem setzt es die Wirkung des Insulins herab, was die Entstehung von Diabetes begünstigt. Über diese Zusammenhänge und neue Strategien gegen die als Metabolisches Syndrom bezeichnete Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes können sich Ärzte bei der Tagung "Metabolisches Syndrom - mehr als nur Adipositas" am 22. Februar 2006 (ab 16 Uhr, Hörsaal I) im RUB-Klinikum Bergmannsheil informieren. Experten stellen u.a. neue Daten zum bislang wenig beachteten Zusammenhang mit schlafbezogenen Atmungsstörungen und der nichtalkoholischen Fettleber vor. Veranstalter sind das Zentrum für Innere Medizin des Bergmannsheil und die Ärztekammer Westfalen-Lippe. Bochum, 16.02.2006
Nr. 57

Fatale Signale aus dem Bauchspeck: Fettgewebe produziert Botenstoffe
Fortbildung im RUB-Klinikum Bergmannsheil
Neue Strategien gegen das Metabolische Syndrom

Fettgewebe ist nicht nur Energiespeicher, sondern wirkt als Organ, das verschiedene Botenstoffe produziert: Gerade der Bauchspeck sendet dabei mitunter fatale Signale aus, die die Medizin gerade erst in ihrer ganzen Tragweite erkennt. So setzt das Fettgewebe in der Bauchhöhle unter anderem Immunbotenstoffe frei, die eine Art chronische Entzündung hervorrufen und so die Entstehung von Arteriosklerose fördern. Außerdem setzt es die Wirkung des Insulins herab, was die Entstehung von Diabetes begünstigt. Über diese Zusammenhänge und neue Strategien gegen die als Metabolisches Syndrom bezeichnete Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes können sich Ärzte bei der Tagung "Metabolisches Syndrom - mehr als nur Adipositas" am 22. Februar 2006 (ab 16 Uhr, Hörsaal I) im RUB-Klinikum Bergmannsheil informieren. Experten stellen u.a. neue Daten zum bislang wenig beachteten Zusammenhang mit schlafbezogenen Atmungsstörungen und der nichtalkoholischen Fettleber vor. Veranstalter sind das Zentrum für Innere Medizin des Bergmannsheil und die Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Fettgewebe wirkt als eigenes Organ auf den ganzen Körper

20 bis 30 Prozent der Deutschen sind vom "Wohlstandssyndrom" betroffen - eine Zeitbombe: "Zwar ist bekannt, dass Fettleibigkeit Bluthochdruck, Blutzucker- und Fettstoffwechselstörungen begünstigt; aber erst in letzter Zeit erkennen wir die Mechanismen und die Tatsache, dass vor allem das Fettgewebe in der Bauchhöhle ein hohes Risiko ist", erklärt Prof. Dr. Harald Klein, Direktor der Medizinischen Klinik I des Bergmannsheil. Zu den neuen Erkenntnissen gehört, dass Signale aus dem Fettgewebe sich auch auf Gehirn, Muskeln und Gefäße auswirken. Besonders vom Bauchspeck (sog. viszerales Fett) werden vermehrt Botenstoffe gebildet, die auch bei Entzündungen eine Rolle spielen, z.B. TNFalpha und Interleukin 6. Man geht davon aus, dass diese chronische Entzündungsreaktion die Entstehung der Arteriosklerose begünstigt und über eine Reduktion der Wirksamkeit des Insulins das Diabetesrisiko steigert. Erschwerend kommt hinzu, dass bei vermehrtem Fettgewebe in der Bauchhöhle die Konzentration eines anderen, vor allem im übrigen Fettgewebe gebildeten Botenstoffs abnimmt: Adiponektin. "Adiponektin ist in den Blutgefäßen entzündungshemmend und steigert die Insulinwirkung, so dass es möglicherweise auch therapeutische Bedeutung erlangen wird", so Prof. Klein. Schließlich werden im viszeralen Fettgewebe auch Substanzen gebildet, die das Gerinnungssystem und den Blutdruck beeinflussen können.

Viele Aspekte: Schlafprobleme, Fettleber, Blutfettwerte

Auch ein anderer wissenschaftlicher Aspekt ist für die Forscher hochinteressant: Auf der Suche nach dem Altersgen ist man darauf gestoßen, dass zumindest bei Würmern der Rezeptor für Insulin eine große Rolle spielt. Wenn er oder nachgeschaltete Mechanismen nicht funktionieren, werden die Tiere älter. "Das passt gut zu Ergebnissen anderen Studien, die zeigen, dass Nahrungsrestriktion eine der wenigen Möglichkeiten ist, das Leben zu verlängern", so Prof. Klein. Auch unabhängig von den erhöhten Erkrankungsrisiken durch das Metabolische Syndrom könnte somit das vermehrte Fettgewebe in der Bauchhöhle ein lebensverkürzender Faktor sein. Bei der Tagung informieren Experten verschiedener Fachrichtungen über die vielfältigen Aspekte des Metabolischen Syndroms und stellen Behandlungsansätze vor. Vorträge behandeln zum Beispiel den Zusammenhang zwischen metabolischem Syndrom und Schlafstörungen, die Fettlebererkrankung und die richtige Einstellung der Blutfettwerte.

Weitere Informationen

Dr. Marianne Ehren, Medizinische Klinik I, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-0, E-Mail: marianne.ehren@bergmannsheil.de

Programm

16:00 Uhr Begrüßung und Einführung - Prof. Dr. G. Schultze-Werninghaus, Medizinische Klinik III, BG Kliniken Bergmannsheil
16:05 Uhr Das metabolische Syndrom - eine Systemerkrankung - Prof. Dr. H. H. Klein, Medizinische Klinik I, BG-Kliniken Bergmannsheil
16:35 Uhr Das metabolische Syndrom und die Nacht - PD Dr. H. W. Duchna, Medizinische Klinik III, BG-Kliniken Bergmannsheil

17:30 Uhr Fettleber - nur Fett oder "silent killer" - Jun.-Prof. Dr. M. Reiser, Medizinische Klinik I, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, BG-Kliniken Bergmannsheil
18.00 Uhr Modernes Lipidmanagement - Bedeutung der Risikoscores beim metabolischen Syndrom - Prof. Dr. A. Steinmetz, Klinik für Innere Medizin, St. Nikolaus, Stiftshospital GmbH, Andernach
18:30 Uhr Abschlussdiskussion
ca. 18.45 Uhr Schlusswort - Prof. Dr. H. H. Klein, Medizinische Klinik I der BG-Kliniken Bergmannsheil

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