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Triclosan gehört nur in die Klinik und die Arztpraxis! (BfR-Presseinformation 17/2006)

26.06.2006 - (idw) Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR-Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88-92, D- 14191 Berlin, Tel. 01888/412-4300, Fax. 01888/412-4970, Presserechtlich verantwortlich: Dr. Irene Lukassowitz

17/2006, 26. Juni 2006

Triclosan gehört nur in die Klinik und die Arztpraxis!

Verringerung des Risikos der Resistenzbildung durch restriktiveren Einsatz

Triclosan ist ein biozider Wirkstoff und Bestandteil von Desinfektionsmitteln, die in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie in Krankenhäusern eingesetzt werden. Dort ist diese Anwendung auch sinnvoll und nützlich, um die Übertragung von Krankheitskeimen zu verhindern. Sorgen bereitet den Hygienikern jedoch der zunehmend breite Einsatz des Biozids, niedrig dosiert in verbrauchernahen Produkten wie Wasch- und Reinigungsmitteln oder als biozide Ausrüstung von Kleidung und Kunststoffen. Hierbei besteht nicht nur die Gefahr, dass die Mikroorganismen vermehrt gegen den Wirkstoff Triclosan resistent werden. Der ausgebildete Resistenzmechanismus kann die Keime auch gegen therapeutisch eingesetzte antimikrobiell wirkende Substanzen und Antibiotika unempfindlich machen. "Triclosan sollte daher nur in Kliniken und Arztpraxen eingesetzt werden", fordert BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Dort ist die Anwendung aus hygienischen Gründen notwendig. Im Alltag genügen hingegen Wasser und Seife
oder konventionelle Reinigungsmittel, um den gleichen Effekt zu erzielen."

Die Zahl der Produkte, die das Biozid Triclosan enthalten, hat sich in den letzten Jahren sprunghaft erhöht. Anders als in Desinfektionsmitteln für den ärztlichen Bereich ist Triclosan in verbrauchernahen Produkten niedrig dosiert. Diese niedrigen Konzentrationen reichen häufig nicht aus, um bakterielle Krankheitserreger abzutöten. Dagegen erhöht sich der Selektionsdruck: Erreger, die eine Resistenz gegen Triclosan ausgebildet haben, vermehren sich stärker als die nicht resistenten Erreger der gleichen Spezies.

Im Fall von Triclosan bewirkt eine sich ausbildende Resistenz der bakteriellen Erreger, dass diese auch gegen andere antimikrobielle Substanzen und Antibiotika unempfindlich werden. Der Resistenzmechanismus beruht auf so genannten "Effluxpumpen". Hierbei handelt es sich um zelluläre Strukturen, die giftige Stoffe aktiv über die Membran aus dem Inneren der Zelle nach außen transportieren und so deren Überleben gewährleisten. Somit könnte der mannigfaltige Einsatz von Triclosan im Alltag dazu beitragen, dass sich vermehrt Kreuzresistenzen ausbilden. Krankheitserreger würden dann nicht nur unempfindlich gegen Triclosan, sondern auch gegen antimikrobielle Substanzen und Antibiotika wie Chinolone und Tetrazykline, die in der Therapie beim Menschen eingesetzt werden.

Noch ist nicht eindeutig geklärt, ob das vermehrte Auftreten von Kreuzresistenzen gegen therapeutisch angewandte Antibiotika mit dem zunehmenden Einsatz von Triclosan zusammen hängt. Ein solcher Zusammenhang ist jedoch wahrscheinlich und anzunehmen.

Triclosan und verwandte Biozide sollten deshalb nach Ansicht des BfR nur sehr restriktiv und mit der notwendigen Sorgfaltspflicht angewandt werden. Dies gilt insbesondere im Haushalt, wo der Einsatz derartiger Substanzen keinen Hygienevorteil mit sich bringt und der gleiche Effekt mit anderen klassischen Maßnahmen erzielt werden kann. Deshalb rät das BfR den Verbrauchern, im häuslichen Bereich auf biozidhaltige Reinigungsmittel und Produkte zu verzichten.


Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Homepage des BfR (www.bfr.bund.de) unter dem Menupunkt "Biozide".

ende bfr-p
Weitere Informationen: http://www.bfr.bund.de/cm/217/triclosan_nur_im_aerztlichen_bereich_anwenden_um_resistenzbildungen_vorzubeugen.pdf
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