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Neugestaltung der Berliner Hochschulmedizin

17.01.2003 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Stellungnahme der Präsidenten von Freier Universität und Humboldt-Universität

Präambel
Die Berliner Universitätsmedizin ist ein hervorragendes Beispiel für eine erfolgreiche Entwick-lung von Wissenschaftseinrichtungen unter Wettbewerbsbedingungen. Der kreative Wettbe-werb zwischen UKBF und Charité hat beide Institutionen zu Höchstleistungen im nationalen und internationalen Vergleich angetrieben. Diese Struktur zweier unabhängiger medizinischer Fakultäten und ihrer Klinika ist aufgrund der von uns immer noch als falsch erachteten Ent-scheidung des Berliner Senats, 98 Mio. Euro im Bereich der Berliner Hochschulmedizin einsparen zu wollen, jedoch nicht aufrecht zu erhalten.
Nach Abwägung der verschiedenen Optionen und der von der Experten-Kommission und dem Wissenschaftsrat aufgezeigten Modelle für eine Zusammenführung der Medizinischen Fakultä-ten halten wir im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Berlin eine Loslösung der Medizin aus dem universitären Umfeld für kontraproduktiv. Die Präsidenten der beiden Universitäten sind bereit, auf der Grundlage der Empfehlungen der Expertenkommission und des Wissenschaftsrates die Umstrukturierung der Universitätsmedizin aktiv und zügig vo-ranzutreiben und zu gestalten. Im Gegenzug erwarten sie dafür die Bereitschaft des Landes, die Humboldt-Universität und Freie Universität den bevorstehenden Gesetzgebungsverfahren maßgeblich einzubeziehen und ihre Vorschläge zu berücksichtigen. Die Präsidenten erwarten weiterhin eine Zusage des Landes zur Realisierung der zwingend erforderlichen Investitionen sowie eine verbindliche Festlegung, für einen Zeitraum von zehn Jahren von weiteren Kürzun-gen in der Universitätsmedizin abzusehen.
Mit den folgenden Strukturvorschlägen und Handlungsschritten zeigen wir einen Weg auf, wie eine gemeinsame Medizinische Fakultät unter dem Dach beider Universitäten kooperativ ge-führt werden kann, ohne dass der produktive Wettbewerb zwischen den anderen Fakultäten der jeweiligen Universitäten hierdurch beeinträchtigt wird. Eine gemeinsame Medizinische Fa-kultät soll und kann nicht Modell für andere Wissenschaftsdisziplinen in Berlin sein.

Die Entscheidung über die künftige Struktur der Berliner Universitätsmedizin darf nicht länger verzögert werden. Die schon über ein Jahr dauernde Auseinandersetzung um die Universitätsmedizin hat zu einer Auszehrung und Entwicklungsunsicherheit in den Medizini-schen Fakultäten wie auch den Universitäten geführt, die nur durch eine baldige Entscheidung über die künftige Struktur der Medizin beendet werden kann. Wenn nicht sehr bald eine klare Strukturentscheidung fällt, droht daher die Gefahr eines schleichenden Qualitätsabbaus und dauerhafter Schaden durch das fortgesetzte Fehlen einer Planungs- und Finanzierungsperspek-tive für die Universitätsmedizin in Berlin.

Die Präsidenten der beiden Universitäten sind daher in Verantwortung für die beiden Universitäten in ihrer Gesamtheit bereit, umgehend einen Vorschlag zur Konkretisie-rung der Umstrukturierung vorzulegen, damit auf dieser Basis zügig die notwendigen Gesetzgebungsverfahren begonnen werden können. Dieser Vorschlag wird den politi-schen Vorgaben und der Vereinbarung mit dem Regierenden Bürgermeister vom Februar 2002 wie auch den Entwicklungsinteressen der beiden Universitäten gerecht werden. Die Präsidenten bekunden den ausdrücklichen Willen zu dieser Zusammenarbeit, die unbelastet von den Ausei-nandersetzungen der Vergangenheit erfolgen soll.

