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Bodenverdichtung bringt Regenwürmer unter Druck

09.03.2006 - (idw) Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL)

Regenwürmer vergrößern durch intensive Bodenlockerung die Wasser- und Luftdurchlässigkeit des Bodens und leisten so einen wesentlichen Beitrag zur Fruchtbarkeit von Ackerböden. Was aber passiert, wenn in Folge landwirtschaftlicher Bewirtschaftung der Boden verdichtet ist? Forscher der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig haben den Einfluss von mechanischer Bodenbearbeitung auf das Grabeverhalten der Regenwürmer untersucht.

Etwa drei Viertel der im Ackerboden vorkommenden Regenwurmarten leben im Mineralboden. Sie haben ein netzartig verzweigtes Gangsystem und ernähren sich von feiner organischer Substanz im Boden. Experten nennen diese Lebensweise endogäisch (z. B. Aporrectodea caliginosa). Anektisch lebende Arten wie Lumbricus terrestris stellen ein Viertel der Population. Sie pendeln zwischen Mineralboden und Bodenoberfläche, graben vertikal orientierte Gänge und ernähren sich vom Bestandsabfall der Bodenoberfläche.

Wird der Boden durch mechanische Belastung verdichtet, kommt es zu Populationseinbrüchen von bis zu 70 %, das Artenspektrum ändert sich dabei jedoch nicht wesentlich. Die horizontalen Gänge der endogäischen Arten können relativ leicht zusammengedrückt werden, während die vertikalen Gänge der anektischen Regenwürmer bei Auflast meist nur verkürzt und von Scherkräften verformt werden. Wenn Teile eines Gangsystems durch beide Kräfte belastet werden, wird seine Kontinuität unterbrochen und sein Volumen verringert.

Die Kontinuität der Regenwurmgänge ist ein Parameter, der ihre ökologische Wirksamkeit hinsichtlich der Wasser-, Stoff- und Gastransporte im Boden beschreibt. Messergebnisse der Forscher um Dr. Stefan Schrader vom FAL-Institut für Agrarökologie zeigen, dass nach hoher Belastung unter konventioneller Bodenbearbeitung lediglich 43 % der Gänge von L. terrestris kontinuierlich waren. Unter konservierender Bodenbearbeitung betrug die Kontinuität 65 %.

Regenwürmer sind von allen Bodentieren am ehesten in der Lage, verdichteten Boden wieder zu lockern. Ihre Grabtechnik ist ein Zusammenspiel von Wegdrücken und Fressen des Bodenmaterials. Steigt der Raumwiderstand durch mechanische Belastung, gehen Regenwürmer dazu über, weniger Boden wegzudrücken und stattdessen mehr Boden zu fressen. "Doch auch mit dem Hindurchfressen ist bei steigendem Raumwiderstand irgendwann Schluss", so Schrader.

Die Schädigung des Bodengefüges und damit die Beeinträchtigung der Bodenfunktionen fielen bei konservierender Bodenbearbeitung deutlich geringer aus. Bodenbiologe Schrader: "Bei konservierender Bodenbearbeitung ist der Boden tragfähiger und somit besser gegen Verdichtungen geschützt. So werden beim Befahren des Bodens nicht nur weniger Regenwürmer zerquetscht, auch das Bodengefüge wird weniger geschädigt." Zudem kann sich die Regenwurmpopulation nach ein bis zwei Vegetationsperioden bei geringer mechanischer Belastung selbst regenerieren.

Kontakt: Dr. Stefan Schrader, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Agrarökologie, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, Tel: 0531 596 2514, E-Mail: stefan.schrader@fal.de

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