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Theologen fragen nach der Identität Europas

14.03.2006 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Gleich zwei internationale Tagungen veranstaltet der Lehrstuhl für katholische Religionspädagogik im März an der Uni Würzburg. Auf Einladung von Professor Hans-Georg Ziebertz diskutieren hier Theologen und Religionswissenschaftler zum einen über das gemeinsame Europa, zum anderen über die Einstellung der europäischen Jugend zur Religion. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Universitätsbund Würzburg fördern die Tagungen. Von Samstag bis Dienstag, 25. bis 28. März, kommen 20 Wissenschaftler aus 15 europäischen Ländern nach Würzburg, um den Startschuss für das Forschungsvorhaben EPOS ("Europe as a postsecular Society?") zu geben. Bei diesem Projekt soll die "europäische Seele" beleuchtet werden. Dazu Ziebertz: "Durch die neu beigetretenen Länder und Beitrittskandidaten verschärft sich die Frage nach der Identität Europas." Die Gemeinschaft wachse zwar schnell, aber die qualitative Seite scheine damit nicht Schritt zu halten.

Das Projekt EPOS will darum unter einem weltanschaulichen Blickwinkel die Frage nach der Identität stellen: Wo und worin entdecken die Menschen Ressourcen für die Entwicklung eines gemeinsamen Europa? Die Forscher wollen auch erheben, welche Rolle den Religionen - einschließlich des Islam - für die Einheit Europas zugemessen wird. Die beteiligten Wissenschaftler sind Fachleute für verschiedene christliche Konfessionen, den Islam und das Judentum in Europa.

Ziebertz bereitet das Projekt mit seinem Team seit gut einem Jahr vor. "Die Teilnehmer erhalten jetzt von uns einen Forschungsentwurf und sind eingeladen, ihn zu kommentieren und zu kritisieren. Am Ende soll eine Vereinbarung stehen, der zufolge wir das Projekt gemeinsam schultern wollen." Das nächste Ziel sei es dann, bei der Europäischen Union finanzielle Unterstützung für das Projekt zu beantragen.

Noch vor der EPOS-Tagung treffen sich vom 22. bis 25. März zehn christliche, muslimische und jüdische Jugendforscher in Würzburg. Es ist die vierte Arbeitskonferenz dieser Gruppe, die seit 2003 unter der Leitung von Ziebertz an dem internationalen Projekt "Religion and Life Perspectives" arbeitet: Dabei wurden 10.000 Jugendliche in Europa nach ihren Einstellungen befragt.

Der erste Forschungsbericht zu persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Fragen wurde inzwischen veröffentlicht (Ziebertz/Kay: "Youth in Europe", Band 1, Lit-Verlag, Münster). Die Untersuchung zeigte unter anderem einen latenten Pessimismus besonders unter deutschen Jugendlichen, eine deutliche Distanz zu parteipolitischen Institutionen und ein sehr übereinstimmendes Wertekonzept unter Jugendlichen, für die Selbstständigkeit und materielle Sicherheit besonders wichtig sind. Auf der Tagung wird nun der zweite Band vorgestellt, der sich mit religiösen und weltanschaulichen Fragen beschäftigt. "Dieser Band zeigt", so Ziebertz, "wie vielgestaltig Europa in religiöser Hinsicht ist."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz, T (0931) 888-4839, Fax (0931) 888-4840, E-Mail: hg.ziebertz@mail.uni-wuerzburg.de
Weitere Informationen: http://www.uni-wuerzburg.de/religionspaedagogik/
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