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Das Dach der Welt - Natur und Landnutzung im Pamir

14.01.2003 - (idw) Universität Bielefeld

Im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld findet vom 22. bis 25. Januar unter der Leitung des Bielefelder Ökologen Siegmar-Walter Breckle eine Tagung zur "Natur und Landnutzung im Pamir" statt. Der Pamir ist als Gebirgslandschaft einmalig. Die geologischen Verhältnisse sind äußerst komplex. Aber genau wie der Pamir, das Dach der Welt, eine geologische Nahtstelle, wie ein Knoten, zu den Nachbargebirgen ist, stellt er auch in biogeographischer Hinsicht eine wichtige Schnittstelle zwischen mehreren biogeographischen Regionen dar. Darüber hinaus war er in der langen Historie Zentralasiens einerseits - wie für Marco Polo - Durchgangs- andererseits Rückzugsgebiet für verschiedene Völkerschaften. In den verschiedenen Tälern des Pamir wohnen sehr unterschiedliche Volksgruppen, sie sprechen teilweise auch sehr unterschiedliche Sprachen.

Das derzeit größte Problem für die Bevölkerung ist die Verfügbarkeit von Brennmaterial, zum Kochen und zum Heizen in den sehr kalten Wintermonaten. Hierfür werden im Westpamir die letzten Reste der Auwälder am Fuße der Täler abgeholzt. Diese unterstehen eigentlich den staatlichen Forstbetrieben, die die Wälder jedoch nicht vor diesem starken Holzbedarf schützen können und über keinerlei Mittel zur Aufforstung verfügen. Im Ostpamir dagegen wird ein Halbstrauch als wichtigste Dominanzpflanze gerodet, die mit ihrem starken Wurzelwerk überaus wichtig für die Erosionsbekämpfung, aber zugleich auch die wichtigste Weidepflanze in dieser Hochgebirgswüste ist. "Wenn hier nicht bald eine alternative Energiequelle gefunden wird, wird es zu massiver Bodenerosion und einem damit einhergehenden dramatischen Verlust der Lebensgrundlagen für Mensch und Vieh sowie an Biodiversität führen", sagt Siegmar-Walter Breckle voraus.

Zwei Drittel der Fläche des Pamir (2,6 Mio. Hektar - 18 Prozent der Landfläche Tadschikistans) sind laut Regierungsdekret von 1992 als Nationalpark ausgewiesen, der laut tadschikischer Gesetzgebung in ausgewiesenen Zonen auch eine nachhaltige Nutzung der Naturressourcen zulässt. Dieser Nationalpark existiert allerdings derzeit nur auf dem Papier - die Umsetzung trifft auf strukturelle Schwierigkeiten, aber auch mangelnde Erfahrung der einheimischen Experten in Fragen des Schutzgebietsmanagements und der Zonierung von Schutzgebieten sowie der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Bei Entwicklung einer entsprechenden Infrastruktur könnte der Nationalpark die Aufrechterhaltung der einzigartigen Hochgebirgslandschaften und die nachhaltige Erhaltung der Biodiversität der ganzen Makroregion Pamir gewährleisten.

"Wie der Erhalt der Biodiversität, der Naturschutz und eine nachhaltige Landnutzung im Pamirgebirge in Einklang zu bringen sind, ist eine ganz wichtige Frage für den gesamten zentralasiatischen Raum", sagt der Ökologe Breckle, der sich längere Zeit im Pamir aufhielt. Dies um so mehr, als rund 60 Prozent der Wasserreserven dieses Raumes im Hochgebirge im Gletschereis gespeichert sind. Der Amu Darya (der Oxus der Antike) ist der wichtigste Zufluss des Aralsee, er kommt aus dem Pamir und dem Hindukusch.

Die Teilnehmer der Tagung, die am 22. Januar um 14.00 Uhr im ZiF eröffnet wird, haben sich zur Aufgabe gemacht, ein aktuelles, neues Bild der natürlichen Ressourcen und der heutigen sozio-ökonomischen Bedingungen dieses Gebirgsraums zusammenzutragen, um daraus zukünftige Forschungsgrundlagen und wissenschaftlich fundierte zukünftige Entwicklungszusammenarbeit ableiten zu können. Hierzu ist sowohl in fachlicher als auch in methodischer Hinsicht ein breites sehr interdisziplinär angelegtes Teilnehmerfeld von Zentralasien-Experten eingeladen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2003/01-22-Breckle.html; Tagungsbüro des ZiF: Telefon 0521/106-2768. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung: Prof. Dr. Siegmar-W. Breckle, Abteilung Ökologie, Universität Bielefeld, Telefon 0521/106-5524, E-Mail: sbreckle@biologie.uni-bielefeld.de.

Pressemitteilung Nr.9/2003

Universität Bielefeld
Informations- und Pressestelle
Leiter: Dr. Gerhard Trott
Telefon: 0521/106-4145/4146
Fax: 0521/106-2964
E-Mail: gerhard.trott@uni-bielefeld.de
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