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Fußballmythen wissenschaftlich untersucht

08.06.2006 - (idw) Universität Mannheim

Workshop der Universität Mannheim zeigt, dass Schiedsrichter parteiisch sind und Fans großen Einfluss auf das Spielergebnis haben Dass auch Wissenschaftler der schönsten Nebensache der Welt verfallen sein können, zeigte ein internationaler Workshop, der vor wenigen Tagen an der Universität Mannheim stattfand. Vom 2. bis 3. Juni diskutierten Forscher aus den Fachbereichen Wirtschaft und Psychologie verschiedene Phänomene rund um den Fußball. Organisiert wurde der Workshop "Economics and Psychology of Football" vom Sonderforschungsbereich 504 der Universität, der sich mit Entscheidungsverhalten befasst.

Im Folgenden sind die Ergebnisse des Workshops zusammengefasst. Genauere Informationen gibt es im Internet unter
http://www.sfb504.uni-mannheim.de/EconPsyFootball06 .

- Schiedsrichter tendieren dazu, für die Heimmannschaft parteiisch zu
sein. Sie geben beispielsweise oft eine längere Nachspielzeit, wenn das Team mit Heimvorteil im Rückstand ist. Diese Tendenz hat jedoch selten Auswirkungen auf den Spielausgang.

- Die Position der Linienrichter an der Seite des Spielfeldes führt zu systematischen Fehlern.

- Drei weit verbreitete Mythen des Fußballspiels konnten nicht belegt werden:
1. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Spieler, die im vorangegangenen Spiel getroffen haben, im nächsten Spiel systematisch häufiger das Tor treffen.
2. Ein Tor kurz vor der Halbzeit hat keinen größeren Effekt auf den Spielausgang als ein Tor am Anfang der ersten Hälfte.
3. Teams, die gerade ein Tor geschossen haben, befinden sich direkt danach nicht in größerer Gefahr, selbst ein Tor zu kassieren als sonst auch.

- Seit Johann Neesken 1974 den ersten Elfmeter in einem internationalen
Wettbewerb in die Mitte des Tores geschossen hat, ist das Schießen und Halten von Elfmetern komplexer geworden. Fest steht: Statistisch gesehen werden Elfmeter seit 1974 immer häufiger verwandelt. Dies belegen Bundesligadaten.

- Die Unterstützung der Fans beeinflusst den Ausgang des Spiels: Ungefähr 60 Prozent der Punkte einer Saison werden von den Heimmannschaften gewonnen. Neben dem Heimvorteil gibt es aber auch einen Heimnachteil: Mannschaften, die im eigenen Stadion spielen, vergeben mehr Strafstöße - vor allem dann, wenn ein Spieler der Heimmannschaft einen Elfmeter in die Richtung des eigenen Fanblocks schießt.

- Mannschaften, die rote Trikots tragen, gewinnen nicht häufiger als Mannschaften in blauen Trikots.

- Die Entlassung des Trainers hat kaum Einfluss auf die Leistung eines Teams.

- Die Vorhersagen von Fußballexperten zum Ausgang einer Weltmeisterschaft treffen im Durchschnitt nicht eher zu als Vorhersagen, denen einfache Daumenregeln zugrunde liegen - wie etwa der Blick auf die aktuelle FIFA-Weltrangliste, auf der festgehalten wird, welches Team im Moment nach Spielen das stärkere ist. Generell können Experten etwa die Hälfte der Spiele korrekt vorhersagen.

- Wer lieber auf Favoriten setzt, sollte seine Wette beim Buchmacher mit festgelegter Gewinnchance platzieren. Wetten auf einen Außenseiter sind dann lohnender, wenn man sie an einer Wettbörse mit variablen Gewinnchancen abschließt.

- Statistisch die besten Chancen, den WM-Titel zu holen, haben Nationalteams, deren einheimische Spieler zum großen Teil bei ausländischen Vereinen unter Vertrag stehen sowie Mannschaften, in denen es einige ausländische Spieler gibt. Beispiele für diese Länder sind Frankreich, die Niederlande und Tschechien.


Die Ergebnisse des Workshops zeigen, dass die meisten Mythen rund um den Fußball einer wissenschaftlichen Analyse nicht standhalten. Der Inhalt des Workshops wird in einem Sammelband zusammengefasst.

Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Carsten Schmidt
cschmidt@sfb504.uni-mannheim.de
Universität Mannheim
Sonderforschungsbereich 504
Telefon: 0621 / 181-3450
Fax: 0621 / 181-3451
Internet: http://www.sfb504.uni-mannheim.de/EconPsyFootball06

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