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Zeit und Raum und das Individuum in der Postmoderne - Meyer-Struckmann-Preis für Caroline Kramer

13.03.2006 - (idw) GESIS - Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen

Zeit ist eine unserer wichtigsten Ressourcen im Alltag. Auch Entscheidungen darüber, was nah oder fern ist, werden zunehmend über die zeitliche und weniger über die räumliche Distanz gefällt. Wie die Ressource 'Zeit' im sozialen und räumlichen, individuellen Kontext verteilt ist, ist Thema von Caroline Kramers wissenschaftlicher Arbeit, für die sie den Meyer-Struckmann-Wissenschaftspreis 2006 bekommen hat. Wie entwickelt sich die Mobilität in einer modernen Gesellschaft? Sind wir wirklich unterwegs zu dem vorhergesagten "rasenden Stillstand", in dem der Raum und dessen Überwindung bedeutungslos wird? Haben wir das "digitale Nirwana", in dem "die geographische Ordnung von der chronographischen Ordnung verdrängt wird?" Diese und noch mehr Fragen beantwortet PD Dr. Caroline Kramer vom Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) in ihrer Habilitationsschrift zum Thema "Zeit für Mobilität: Räumliche Disparitäten in der individuellen Zeitverwendung für Mobilität in Deutschland".

Dafür wurde sie für den mit 15 000 Euro dotierte Dr. Meyer-Struckmann-Wissenschaftspreis 2005 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus am 25.1.2006 ausgewählt. Der Wissenschaftspreis wird für hervorragende wissenschaftliche Leistungen verliehen, die nicht nur durch ihre Bedeutung für die Grundlagenforschung, sondern auch in ihrer Umsetzung in praktische Anwendungen herausragend sind.

Den Fragen nach der ungleich verteilten Zeit wird mit Analysen des alltäglichen Zeitaufwands für Mobilität im wiedervereinten Deutschland nachgegangen. Als theoretisches Konzept liegt eine Erweiterung der klassischen "Time Geography" zugrunde, die die Brücke zu soziokulturellen und psychischen Prozessen schlägt. Eine Grundthese der Arbeit ist, dass Zeit für Mobilität als Ressource nicht nur sozial, sondern auch räumlich ungleich verteilt ist. Es stellt sich somit die Frage, inwieweit der Kontext zusammen mit akteursspezifischen Merkmalen auf Mobilitätszeiten und die Verkehrsmittelwahl einwirkt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einfluss der subjektiven Bewertungen der Mobilitätszeit und der genutzten Verkehrsmittel, wie folgendes Beispiel zeigt: Für den passionierten PKW-Fahrer kann selbst eine lange und anstrengende PKW-Fahrt in der Stoßzeit des Feierabendverkehrs zu einer angenehmen Phase des Rückzugs in die geschützte und private Sphäre des PKWs werden, während andere Befragte die Entspannung in der Fahrt mit der S-Bahn finden. Somit müssen nicht alle "kurzen Wege" positiv und nicht alle "langen Wege" negativ bewertet werden.

Ein wichtiges Fazit aus den Analysen soll nicht vorenthalten werden: "Die Erkenntnis, dass ein Gewinn in der Nutzung der kostbaren Ressource Zeit nicht zwangsläufig durch Einsparung (d.H. weitere Beschleunigung) erfolgen muss, sondern auch durch einen Zuwachs an Qualität (u.U. sogar durch "Entschleunigung"), sollte auch in der Mobilitätsforschung Einzug halten".
Weitere Informationen: http://www.gesis.org/ZUMA/neue%20Buecher/2005/kramer.htm - Buchvorstellung auf den ZUMA-Seiten http://www.dav-buchhandlung.de/?portal=V5 - Franz Steiner Verlag
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