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Universität Erlangen-Nürnberg: Gesundheits-Vernetzung auf dem Prüfstand

29.06.2006 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Zunehmende Bürokratie, Kostensenkung und Wettbewerbsdruck durch Klinikketten, die verstärkt auch im ambulanten Bereich tätig sind - schwierige Zeiten für freiberufliche Ärzte. Um trotz dieser ungünstigen Rahmenbedingungen eine bessere Patientenversorgung sicherzustellen, wurden in Deutschland in den letzten Jahren über zweihundert Praxisnetze gegründet. Diese Netzwerk-Organisationen bestehen überwiegend aus Praxen von ambulanten Haus- und Fachärzten. Wie weit die Unterstützung der Koordinatoren und Leistungsträger durch elektronische Systeme bereits gediehen ist, und ob die vernetzten Praxen professionell genug arbeiten, um die Herausforderungen zu bewältigen, untersuchten Forscher des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik II der Universität Erlangen-Nürnberg Ende des Jahres 2005. Die empirische Studie zur aktuellen Situation von Praxisnetzen in Deutschland ist jetzt erschienen. Die Untersuchung dokumentiert den Reifegrad der Praxisnetze mit Hilfe einer Analyse des Status quo in den Bereichen "Management", "Prozesse und Strukturen" und "Informationstechnologie". Die Ergebnisse sind alarmierend: Nur fünf von neunzig befragten Netzen (davon 72 aus Deutschland und 18 aus der Schweiz) weisen gute oder sehr gute Ergebnisse auf. Die "Netz-Profis" sind eine Seltenheit: Mehr als die Hälfte der Praxiskooperationen, die bereits über zwei Jahre existieren, haben noch keine hochwertige Netzreife erlangt und gehören somit zu der Kategorie "Nachzügler". Eine Ursache, so zeigt die Studie, ist der niedrige Anteil von Praxisnetzen mit Vollzeit-Management (22 %). Diese weisen deutlich höhere Reifegrade auf als die jungen Praxiskooperationen. Noch stärker ins Gewicht fällt die Zufriedenheit der Netzmitglieder, die bei den langjährig vernetzten Praxen sehr viel höher ist, als bei den Netzpartnern jüngeren Datums (89 % bei "Netz-Profis", 28 % bei "Nachzüglern")..

"Aufgrund dieser deutlichen Leistungsunterschiede sollte einerseits in den Netzen, aber andererseits auch auf Ebene der Politik, der Krankenkassen sowie der ärztlichen Vereinigungen über die Notwendigkeit einer stärkeren Professionalisierung des Netz-Managements und entsprechende Finanzierungsmodelle diskutiert werden", kommentiert Prof. Dr. Freimut Bodendorf, der Leiter des Lehrstuhls Wirtschaftsinformatik II der Uni Erlangen-Nürnberg, die Ergebnisse. Auf diese Weise lassen sich die häufig genannten Barrieren, so zum Beispiel der hohe Organisationsaufwand und das geringe Engagement, in den Griff bekommen. "Kapazität und Know-how müssen an der richtigen Stelle zur Verfügung gestellt werden. Andernfalls ist nicht damit zu rechnen, dass Praxisnetze die in sie gesteckten Erwartungen schnell genug erfüllen", so das Fazit von Prof. Freimut Bodendorf.

Weitere Informationen über die Studie gibt es unter:
http://www.wi2.uni-erlangen.de/index.php?id=252

Weitere Informationen für die Medien:

Günther Schicker
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsinformatik II
guenter.schicker@wiso.uni-erlangen.de

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