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WirtschaftsWoche: Universität Heidelberg in Jura auf Platz 1

17.03.2006 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Das Uniranking des Magazins ist in diesem Jahr noch umfassender als früher: Mehr als 1000 Personalverantwortliche wurden danach gefragt, welche Universitäten und Fachhochschulen bei ihnen besonders hoch im Kurs stehen In dieser Woche legte das Magazin "WirtschaftsWoche" seine neue Rangliste der besten deutschen Hochschulen vor. Heidelbergs Rechtswissenschaften genießen nach der gemeinsam mit der Access AG durchgeführten Untersuchung bei Personalentscheidern den besten Ruf und platzierten sich erneut auf Rang 1.

Das Magazin hebt die Heidelberger Spezialisierungsmöglichkeiten hervor: die stark internationale Jura-Ausbildung mit sieben Schwerpunktfächern, die fremdsprachlichen Lehrgänge französisches oder angloamerikanisches Recht, den Aufbaustudiengang Internationales Recht (LL.M.int.) und die Sommerakademie "Internationale Streitbeilegung". Die durchschnittliche Heidelberger Betreuungsquote von 84:1 Studenten je Professor im Fach Jura ist deutlich günstiger als bei den meisten Siegern in den anderen bewerteten Fächern, zum Beispiel Mannheim mit 135:1 in der Betriebswirtschaftslehre.

Besondere Stärke Heidelbergs: die anwaltsorientierte Juristenausbildung

Besondere Bedeutung kommt aus Sicht der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg dem anwaltlichen Praxisbezug zu. Das seit zehn Jahren bestehende Programm der "anwaltsorientierten Juristenausbildung" trägt der Praxisorientierung des rechtswissenschaftlichen Studiums in Heidelberg Rechnung.

Ziel des von der Hans Soldan Stiftung und dem "Verein zur Förderung der anwaltsorientierten Juristenausbildung an der Universität Heidelberg e.V." ermöglichten Programms an der Universität Heidelberg ist die Integration anwaltlichen Denkens und anwaltlicher Vorgehensweise in den regelmäßigen Lehrbetrieb. Die Studierenden sollen frühzeitig mit der rechtsanwaltlichen Perspektive vertraut gemacht werden. Gleichzeitig soll eine spätere anwaltliche Tätigkeit methodisch vorbereitet werden. Als Pilotprojekt hat es maßgeblich die Reform der Juristenausbildung in Baden-Württemberg beeinflusst.

Das Programm sieht die Einbindung von renommierten und überaus engagierten Praktikern, vor allem Rechtsanwälten, in etwa 20 reguläre Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, Kolloquien) pro Semester vor. Dadurch wird den Studierenden auf breiter Basis die anwaltliche Vorgehensweise, besonders die parteiliche Perspektive sowie die rechtliche Gestaltung vorgestellt.

Teil des Programms ist die Einbeziehung kautelarjuristischer Prüfungsarbeiten in die Fortgeschrittenenübung im Bürgerlichen Recht. Seit dem Wintersemester 1997/1998 werden regelmäßig von Rechtsanwälten entworfene kautelarjuristische Hausarbeiten gestellt. Seit dem Wintersemester 1998/1999 wurde die anwaltliche Beteiligung noch einmal deutlich - auf drei Übungsstunden unter Regie des Anwalts - ausgeweitet. Zudem haben alle Studierenden nach diesem Ansatz zumindest eine kautelarjuristische Klausur und eine Hausarbeit anzufertigen.

Hierauf zugeschnitten haben sich anwaltsorientierte Arbeitsgemeinschaften (Kleingruppen) etabliert. Diese völlig neue Form des Unterrichts schließt zum einen eine Lücke bei der Betreuung der mittleren Semester und gibt den Studierenden zugleich die Möglichkeit, neben materiell-rechtlichen Problemen auch die Methodik der kautelarjuristischen Arbeitsweise einzuüben. Gemeinsam mit den Praktikern werden neue Formen des Unterrichts entwickelt, welche die Praxisorientierung der Ausbildung besser im Blick haben als die schematische Lösung von Fällen nach der gängigen Gutachtentechnik. Von der reinen Fallbesprechung aus Sicht eines bearbeitenden Anwalts bis hin zum simulierten Mandantengespräch oder einer nachgespielten Verhandlungssituation sind hierbei viele Wege denkbar.

Daneben hat sich an der Fakultät der "Moot Court", das heißt die Interessenvertretung in einem Fall vor einer Jury als Wettstreit zwischen mehreren Studierendengruppen, als Veranstaltungstyp eigener Art bewährt. Er animiert die Studierende in besonderer Weise zum eigenständigen und praxisnahen juristischen Arbeiten.

