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Frischer Wind für Grenzen überschreitende Forschung

11.04.2006 - (idw) VolkswagenStiftung

Rund 1,65 Millionen Euro für drei weitere Gruppen im Tandem-Programm zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden - Stiftung bringt letztmalig Vorhaben in der Initiative auf den Weg Das Tandemprogramm zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden ist in der Forschungsförderlandschaft einmalig. Mit dieser - nunmehr beendeten - Initiative verfolgte die VolkswagenStiftung die Kombination zweier Ziele: herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Anschluss an die Promotion zu fördern und dabei zugleich die jungen Forscher aufzufordern, im Zuge einer neuen, interdisziplinär ausgerichteten Aufgabe die selbstständige fachübergreifende Zusammenarbeit zu erproben und Fachgrenzen inhaltlich wie methodisch zu überschreiten. Gefördert wurden Teams von zwei, gegebenenfalls drei Nachwuchsforschern, die sich auf diese Weise frühzeitig für Leitungsaufgaben in der Wissenschaft qualifizieren konnten - etwa für die Übernahme einer Juniorprofessur. Jetzt hat die Stiftung insgesamt 1,65 Millionen Euro für drei weitere Tandems bewilligt, die sich als die besten unter 42 Vorschlägen durchsetzen konnten:

1. 488.500 Euro für das Vorhaben "Wayfinding Strategies in Behavior and Language" von Dr. Thora Tenbrink vom Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen und Dr. Jan Wiener vom Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg;

2. 446.300 Euro für das Vorhaben "Electrical Signals as Biomarkers in Atrial Fibrillation - from Molecular Determinants to Bedside Application" von Dr. Daniela Husser von der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Universität Magdeburg und Dr. Martin Stridh vom Department of Electroscience der Universität Lund, Schweden;

3. 713.800 Euro für das Vorhaben "Vom Imperialmuseum zum Kommunikationszentrum? Zur neuen Rolle des Museums als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und nicht-westlichen Gesellschaften" von Dr. Lidia Guzy, Dr. Susan Kamel und Dr. Rainer Hatoum vom Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin.

zu 1: Menschen verhalten sich sehr effizient, wenn sie einen Weg von Ort A nach Ort B suchen. Dies gilt sowohl in unbekannten Gegenden als auch für Routenplanungen in Umgebungen, die man kennt. Wer schon einmal in einer fremden Stadt den Weg zum nächsten Bahnhof erfragt hat, weiß, dass wir diese Aufgaben zudem verbalisieren oder auch mit Hilfe von Landkarten bewältigen können. Sprache und Verhalten stehen somit in enger Verbindung. Ziel des Forschungsvorhabens von Dr. Jan Wiener von der Universität Freiburg und Dr. Thora Tenbrink von der Universität Bremen ist es, ein umfassenderes Verständnis der Heuristiken und Strategien zu gewinnen, die Menschen bei alltäglichen Wegfindungs- und Navigationsaufgaben einsetzen. Heuristiken sind kognitive Faustregeln, die man instinktiv nutzt, wenn eine schnelle Informationsverarbeitung vonnöten ist. Das Tandem-Team geht davon aus, dass vielfältige kognitive Komponenten und Prozesse darauf Einfluss nehmen, wie wir einen Weg finden. Deren Zusammenspiel sollte je nach Anforderung unterschiedlich ausfallen: Für die Routenplanung sind das Ortsgedächtnis und Planungsprozesse zentral; um hingegen Wege in neuen Umgebungen zu finden, sind die Wahrnehmung bestimmter visuell-räumlicher Eigenschaften der Umwelt und generelle Such- und Explorationsstrategien entscheidend.

Um die Parallelen zwischen Sprache und Verhalten genauer zu untersuchen, will das Team eine Serie von Experimenten in virtuellen Umgebungen durchführen. Indem sie Navigations- und Sprachdaten mit abstrakten Repräsentationen von Umgebungen, dem Probandenwissen und den Aufgabenstellungen vergleichen, wollen sie Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Heuristiken und Strategien die Betroffenen einsetzen. Die Forscher erwarten, dass die Versuchsteilnehmer bei zunehmender Schwierigkeit der Aufgabe auf einfachere Heuristiken zurückgreifen und nicht mehr alle notwendigen Schritte vollständig kalkulieren. Die zu Grunde liegenden Änderungen der kognitiven Strategien sollten sich dann auch in den sprachlichen Repräsentationen widerspiegeln.

Kontakt Universität Bremen
Fachbereich 10 Sprach- und Literaturwissenschaft
Dr. Thora Tenbrink
Telefon: 0421 218 - 7562
E-Mail: tenbrink@sfbtr8.uni.bremen.de

Dr. Jan Wiener
- zurzeit in Frankreich:
Collège de France
Laboratoire de Physiologie de la Perception et de l'Action (LPPA)
Telefon: 0033 1 44 27 - 14 21
E-Mail: jan.wiener@college-de-france.fr

