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Erste Sieger im Wettbewerb Evolutionsbiologie

30.03.2006 - (idw) VolkswagenStiftung

VolkswagenStiftung fördert drei exzellente Ausbildungskonzepte zur Evolutionsbiologie an den Universitäten München, Köln und Münster. Weitere Ausschreibung für innovative Curricula folgt im Frühjahr 2007.
Drei Bewilligungen für Stipendien und Mitarbeiteraustausch vergeben. Die VolkswagenStiftung hatte im vergangenen Jahr einen Wettbewerb um innovative Ausbildungskonzepte zur Stärkung der Evolutionsbiologie an deutschen Hochschulen ausgeschrieben. Dieser ist jetzt entschieden. Zwanzig Hochschulen nahmen teil, von denen drei sich durchsetzen konnten. Deren Vorhaben werden nun mit insgesamt rund 910.000 Euro von der Stiftung unterstützt. Die Konzepte der drei erfolgreichen Universitäten München, Köln und Münster stellen wir Ihnen nachfolgend kurz vor.

Zugleich können sich auch Doktoranden und Postdoktoranden in der "Förderinitiative Evolutionsbiologie" um Unterstützung bemühen. Hier waren diesmal zwei Bewerber erfolgreich, die mit insgesamt 444.000 Euro gefördert werden. Des Weiteren stellte die Stiftung 8.200 Euro für einen Mitarbeiteraustausch zur Verfügung. Auch dazu im Folgenden mehr.

Innovative Ausbildungskonzepte:
Mit 304.200 Euro gefördert wird an der Ludwig-Maximilians-Universität München das Ausbildungskonzept "Munich Graduate Program for Evolution, Ecology and Systematics (EES LMU)". Verantwortlich für die Etablierung dieses forschungsorientierten, internationalen Master- und PhD-Programms sind das Department Biologie II, Evolutionsbiologie (Dr. Joachim Hermisson, Professor Dr. Wolfgang Stephan), die Verhaltensökologie (Professorin Dr. Susanne Foitzik) und das Department Biologie I, Systematische Botanik (Professorin Dr. Susanne Renner)

Mehr als 30 Arbeitsgruppen beschäftigen sich derzeit im Münchner Raum mit Fragestellungen zur Evolutionsbiologie, sie sind angesiedelt an der Universität, am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und den Bayerischen Staatssammlungen. Der jetzt prämierte Ausbildungsgang verfolgt zum einen grundlegend das Ziel, über eine wirkungsvolle Struktur eine bessere Integration der unterschiedlichen Forschungsansätze vor Ort zu gewährleisten - einschließlich Verzahnung und Ausbau der Lehre. Das Ausbildungskonzept stellt, neben den Aspekten der Multidisziplinarität und Internationalität, vor allem auf die persönliche und individuelle Betreuung der Studierenden ab. So ist die Einrichtung eines Mentorenprogramms geplant und auch, dass jeder Studierende im Zuge seiner Labor-Rotationen individuell begleitet wird. Mit dieser intensiven Betreuung sind gleichzeitig hohe Erwartungen an die Studierenden verknüpft: Diese müssen sowohl ihre eigene Arbeit immer wieder harten Diskussionen aussetzen als auch wichtige Publikationen in verschiedenen Kontexten präsentieren und diskutieren. Zudem sollen sie angehalten werden, eigene kleine Anträge für ihre Masterarbeit zu stellen. Gelingt es ihnen hier zu überzeugen, können sie sogar Mittel dafür erhalten - ein erster Erfolg auf dem Weg, Forschungsgelder einzuwerben. Um den Anreiz für mehr Engagement noch zu erhöhen, sollen darüber hinaus die besten Master- und Doktorarbeiten regelmäßig ausgezeichnet werden. Auch hier locken Mittel bei Erfolg, die dann für Kongress- oder Laborbesuche eingesetzt werden können. Weitere Elemente dieses Ausbildungskonzepts sind die Veranstaltung von Sommerschulen und Durchführung eines Studierendenseminars.

Kontakt Universität München
Department Biologie II
Biozentrum
Prof. Dr. Wolfgang Stephan
Telefon: 089 21807 - 4102
E-Mail: stephan@zi.biologie.uni-muenchen.de

Evolutionsbiologie
Dr. Joachim Hermisson
Telefon: 089 21807 - 4235
E-Mail: joachim.hermisson@lmu.de

Mit 302.000 Euro gefördert wird an der Universität Köln das Ausbildungskonzept "An Integrative Concept for Teaching and Research in Evolutionary Biology (iEvol)". Verantwortlich zeichnen der Lehrstuhl für Evolutionsgenetik am Institut für Genetik (Professor Dr. Diethard Tautz) und das Institut für Biologie und ihre Didaktik (Dr. Daniel Dreesmann). Darüber hinaus sind zehn weitere Professoren beteiligt aus den Bereichen Botanik, Entwicklungsbiologie, Genetik und Zoologie.

