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Ehrenvolle Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik für Prof. Dr. Albert de la Chapelle

01.04.2006 - (idw) Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (VBBM)

Der finnische Humangenetiker Professor Dr. Albert de la Chapelle wurde für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Humangenetik vor allem im Bereich der Tumorgenetik mit der GfH-Ehrenmedaille 2006 ausgezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) hat dem finnischen Wissenschaftler im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten zu ihrer 17. Jahrestagung am 8.3.2006 die GfH-Ehrenmedaille überreicht und Prof. de la Chapelle zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Prof. Dr. Albert de la Chapelle gehört zu den Begründern der Medizinischen Genetik in Europa. Seine Beiträge zur klinischen Zytogenetik und Molekulargenetik, vor allem aber zur Tumorgenetik haben die Humangenetik nachhaltig geprägt.
In ihrer Laudatio ging Professor Brigitte Schlegelberger, die Leiterin des Instituts für Zell- und Molekularpathologie, Medizinische Hochschule Hannover, ausführlich auf seine wichtigsten Forschungsgebiete ein. Sie schilderte, wie Albert de la Chapelle 1964 erstmals Anomalien der Geschlechtschromosomen, insbesondere XX-Männer beschrieb. Auch in der Tumorzytogenetik erwarb er mit der Erstbeschreibung der Trisomie 8 als charakteristischer Chromosomenaberration akuter myeloischer Leukämien internationale Anerkennung. Nicht zuletzt geht die Kartierung, Klonierung und funktionelle Charakterisierung von etwa 15 Krankheitsgenen erblicher Erkrankungen auf seine Forschungsaktivitäten zurück, darunter auch so wissenschaftlich aufschlussreiche Krankheitsbilder wie z.B. die diastrophische Dysplasie, die neuronale Ceroidlipofuscinose oder das Usher-Syndrom Typ 3. In diesen Untersuchungen nutzte er die Founder-Effekte in der finnischen Bevölkerung und als einer der Ersten die Linkage-Disequilibrium-Analyse. Intensiv arbeitete er an der Ursachenerforschung des erblichen nichtpolypösen Dickdarmkrebses (HNPCC) und analysierte dabei die Rolle der Mismatch-Reparatur-Defekte bei der Krebsentstehung. De la Chapelle setzt sich nachdrücklich für umfassende Screening-Untersuchungen auf prädisponierende Mutationen bei allen Patienten mit Darmkrebs ein und hat hierfür erst kürzlich grundlegend neue Konzepte entwickelt.

In Helsinki 1933 geboren, wandte sich de la Chapelle nach dem Abschluss seines Medizinstudiums im Jahr 1956 der Humangenetik zu (Ph.D 1962), erwarb 1965 den Facharzttitel für Innere Medizin und wurde 1986 Facharzt für Klinische Genetik. Er war zu Forschungsaufenthalten an der Columbia University in New York (1966-68), am MCR in London (1974) und am Institut de Pathologie Moléculaire in Paris (1981-82).

In Finnland erhielt Albert de la Chapelle die erste Professur für Medizinische Genetik. 1969 übernahm er die Leitung des Folkhälsan Instituts für Genetik in Helsinki und prägte 34 Jahre lang mit seinem Schaffen die Humangenetik in Finnland. Seit 1997 ist er als "Leonard and Charlotte Immke Professor of Cancer Genetics" und seit 2004 als "Distinguished University Professor" an der Ohio State Universität Comprehensive Cancer Center tätig.

An der Ohio State University initiierte Prof. de la Chapelle ein "Human Cancer Genetics Program", in dem zurzeit mehr als 40 Wissenschaftler der Fakultät arbeiten. Prof. de la Chapelle wurde mit zahlreichen Preisen, u. a. dem Mauro Baschirotto Award der European Society of Human Genetics und dem William Allan Award der American Society of Human Genetics ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Finnland, der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der National Academy of Sciences der USA.


Weitere Informationen erhalten Sie bei Dipl.-Soz. Christine Scholz, Deutsche Gesellschaft für Humangenetik e.V.(GfH), Inselkammerstr. 4, 82008 München-Unterhaching, Tel 089-614 56 959, Fax 089-55027856, Mail: organisation@gfhev.de
Weitere Informationen: http://www.gfhev.de
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