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Immuntherapie: Forscher machen die körpereigene Abwehr scharf

14.01.2003 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Krebs und Infektionskrankheiten lassen sich nicht nur mit Strahlen oder Medikamenten bekämpfen, sondern auch mit Hilfe des Immunsystems. Diesem Anliegen widmet sich der neue Bayerische Forschungsverbund "forImmun", dem insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen. Sechs der zwölf Projekte sind an der Universität Würzburg angesiedelt.

In "forImmun" arbeiten Wissenschaftler aus fünf bayerischen Hochschulen zusammen mit elf Partnern aus der Biotech-Industrie an der Entwicklung neuer immuntherapeutischer Konzepte gegen Krebs, Infektionen, Allergien und Autoimmunerkrankungen. Sprecher des Verbunds ist der Würzburger Infektionsbiologe Prof. Dr. Jörg Hacker; zum Kreis seiner Stellvertreter gehört Prof. Dr. Heidrun Moll, ebenfalls von der Uni Würzburg.

Die Leiter der Würzburger Forschungsgruppen sind PD Dr. Klaus Erb, Prof. Dr. Werner Goebel, Prof. Dr. Thomas Hünig, Prof. Dr. Heidrun Moll, Prof. Dr. Ulf R. Rapp und Dr. Tobias Ölschläger. Für ihre Projekte bekommen sie insgesamt 2,5 Millionen Euro. Die anderen Vorhaben werden an den beiden Münchener Universitäten sowie in Erlangen-Nürnberg und Regensburg bearbeitet.

Wie wollen die Wissenschaftler das Immunsystem dazu bringen, gezielt Infektionserreger oder Tumorzellen zu attackieren? Die körpereigene Abwehr reagiert schon im Normalfall auf Gefahrensignale, wie sie zum Beispiel von entarteten Zellen ausgehen. Doch nur allzu häufig finden die Widersacher Möglichkeiten, sich ihrem Zugriff zu entziehen. Also befasst sich die Immuntherapie damit, die Schlagkraft der Immunabwehr zu steigern, sie gewissermaßen "scharf zu machen".

In der Theorie sieht das so aus: Prof. Hacker und Dr. Ölschläger zum Beispiel nehmen harmlose Darmbakterien und beladen sie mit den Genen eines bestimmten Krankheitserregers. Darauf hin produzieren die Darmbewohner fremde Eiweiße - und das Immunsystem wird hellwach, richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf den speziellen Erreger und eliminiert ihn aus dem Körper.

Solche neuen Strategien zur Impfung und Therapie sind laut Prof. Hacker dringend nötig: Über die Hälfte der weltweit registrierten Todesfälle gehen auf das Konto von Infektions- oder Krebserkrankungen. Außerdem stoßen die herkömmlichen Therapiekonzepte, wie der Einsatz von Antibiotika, Operationen, Chemotherapie oder Bestrahlung, an ihre Grenzen. Bestes Beispiel: Bei den wenigen Viruskrankheiten, die heute mit Medikamenten behandelbar sind, vereitelt die schnelle Resistenzentwicklung der Viren die Therapie.

In den Bayerischen Forschungsverbünden arbeiten Wissenschaftler aus mehreren Universitäten eng mit der Wirtschaft zusammen. Das soll die Grundlage schaffen, um die Ergebnisse zügig in Produkte, Dienstleistungen und innovative Prozesse umzusetzen. Finanziert werden die Forschungen zu je einem Drittel von der bayerischen Wirtschaft, der Bayerischen Forschungsstiftung und der Bayerischen Staatsregierung. Das Wissenschaftsministerium fördert darüber hinaus die Einrichtung neuer Verbünde.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jörg Hacker, T (0931) 31-2575, Fax (0931) 31-2578, E-Mail und Internet:
j.hacker@mail.uni-wuerzburg.de
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