Grundlegendes Ziel des Kölner Ausbildungskonzepts ist es, Studierenden bereits auf Bachelor-Ebene evolutionsbiologische Konzepte zu vermitteln. Dabei wollen die Initiatoren auf fünf verschiedenen Ebenen ansetzen, um das Interesse an der Evolutionsbiologie zu wecken und Forschung und Lehre in diesem Bereich zu stärken. So sollen zum einen in den ersten beiden Semestern des Studiums neue Vorlesungen und Praktika installiert werden, die auf die Vermittlung entsprechender Grundlagen und Kenntnisse ausgerichtet sind. Zum Zweiten wollen die Organisatoren in der fortgeschritteneren Phase des Studiums drei neue Module ins Curriculum integrieren, in denen schwerpunktmäßig die Themen "Molekulare Evolution", "Theoretische Konzepte" und der Bereich "Evolution der Entwicklungsprozesse" vermittelt werden. Zentrales Element des gesamten Ausbildungskonzepts ist jedoch auch hier, dass sich der wissenschaftliche Nachwuchs selbst um Mittel für eigene Vorhaben bemühen kann. So werden zum Beispiel Preise vergeben für die besten Bachelor- und Masterprojektanträge. Dabei verfassen die Studierenden die Anträge selbst; auch können sie das Labor für die Projektdurchführung selbst wählen. Diese "Anreizmodule" sollen das gesamte Programm nicht zuletzt attraktiv und sichtbar machen. Des Weiteren geplant sind Exkursionen, Vortragsveranstaltungen für die interessierte Öffentlichkeit und die Entwicklung von Lehrmaterialien, die eine zeitgemäße und attraktive Präsentation des Themas Evolutionsbiologie gewährleisten.

Kontakt Universität Köln
Institut für Genetik
Lehrstuhl für Evolutionsgenetik
Prof. Dr. Diethard Tautz
Telefon: 0221 470 - 2465
E-Mail: tautz@uni-koeln.de

Institut für Biologie und ihre Didaktik
Dr. Daniel Dreesmann
Telefon: 0221 470 - 4649
E-Mail: daniel.dreesmann@uni-koeln.de

Mit 306.000 Euro gefördert wird an der Universität Münster das Ausbildungskonzept "Integrated Approaches to Teach and Study the Role of Evolution for the Emergence of Biological Complexity". Verantwortlich sind der Fachbereich Biologie (Professor Dr. Norbert Sachser) und die Arbeitsgruppe Bioinformatik der Hochschule (Professor Dr. Erich Bornberg-Bauer). Strukturell im Zentrum des Konzepts steht jedoch vor allem das neu gegründete "Institut für Evolution und Biodiversität" (IEB) im Fachbereich Biologie, das mittelfristig sechs Gruppen mit unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung ein Dach geben soll.

Seit dem Jahr 2002 besteht in Münster ein BSc-Curriculum Biologie, in dem die Vermittlung evolutionsbiologischer Konzepte eine zentrale Rolle spielt. So ist "Evolution, Biodiversity and Ecology" ein Kernmodul im dritten Semester. Die Initiatoren wollen nun diesen Bachelor-Studiengang ausbauen und im Rahmen des Biologie-Masterstudiengangs ein so genanntes "Special Study Program Evolutionary Biology" etablieren, das sich nicht nur an Biologen, sondern beispielsweise auch an Sozialwissenschaftler richtet. Von zentraler Bedeutung bei fast allen Aktivitäten auf diesem Gebiet ist die Zusammenarbeit mit der Universität Groningen. Eben diese Kooperation soll nun gestärkt werden - nicht zuletzt dadurch, dass Studierende beider Universitäten Lehrmodule an der Partneruniversität belegen können. Insgesamt will das IEB mindestens sechs Lehrmodule zu Themen rund um die Evolutionsbiologie anbieten, diese werden durch bereits an der Universität Groningen existierende Angebote sinnvoll kontrastiert. Mittelfristig streben die Initiatoren die Umwandlung des "Special Study Programs" in einen selbstständigen Master-Studiengang "Evolution and Complexity" an, der auch an das Top-Master-Programm der Universität Groningen angebunden sein soll. Letztlich ist die Vergabe eines von beiden Universitäten anerkannten "Doppel-Diploms" anvisiert. Auch planen die Organisatoren, mit den Mitteln der VolkswagenStiftung eine Sommerschulreihe auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie ins Leben zu rufen, die sich an Masterstudierende richtet. Zudem soll am IEB in Münster ein Juniorprofessor künftig den bisher unterrepräsentierten Bereich "Molekulare Evolution" abdecken und dieses Thema auch in der Lehre vertreten. Sobald diese Stelle besetzt ist, kann die Hochschule über die Stiftungsmittel verfügen.

