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Kriegsgewinnler oder Friedensengel? Die Rolle der Privatwirtschaft in Krisen und Konflikten

30.03.2006 - (idw) Deutsche Stiftung Friedensforschung

Am 6. April 2006 wird im Bonn International Center for Conversion (BICC) die aktuelle Studie "Who's minding the Store?" The Business of Private, Public and Civil Actors in Zones of Conflict (brief 32) vorgestellt. Zur Rolle externer wirtschaftlicher Akteure in Bürgerkriegsökonomien und ihrer Bedeutung für Kriegsbeendigungsstrategien in Afrika südlich der Sahara hat das BICC, gefördert von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF), ein Forschungsprojekt durchgeführt, dessen Ergebnisse in die Publikation eingeflossen sind. "In den gegenwärtig in den Krisenregionen des Südens ausgetragenen internen Kriegen und Gewaltkonflikten spielt der privatwirtschaftliche Sektor eine große Rolle", betont Dr. Michael Brzoska, Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und ehemaliger Forschungsdirektor und Leiter des DSF-Projekts am BICC. Privatwirtschaftliche Aktivitäten trügen sowohl zur Verursachung von Konflikten und Kriegen als auch zur Finanzierung und anderweitigen Unterstützung von Konfliktparteien bei.

Gleichzeitig sei es gerade die Privatwirtschaft, die Mitverantwortung für Krisenprävention, Konfliktmanagement und Friedenskonsolidierung übernehmen sollte und auch schon übernommen hat Eine solche korporative soziale Verantwortung (corporate social responsibility) umfasst nicht nur die Mitverantwortung für die Vermeidung von Gewaltkonflikten und gewaltfreien Konfliktaustrag sondern auch die Stabilisierung friedlicher und gerechter gesellschaftlicher Verhältnisse.

"Die Ergebnisse des von der DSF geförderten Forschungsprojekts zur Rolle externer wirtschaftlicher Akteure in Bürgerkriegsökonomien und ihrer Bedeutung für Kriegsbeendigungsstrategien in Afrika südlich der Sahara sind ein wichtiger Beitrag zu einem Forschungsfeld, das bisher noch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit erhalten hat, aber von der Stiftung verstärkt gefördert werden wird", betont Prof. Dr. Volker Rittberger, Vorsitzender der DSF. Aus der Analyse der Rolle der Privatwirtschaft ließen sich praktische Anregungen für eine verbesserte Kontrolle von Nutznießern von Gewaltkonflikten entwickeln. Außerdem werde es ermöglicht, die Effektivität von bestimmten Instrumenten für Kriegsbeendigungsstrategien zu hinterfragen und zugleich zu steigern.

Auf ihre Wirksamkeit untersucht wurden z.B. allgemeine, branchen- und unternehmensspezifische Verhaltenskodizes, Leitlinien und Prinzipienerklärungen, die sich auf Menschenrechte und Sicherheit, Finanzierung, Regierungsgewalt (governance) und Transparenz sowie den Umgang mit besonders konfliktsensiblen Ressourcen beziehen. "Notwendig ist, auch explizit konfliktbezogene Instrumente zu schaffen bzw. bereits bestehende Instrumente um diese Dimension zu erweitern, um konflikteskalierendes Unternehmensverhalten einzudämmen und Möglichkeiten positiver Einflussnahme auf (Prä- und Post-) Konfliktlagen optimal auszuschöpfen", benennt Peter Croll, Direktor des BICC, ein Resultat des Projekts. Sowohl internationale Zertifizierungsmechanismen wie die Financial Action Task Force on Money Laundering und insbesondere das Kimberley Process Certification Scheme für "Konfliktdiamanten" als auch ausdifferenzierte und zielgenaue Sanktionen gegenüber Konfliktparteien und unverantwortlichen Unternehmen, die von Gewaltkonflikten profitieren, könnten konkrete Ansatzpunkte sein.


Weitere Informationen: Susanne Heinke, Tel. 0228/9119644, E-Mail: pr@bicc.de

Datum: Donnerstag, 6. April 2006
Zeit: 12 Uhr
Ort: BICC, An der Elisabethkirche 25, D-53113 Bonn
Weitere Informationen: http://www.bicc.de/
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