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Entwicklungsziele der Uni Mannheim: Elite-Ausbildung und führende Forschung

22.01.2003 - (idw) Universität Mannheim

Informationswissenschaften sollen ausgebaut werden / Verzahnung aller Fächer mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften / Aufgabenteilung mit Fachhochschulen gefordert: Uni will sich auf Master- und Graduiertenprogramme konzentrieren

Die Universität Mannheim möchte ihre internationale Spitzenposition in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften weiter ausbauen. Universitäts-Rektor Professor Dr. Hans-Wolfgang Arndt stellt am Mittwoch der Öffentlichkeit ein Positionspapier vor, in dem die Leitungsgremien der Universität die langfristigen Ziele und Maßnahmen der Hochschule beschreiben. Danach will die Hochschule eine Eliteausbildung für die Bereiche Wirtschaft und Gesellschaft bieten. Als Mannheimer Markenzeichen sollen alle Studienfächer mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verzahnt werden. In der Forschung möchte die Universität künftig unter anderem verstärkt Lösungsvorschläge für langfristige Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiten.

"Wir haben es sicherlich als eine der ersten deutschen Universitäten geschafft, die Entwicklung sämtlicher Fächer langfristig aufeinander abzustimmen", freut sich Arndt. "Wir positionieren uns damit als eine kompakte, klar profilierte Einheit: Wir sind die führenden Experten für die Bereiche Wirtschaft und Gesellschaft. In diesen Feldern konzentrieren wir uns auf die Ausbildung künftiger Führungskräfte und möchten über interdisziplinäre Forschergruppen noch häufiger als bisher als Think Tank Lösungsvorschläge für langfristige Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft erbringen." So beraten Mannheimer Wissenschaftler schon heute die Vereinten Nationen, Bundes- und Landesregierungen sowie Unternehmen und Verbände. Die Universität stellt beispielsweise die Vorsitzenden der Monopolkommission und der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen, ihre Professoren sind Mitglieder der Rürup-Kommission oder des Ethikrates der Bundesregierung.


Der interne Diskussionsprozess hierzu war, gesteht Arndt, "erwartungsgemäß nicht einfach", habe sich jedoch "sehr gelohnt". Es sei von vornherein klar gewesen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden könnten. "Es ist illusorisch zu glauben, man könne alle Fächer auf Spitzenniveau betreiben. Das Geld hierfür ist einfach nicht da. Nicht nur bei uns, sondern nirgendwo auf der Welt." In den vergangenen Monaten hat die Uni die Schließung ihres Geographischen Instituts sowie die Reduzierung ihres Lehrangebotes im Fach Slawistik beschlossen. Darüber hinaus sind langfristig keine Fächerschließungen geplant.

Im Fokus der Universität Mannheim sollen künftig weiterhin die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften stehen. Sie zählen nachweislich zur bundesweiten Spitze, wie Zitationen, Rankings, Evaluationen, Akkreditierungen oder Preisverleihungen belegen. Als Mannheimer Charakteristikum sollen alle Lehrangebote mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verzahnt werden. Die Juristen etwa führen ihre Ausrichtung auf das Wirtschaftsrecht weiter, die Philosophische Fakultät leistet über die Sprachwissenschaften, die Philosophie und die Medien- und Kommunikationswissenschaft Beiträge für die Bereiche Wirtschaft und Gesellschaft.

Weiterer Entwicklungsschwerpunkt sind die Informationswissenschaften. Die Technische Informatik und die Informatik sollen erweitert werden. Der Landesforschungsbeirat hat bereits explizit einen Ausbau der Mannheimer Informatik empfohlen. In dem Positionspapier der Uni heißt es: "Die Technische Informatik bleibt in Mannheim für das Rhein-Neckar-Dreieck konzentriert."

In ihrem Lehrangebot plant die Universität eine Verlagerung des bisherigen Schwerpunktes. "Wir sind derzeit durch die Bundesgesetzgebung dazu verdonnert, unsere Studierenden in einem Massenbetrieb bis zum Abschluss zu schleusen", so der Mannheimer Rektor. "Das passt nicht zu unserem Selbstanspruch. Für eine erstklassige Ausbildung brauchen wir bessere Betreuungsrelationen", fordert Arndt. "Da mit zusätzlichen staatlichen Mitteln nicht zu rechnen ist, möchten wir künftig weniger Studienplätze in den grundständigen Studiengängen vorhalten müssen. Stattdessen planen wir ein stärkeres Engagement auf Master- und Graduierten-Niveau. Wir möchten vor allem diejenigen ausbilden, die sich nach dem Bachelor dafür entscheiden, in die Forschung zu gehen. Hier kann es endlich wieder zu einer sinnvollen Aufgabentrennung mit den Fachhochschulen kommen. Diese können mit ihren wesentlich besseren Betreuungsrelationen die Grundausbildung für den größten Anteil der Studienanfänger übernehmen."

Alle Fakultäten der Mannheimer Universität sollen sich verstärkt in der Master- und Graduiertenausbildung engagieren. Das Positionspapier sieht beispielsweise vor, dass die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre ihr erfolgreich gestartetes MBA-Programm weiter entwickelt. Zusammen mit der VWL-Fakultät soll sie zudem eine Graduate School für Doktoranden aufbauen. Die Philosophische Fakultät ersetzt den Magister durch Bachelor- und Masterangebote und etabliert ebenfalls eine strukturierte Graduiertenausbildung.

Als "blanken Unsinn" bezeichnete Arndt Spekulationen, die Universitätsleitung plane die Schließung der Fakultät für Rechtswissenschaft. "Das Gegenteil ist der Fall. Wir möchten die Fakultät insbesondere im Bereich Wirtschaftsrecht zu einer der anerkanntesten in Deutschland machen." Die Universität hält an ihrer Ausbildung zum Volljuristen fest. Als Mannheimer Besonderheit richtet sie ihre Schwerpunktbereiche dabei vor allem wirtschaftsrechtlich aus. Schon heute hat sie bundesweit das größte Angebot englischsprachiger Lehrveranstaltungen in ihrem Fach. "Diesen Vorsprung", betont Arndt, "werden wir weiter ausbauen, verbunden mit einer Stärkung unserer juristischen Master-Studiengänge."

Die Universitätsleitung hatte mit dem Positionspapier im Oktober vergangenen Jahres intern eine Diskussion um den künftigen Kurs der Hochschule angestoßen. Hintergrund dieser Überlegung sind die finanziellen Rahmenbedingungen der Landesuniversitäten. In drei Jahren laufen die heutigen Finanzierungszusagen des Landes durch den sogenannten Solidarpakt aus. "Alles andere als eine Kürzung der staatlichen Mittel ab dem Jahr 2007 wäre eine fulminante Überraschung", betont Arndt.

Gleichzeitig stehe die Universität schon heute in einem immer schärfer werdenden nationalen und internationalen Wettbewerb der Hochschulen. "Wir haben uns deshalb dafür entschieden, uns bereits jetzt auf die Zeit nach Auslaufen des Solidarpaktes vorzubereiten. Mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften im Zentrum und den damit eng verzahnten Angeboten der Rechts-, Geistes- und Informationswissenschaften ist die Universität Mannheim ein kompaktes, interdisziplinär strukturiertes System." Nach dem Universitätsrat stimmte jetzt in einer Sondersitzung auch der Senat der Hochschule dem Positionspapier mit großer Mehrheit zu.

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