Kontakt Universität Münster
Fachbereich Biologie
School of Biological Sciences
Prof. Dr. Norbert Sachser
Telefon: 0251 832 - 3012
E-Mail: sachser@uni-muenster.de

Arbeitsgruppe Bioinformatik
Prof. Dr.Erich Bornberg-Bauer
Telefon: 0251 832 - 1630
E-Mail: ebb@uni-muenster.de

Ausblick "innovative Ausbildungskonzepte" / erneute Ausschreibung:
Für Anfang 2007 plant die VolkswagenStiftung einen Workshop unter Beteiligung der jetzt im Wettbewerb erfolgreichen Hochschulen, um erste Erfahrungen mit der Umsetzung der Ausbildungskonzepte sichtbar zu machen. Auch Best-Practice-Beispiele aus dem Ausland sollen dort "zu Wort kommen". Diese Veranstaltung richtet sich zudem explizit an noch nicht geförderte Hochschulen - denn im Anschluss ist vorgesehen, den Wettbewerb um "innovative Ausbildungskonzepte in der Evolutionsbiologie" ein zweites Mal auszuschreiben.

Personenbezogene Förderung in der Initiative Evolutionsbiologie
Mit 224.000 Euro unterstützt wird das Postdoktorandenstipendium von Dr. Mariana Mondragón-Palomino am Lehrstuhl für Genetik der Universität Jena bei Professor Dr. Günter Theißen. Ihr Thema: "Duplication and Functional Divergence of Transcription Factors in the Evolution of Morphological Diversity". Die Nachwuchsforscherin setzt sich im Allgemeinen mit der spannenden Frage auseinander, wie Biodiversität im Laufe der Evolution entsteht. Im Speziellen geht sie der Frage nach, welche Rolle einzelne Gene bei der Verknüpfung von Entwicklungsprozessen und Evolution spielen. Ihr Versuchsgegenstand sind Orchideen, mit deren Blütenentwicklung sie sich auf molekulargenetischer Ebene beschäftigt, um dann Aussagen über mögliche Schritte der morphologischen Evolution treffen zu können. Letztendlich sollen die Untersuchungen zu einem besseren Verständnis der Mechanismen beitragen, die für die Bildung neuer Spezies und damit auch für die Entstehung von Biodiversität von Bedeutung sind. Die junge Wissenschaftlerin hat an der University of Mexico studiert (Bachelor of Science-Abschluss im Bereich Biomedizin) und im Anschluss an der University of California in Irvine, USA, in "Biological Sciences" promoviert - bevor sie im Jahr 2004 mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland kam.

Kontakt Universität Jena
Lehrstuhl für Genetik
Dr. Mariana Mondragón-Palomino
Telefon: 03641 949 - 300
E-Mail: mariana.mondragon@uni-jena.de

Mit 220.000 Euro unterstützt die Stiftung das Postdoktorandenstipendium von Dr. Paul Bunje am Lehrstuhl für Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Konstanz bei Professor Dr. Axel Meyer. Der junge amerikanische Wissenschaftler zielt in seinem Vorhaben "Population Genetics of Color Gene Regulation in the Lake Victoria Cichlid Fish Radiation" auf ein besseres Verständnis der Entstehung von Arten. Sein Forschungsgegenstand sind die Buntbarsche im Viktoriasee Ostafrikas. An ihnen will er untersuchen, wie kleine Unterschiede in der DNA-Sequenz zur morphologischen Unterscheidbarkeit und damit letztlich zur Entstehung neuer Arten führen können. Grundlegende Hypothese ist es, dass sich kleine genetische Veränderungen innerhalb von regulatorischen Regionen identifizieren lassen, die charakteristisch sind für bestimmte Populationen oder Arten - und dass diese Veränderungen wahrscheinlich die genetische Basis darstellen für das Entstehen unterschiedlicher Farbmorphen in den sich schnell diversifizierenden Linien. Dr. Paul Bunje erwarb seinen Bachelor of Science in Biological Sciences an der University of Southern California und promovierte an der University of California at Berkeley in "Integrative Biology". Seit 2004 ist er als Postdoktorand in Konstanz tätig.

Kontakt Universität Konstanz
Fachbereich Biologie
Lehrstuhl für Zoologie und
Evolutionsbiologie
Dr. Paul Bunje
Telefon: 07531 884 - 304
E-Mail: paul.bunje@uni-konstanz.de

8.200 Euro schließlich stellte die Stiftung PD Dr. Uta Radespiel vom Institut für Zoologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover zur Verfügung für einen Wissenschaftleraustausch mit einer Arbeitsgruppe der Université Paul Sabatier in Toulouse, Frankreich. Die Forscherin will ihre Kenntnisse bezüglich der populationsgenetischen Analyse der auf Madagaskar beheimateten Lemuren vertiefen.

Kontakt Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
PD Dr. Uta Radespiel
Telefon: 0511 9538430
E-Mail: ute.radespiel@tiho-hannover.de

Nächster Stichtag für personenbezogene Förderung ist der 15. Oktober 2006


Kontakt VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381- 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Förderinitiative Evolutionsbiologie
Dr. Henrike Hartmann
Telefon: 0511 8381- 376
E-Mail: hartmann@volkswagenstiftung.de

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20060330

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