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Dem Gehirn beim Sehen zuschauen

31.05.2006 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Siegrid Löwel ist neue Professorin für Neurobiologie an der Universität Jena Jena (31.05.06) Ob es ein Blick in den Spiegel ist, ob wir Zeitung lesen oder ein Kunstwerk betrachten - die optischen Reize, die wir über unsere Augen wahrnehmen, werden im Gehirn analysiert und verarbeitet. Wie das genau geschieht, das erforscht die Neurobiologin Siegrid Löwel, die im vergangenen Semester als Professorin für Neurobiologie an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen wurde. Und dazu schaut Prof. Löwel direkt ins Gehirn hinein. Allerdings in das von Mäusen. Die können zwar nicht Zeitung lesen, aber z. B. die Richtung eines Pfeils mit den Augen verfolgen. "Je nachdem ob sich der Pfeil von rechts nach links oder von oben nach unten bewegt, unterscheidet sich das Aktivitätsmuster im Gehirn", erklärt Prof. Löwel.

Die 47-Jährige hat für ihre Forschungen ein besonderes bildgebendes Verfahren mit nach Jena gebracht, mit dem sich die Aktivität von Nervenzellen optisch ableiten lässt. Weltweit besitzen nur eine Handvoll Institute ein derartiges System. Dabei wird das Hirnareal, das für die Verarbeitung optischer Reize verantwortlich ist, über Lichtleiter mit dunkelrotem Licht beleuchtet. Da die aktiven Bereiche des Gehirns einen Teil des Lichtes "verschlucken", wird das Bild an diesen Stellen dunkler. "Wir können selbst kleinste Helligkeitsunterschiede mit unserer sehr empfindlichen Kamera detektieren" erklärt Prof. Löwel. Auf diese Weise lassen sich Aktivitätsmuster des Gehirns mit sehr viel höherer Auflösung darstellen als z. B. mit einem Kernspin-Tomographen.

Siegrid Löwel studierte in Würzburg und Frankfurt/M. Biologie mit den Schwerpunkten Zoologie, Biochemie und Pharmakologie. 1988 promovierte sie am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/M., wo sie bis 1997 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. Im Jahr 1995 habilitierte sie sich für das Fach Zoologie an der Universität Frankfurt/M. und wechselte 1997 an das Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Dort baute sie die Forschergruppe "Visuelle Entwicklung und Plastizität" auf, die sie bis 2002 leitete. Anschließend nahm sie eine Forschungsprofessur an der University of California in San Francisco an und kehrte 2003 als Dorothea-Erxleben-Gastprofessorin an die Universität Magdeburg zurück. Von 2004 bis 2005 erhielt die Neurobiologin und Mutter zweier Kinder eines der renommierten Stipendien im Hertie-Exzellenzprogramm "Neurowissenschaften".

In Jena erforschen Prof. Löwel und ihr Team nun, wie Erfahrung und Lernen die Architektur der Hirnrinde und visuelle Wahrnehmungsleistungen beeinflussen und welche Mechanismen beispielsweise krankheitsbedingten Wahrnehmungsstörungen zugrunde liegen.

Kontakt:
Prof. Dr. Siegrid Löwel
Institut für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie der Universität Jena
Erbertstr. 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949131
Fax: 03641 / 949102
E-Mail: siegrid.loewel[at]uni-jena.de

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