In der Heidelberger Variante treten pro Semester insgesamt acht Teams aus zwei Studenten im "K.o.-Verfahren" gegeneinander an. Die Aufgabenstellungen entstammen bislang dem öffentlichen Recht und dem bürgerlichen Recht (im Verhältnis 1:2), sie werden von den am Programm beteiligten Rechtsanwälten entworfen. Die Entscheidung über das Erreichen der nächsten Runde treffen Jurys, die sich aus Angehörigen der Anwaltschaft und der Fakultät zusammensetzen. Neben dem sicheren Umgang mit rechtlichen Problemen berücksichtigen die Jurys bei ihrer Entscheidung vor allem "anwaltliche" Kompetenzen. Hierzu zählen die Effektivität des Auftretens, die sich nach der objektiven Interessenlage des Mandanten bestimmt, sowie Phantasie und Geschick insbesondere in rechtlich offenen Verhandlungssituationen. Große Unterstützung erfahren die anwaltsorientierten Moot Courts durch die von Rechtsanwalt Prof. Dr. Walter Sigle ins Leben gerufene Walter Sigle Stiftung.

Ferner werden seit dem Wintersemester 2005/2006 besondere Kleingruppen-Veranstaltungen zum Erwerb interdisziplinärer Schlüsselqualifikationen angeboten, die bestqualifizierte Praktiker, vor allem Anwälte, in eigener Verantwortung leiten und ihre Erfahrungen so den Studierenden vermitteln können. Zu den hier erlernbaren Schlüsselqualifikationen gehören "Techniken außergerichtlicher Streitbeilegung im Privatrecht (Verhandlungsführung)", "Anwaltliche Vertragsgestaltung", "Rechtsgestaltung im Familien- und Erbrecht", "außergerichtliche Streitbeilegung", "Strafverteidigung", "Richterliche Verhandlungspraxis im Verwaltungsprozess", "Die Rolle des Anwalts im Verwaltungs- und verwaltungsgerichtlichen Verfahren sowie bei der außergerichtlichen Streitbeilegung", "Streitschlichtung und Mediation", "Arbeitsrechtliche Gestaltung und Beratung" oder "Methodik der Vertragsverhandlung".

Soft Skills sind längst das ausschlaggebende Merkmal

Das neue Ranking der WirtschaftsWoche zeigt: Zwar ist die fachliche Expertise von Hochschulabsolventen immer noch ein elementares Einstellungskriterium, doch akademische Meriten allein zählen wenig. Für alle befragten Personalchefs waren die persönlichen Stärken, die so genannten Soft Skills, längst das ausschlaggebende Merkmal. "Weiter kommt, wer ein Problem schnell lösen und das Ergebnis sicher präsentieren kann. Erfolg hat, wer teamfähig, kommunikativ und belastbar ist. Wer darüber hinaus Praxiserfahrung mitbringt, im Ausland studiert hat und mehrere Sprachen spricht, landet auf dem Bestenstapel."

Sehr ausführlich stellt die WirtschaftsWoche in ihrem neuen Ranking Vor- und Nachteile privater gegenüber den staatlichen Universitäten dar. Offensichtlich sehen deutsche Personalentscheider auch Nachteile bei den Absolventen der privaten Hochschulen, die - als "Stachel im Fleisch" des staatlichen Systems - in der öffentlichen Diskussion meist automatisch besser bewertet werden als die Staatlichen. Interessant zu sehen: Die Bucerius Law School in Hamburg wurde im neuen Ranking auf Nummer drei hinter Heidelberg platziert.

Aufschlussreich ein begleitendes Interview der WirtschaftsWoche mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider, über die Auswahlkriterien bei der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern - hier ist die Universität Heidelberg als einer von zehn deutschen "Elite-Kandidaten" (WirtschaftsWoche) platziert. "Unsere zehn Elitekandidaten haben klare gesamtuniversitäre Zukunftskonzepte erarbeitet. Sie haben ihre Stärken und Schwächen genau analysiert und eine schlüssige Entwicklungsstrategie vorgelegt. Sie haben einen klaren Plan, wie sie akademisches Spitzenpersonal holen und halten und für Nachwuchswissenschaftler attraktiv sein wollen. Eine hohe Reputation in einzelnen Fachbereichen setzen wir dabei voraus. Aber uns geht es nicht nur darum, wer bisher einen guten Ruf genossen hat, sondern wer das Potenzial zur Spitzenuniversität hat" (Strohschneider).


Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

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