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Hospize in Europa

14.01.2003 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Reimer Gronemeyer an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Wohin mit den Sterbenden? Diese Frage rückt zunehmend in den Mittelpunkt sozialpolitischer Debatten in Deutschland und Europa. Am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen wird am 1. Februar 2003 ein Forschungsprojekt zu diesem Thema gestartet, das die Frage nach dem Umgang mit Sterben und Tod in den Mittelpunkt stellt. Ziel des Projektes unter der Leitung von Prof. Dr. Reimer Gronemeyer ist es, Stand und Entwicklung des Hospizwesens in 16 europäischen Ländern zu erforschen. So soll der internationale Diskurs zu diesem Thema weiter gefördert und Erfahrungen und Konzepte der Hospizarbeit unter ethischen, institutionellen, professionellen, ökonomischen und kulturellen Aspekten verglichen werden. Zu den ausgewählten Ländern gehören Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen und die Niederlande. Das Projekt wird von einem Team unter der Leitung von Prof. Gronemeyer durchgeführt, hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird von der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, mit rund 100.000 Euro finanziert.

In den Ländern Europas ist ein Prozess der Alterung der Bevölkerung festzustellen. Die Folgen dieser Veränderungen der Bevölkerungsstruktur werden allmählich spürbar, denn damit geht eine Zunahme des Anteils der Hochaltrigen in den europäischen Gesellschaften einher. Dass damit erhebliche Kosten für den Gesundheitssektor entstehen, ist unübersehbar. Traditionelle familiale Auffangnetze und Solidaritäten haben in diesem Zusammenhang nach wie vor große Bedeutung. Es zeigt sich aber auch, dass eine wachsende Zahl von Hochaltrigen in der letzten Lebensphase ambulante und institutionelle Hilfe von außen braucht.

Besonders die letzte Lebensphase konfrontiert heute mit neuen sozialen, humanitären, ethischen und ökonomischen Fragen. Krankenhäuser sind der Aufgabe, mit Sterbenden würdig und human umzugehen, aus vielerlei Gründen oft nicht gewachsen. Die Familien sind mit dieser Aufgabe oft überfordert. Dies hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten in vielen europäischen Ländern - zuerst in England, bald aber auch in Deutschland und den Niederlanden - Hospize gegründet wurden, die Sterbende aufnehmen. Dieses Engagement konzentriert sich ebenso auf ambulante Dienste. In Deutschland sind vier Säulen des Hospizwesens erkennbar: die professionell Pflegenden, die Ehrenamtlichen, die Mediziner sowie jene Institutionen, die sich des Themas Hospiz annehmen, insbesondere die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Hospiz und die Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas.

Das Team um Professor Reimer Gronemeyer hat bereits zwei Symposien zum Thema "Die Hospizbewegung im internationalen Vergleich" durchgeführt und den Kontakt zu Experten des Hospizwesens aus dem In- und Ausland hergestellt. Ziel des nun beginnenden Projektes ist es, das europäische Hospizwesen im internationalen Vergleich darzustellen. So werden die unterschiedlichen Modelle, Erfahrungen und Entwicklungen in den Ländern Europas im Profil erfasst. Im Vordergrund stehen dabei die Fragen nach der Trägerschaft und Größe der Hospizeinrichtungen, dem sozialpolitischen Hintergrund des Landes, der Ausbildung der Mitarbeiter/innen sowie der ethischen und religiösen Konzeption der Einrichtungen. Bei Projektende wird eine zusammenfassende Broschüre veröffentlicht.


Kontakt:

Prof. Dr. Reimer Gronemeyer
Institut für Soziologie
Karl-Glöckner-Str. 21 E, 35394 Gießen
Tel.: 0641/99-23204, Fax: 0641/99-23219
e-Mail: Hospizprojekt@sowi.uni-giessen.de
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