zu 2: Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzvorkammern sehr schnell und unorganisiert schlagen. Dadurch wird einerseits die Pumpleistung vermindert, andererseits steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Insofern geht Vorhofflimmern mit weiteren Komplikationen einher, kann letztlich zum Tod führen - und verursacht zudem hohe Behandlungskosten. Ziel von Dr. Martin Stridh von der Universität Lund in Schweden und Dr. Daniela Husser von der Universität Magdeburg ist es, das Wissen über Vorhofflimmern zu erweitern und die Diagnostik und Behandlung zu verbessern, indem elektrische Biomarker identifiziert, wissenschaftlich bewertet und klinisch angewendet werden. Zwar hat das Wissen rund um die Problematik des Vorhofflimmerns in den vergangenen zwanzig Jahren erheblich zugenommen, doch sind gerade die Behandlungsansätze oftmals noch unbefriedigend. Hier könnte die Einbeziehung elektrischer Biomarker einen viel versprechenden Weg darstellen. Biomarker sind messbare Signale von biologischen Vorgängen in Organismen, die anzeigen, ob ein bestimmter Prozess normal verläuft oder aber eine Erkrankung vorliegen könnte. Für das kardiovaskuläre System etwa sind der Blutdruck oder der Cholesterinspiegel bedeutsam. Kennt man hier jeweils die aktuellen Daten eines Patienten, ließe sich die Behandlung auf den individuellen Krankheitszustand besser zuschneiden.

Das deutsch-schwedische Tandem bündelt sein Wissen aus der Medizin und der elektrotechnischen Signalverarbeitung, um den für das Vorhofflimmern relevanten Biomarkern auf die Spur zu kommen. Drei Aufgaben stellen sich den Nachwuchsforschern: Sie wollen zum einen Methoden entwickeln, um neue Biomarker aus dem Elektrokardiogramm (EKG) zu extrahieren. Zum anderen sollen diese Biomarker als Indikatoren des Krankheitsverlaufs wissenschaftlich bewertet werden. Drittens wollen die beiden Forscher die identifizierten Biomarker klinisch einsetzen, um die Wirkung einer medikamentösen Behandlung beobachten zu können. Ergänzend zu diesen Forschungsaufgaben plant das Team zwei Sommerkurse und die Entwicklung eines E-learning-Moduls, um den Wissenstransfer sicherzustellen.

Kontakt Universität Magdeburg
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Dr. Daniela Husser
Telefon: 0391 67 - 13203
E-Mail: daniela.husser@medizin.uni-magdeburg.de

Kontakt University of Lund
Department of Electroscience
Dr. Martin Stridh
Telefon: 0046 46 222 - 4561
E-Mail: martin.stridh@es.lth.sel

zu 3: Das dritte neu auf den Weg gebrachte Tandem ist ein Trio. Die drei jungen Wissenschaftler Dr. Lidia Guzy, Dr. Susan Kamel und Dr. Rainer Hatoum vom Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin wollen mit ihrem Projekt erforschen, welche - neue - Rolle Museen in nicht-westlichen Gesellschaften zukommt. Sie gehen dabei davon aus, dass die Globalisierung die künstlerischen und kulturellen Äußerungen nicht-westlicher Gemeinschaften grundlegend verändert - und zwar in Richtung einer "Retraditionalisierung", einer Wiederbelebung alter Traditionen. Davon betroffen ist nach Ansicht des Forscherteams auch die Museumskultur, die stets identitätsstiftend wirkt. Und so ist es vor allem ihr Ziel, Erkenntnisse über die Zukunft von Museen gewinnen, indem sie kulturpolitische Aspekte der Globalisierung an regional unterschiedlichen Stätten untersuchen und der Frage nachgehen, inwiefern die wichtigen Säulen musealer Arbeit - das Sammeln, Erforschen und Vermitteln - durch diese Prozesse betroffen sind.

Hierzu wenden sich die Projektteilnehmer drei nicht-westlichen Regionen zu. Lidia Guzy betrachtet Museen in Indien. Schwerpunkt ihrer Forschung soll die Archivierung - also das "Sammeln" - bedrohter musikalischer Ausdrucksformen der Unberührbaren im indischen Bundesstaat Orissa sein. Auf Veränderungen in der Museumsarbeit in Nordamerika am Beispiel der indianischen Kultur konzentriert sich Rainer Hatoum. Er bearbeitet die museale Aufgabe des Forschens am Beispiel der Walzensammlung "Herzog/Navajo" des Berliner Phonogramm-Archivs. Auf diesen Walzen befinden sich zeremonielle Gesänge der Navajo-Indianer. Susan Kamel geht im Zeitalter zunehmender "Islamisierung" dem musealen Wandel in Kairo nach. Sie stellt die Vermittlungsarbeit der Museen in den Fokus: Welche Ausstellungskonzepte gibt es, wie wird islamische Kunst präsentiert, werden auch zeitgenössische Kunst und Objekte aus der Alltagskultur gezeigt? Die Ergebnisse sollen in einer Monografie zusammengetragen und bei einem internationalen Symposium diskutiert werden. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Museum für Indische Kunst, dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Islamische Kunst in Berlin entwickelt und lässt so auch Impulse für die beteiligten Institutionen erwarten.

Kontakt Freie Universität Berlin
Institut für Religionswissenschaft
Dr. Lidia Guzy
Telefon: 030 838 - 52825
E-Mail: l.guzy@gmx.de

Kontakt Staatliche Museen zu Berlin
Preußischer Kulturbesitz
Ethnologisches Museum
Dr. Susan Kamel
Telefon: 030 8301 - 438
E-Mail: s.kamel@smb.spk-berlin.de

Dr. Rainer Hatoum
Telefon: 030 8301 - 438
E-Mail: r.hatoum@smb.spk-berlin.de

Kontakt VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt VolkswagenStiftung
Tandem-Programm
Dr. Markus Beiner
Telefon: 0511 8381 - 289
E-Mail: beiner@volkswagenstiftung.de

Dr. Ulrike Bischler
Telefon: 0511 8381 - 350
E-Mail: bischler@volkswagenstiftung.de

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20060411

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