Die Präsidenten von Humboldt-Universität und Freier Universität machen sich den Vorschlag der Bildung einer gemeinsamen Fakultät und eines gemeinsamen Klini-kums bei der Universitäten zu eigen. Dabei ist zur Sicherung der Kernaufgaben der Univer-sitätsmedizin sowie des damit verbundenen umfangreichen Anforderungen an das Management eine Reformierung der derzeitigen Entscheidungsstrukturen notwendig. Die Universitätsmedizin in Deutschland ist vor allem im Bereich der Klinischen Forschung dringlich entwicklungsbedürf-tig. Eine Verbesserung dieser Situation kann nur gelingen, wenn die internen Entscheidungs-strukturen so geordnet werden, dass die Belange von Forschung und Lehre nicht hinter die in der Regel dominanten Belange der Krankenversorgung sowie der Sicherung des Wirtschaftsbe-triebes zurückfallen.
Die Präsidenten halten die Realisierung der in Kooperations- bzw. Integrationsmodell enthalte-nen Grundgedanken und daher ihre Verbindung für das einzig in der Praxis realistische Konzept einer Neugestaltung. Strikte Trennung der Entscheidungskompetenz und -verantwortung für die Finanzierung von Forschung und Lehre einerseits und der Krankenversorgung andererseits muss daher ebenso erreicht werden wie die enge Verflechtung von Entscheidungen über die in-haltliche Gestaltung beider Bereiche.

Die Präsidenten von Humboldt-Universität und Freier Universität halten die bei Bil-dung einer gemeinsamen Fakultät bzw. eines gemeinsamen Klinikums zweier Univer-sitäten befürchteten Abstimmungsnotwendigkeiten für lösbar. Zu den in diesem Zu-sammenhang einvernehmlich zu lösenden Fragen gehört die Zusammensetzung und Kompe-tenz der Entscheidungsgremien ebenso wie die Frage der korporationsrechtlichen Zugehörig-keit von Studierenden, wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Personal zu den bei-den Universitäten.

Die Bildung einer gemeinsamen Medizinfakultät beider Universitäten ist durch die be-sondere Stellung der Medizin in der Universität (umfangreiche Dienstleistungen und hoher Investitionsbedarf, eigener Haushalt innerhalb der Universität, Doppelfinanzie-rung aus Zuschuss und Kassenerlösen) begründbar, aber auch durch die massiven Einsparvorgaben erzwungen und daher kein Modell für andere Fächergruppen. Sie er-warten vom Land eine zügige Entscheidung über die künftige Rahmenbedingungen der Berliner Hochschulen sowie - parallel zu der erforderlichen Gesetzgebung durch Vorschaltgesetz und ein Universitätsmedizingesetz - die durch einen Hochschulvertrag zu sichernde Garantie, dass mit der Umsetzung dieser Umstrukturierung eine langfristige Organisationsruhe eintreten kann: Die Universitäten bedürfen dieser Zusicherung dringend, um sich nach den ständigen Umstrukturierungen der letzten Jahre endlich ihren eigentlichen Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung widmen zu können.

Die Präsidenten von Humboldt-Universität und Freier Universität machen sich die Vorschläge des Wissenschaftsrates im Grundsatz zu eigen, wobei sie jedoch der Auffassung sind, dass die Interessen der Universitäten in den derzeit vorgeschlagenen Leitungsgremien noch nicht aus-reichend vertreten sind. Weiterhin machen sie sich die von der Expertenkommission vorge-schlagene Zuordnung der fachlichen Disziplinen und der wissenschaftlichen Schwerpunkte zu den einzelnen Standorten im Grundsatz zu eigen. An der notwendigen Zusammenführung und Konkretisierung der beiden Empfehlungen werden sie gemeinsam arbeiten, um eine zügige Umsetzung zu ermöglichen.

Prof. Dr. Peter Gaehtgens Prof. Dr. Jürgen Mlynek

Präsident der Freien UniversitätPräsident der Humboldt-Universität
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